"Beethoven-Projekt II": Sensationelle Premiere an der Staatsoper

Stand: 30.05.2021 11:00 Uhr

Seit diesem Wochenende kann auf den Hamburger Bühnen wieder gespielt, gesungen und getanzt werden. Nach sieben Monaten ohne Zuschauerinnen und Zuschauer zeigte das Hamburg Ballett eine emotionale Uraufführung: "Beethoven-Projekt II".

von Annette Matz

Es ist eine Hommage an den großen Komponisten. Das Hamburg Ballett und sein Chef John Neumeier wurden mit Standing Ovations und Bravos in die Nacht entlassen. Zu Beginn des Abends hatte John Neumeier sein Publikum persönlich begrüßt: "Dass ich mich freue, Sie heute Abend hier zu sehen, wäre untertrieben", sagte er.

John Neumeier: Berührende Begrüßung fast unter Tränen

Das Ensemble der Uraufführung "Beethoven-Projekt II". © NDR Foto: Annette Matz
Das Publikum feierte die Ballett Compagnie mit John Neumeier und Kent Nagano.

Sein Ensemble habe immer trainiert, sich immer bewegt. Es habe aber niemanden gehabt, den es bewegen konnte, sagt der Choreograf so berührt, dass ihm fast die Stimme wegblieb. Wie froh er und seine Compagnie waren, endlich wieder vor Publikum tanzen zu können, spürten alle bei jedem Schritt und jeder Note. Je später der Abend wurde, desto mehr.

Zu Beethovens Leben Hausmusik

Zu Beginn zartes Besteck: Hausmusik. Beethovens Sonate für Klavier und Violine Nr.7 c-Moll op.30 Nr.2. Solist Aleix Martinez ist Beethoven. Dessen Jugend, seine schöpferische Energie, seine beginnende Taubheit und die Liebe sind die großen Themen im ersten Teil dieses Abends.

Für den Pas de deux mit Helene Bouchet hat Neumeier einmal mehr tief von seiner Kreations-DNA profitiert. Er hat verschlungene, kräftezehrende Hebungen entwickelt, die "auf dem Papier" eigentlich untanzbar sein müssten. "Eine unglaubliche Leistung", findet eine Zuschauerin, "schon fast akrobatisch".

"Beethoven-Projekt II": Musik und Tanz auf Augenhöhe

Szene aus "Beethoven-Projekt II" vom Hamburg Ballett © Kiran West
Musik und Tanz sind bei dem Stück auf Augenhöhe, greifen substanziell ineinander.

Von Anfang an ist klar: Das hier ist kein Ballettabend, an dem die Musik dem Tanz nur dient. Beide greifen substanziell ineinander, sind auf gleicher Höhe. Unterstrichen wird das durch kleine und große Gesten. Pianistin Mari Kodama trägt zum Beispiel das gleiche grüne Kleid wie eine der Tänzerinnen. Kent Nagano und sein Philharmonischen Staatsorchester sitzen auf der Bühne und nicht im Orchestergraben.

Zusammenarbeit mit Kent Nagano

Zum zweiten Mal hat John Neumeier eng mit Hamburgs Generalmusikdirektor Kent Nagano zusammengearbeitet. Neben zwei Klaviersonaten ist auch das einzige Oratorium zu hören, das Beethoven Anfang des 19. Jahrhunderts schrieb: "Christus am Ölberge". Ein Star steht dafür in der Staatsoper auf der Bühne. Es ist Klaus Florian Vogt. Hamburgs Ballettchef schätzt ihn sehr. Das Hamburger Publikum liebt ihn.

Unglaubliche Tanzfreude springt in der Staatsoper über

Szene aus "Beethoven-Projekt II" vom Hamburg Ballett © Kiran West
Die Aufführung ist eine Hommage an den großen Komponisten Beethoven.

Der zweite Teil des Abends zu Beethovens Sinfonie Nr. 7 ist schlicht mit dem Wort "Tanz!" überschrieben. Dahinter steckt wirklich unglaubliche Tanzfreude, die sich nach so langer Bühnenabstinenz Bahn bricht. In unterschiedlichen, fast barock anmutenden Reigen und Ensemblechoreografien scheint die Compagnie ein Fest nach dem anderen zu feiern. Fast wie Kinder, die Gesichter beseelt. Das schwappt über in die Herzen des Publikums. "Ich bin einfach unglaublich erfüllt", sagt eine Zuschauerin, "das war ein Triumph der Schönheit, des Optimismus und der Kunst."

Maskenpflicht am Platz wird zur Nebensache

Dass während der ganzen Vorstellung Maske tragen musste und man nur getestet oder geimpft Zutritt hatte, wurde komplett zur Nebensache. Es gab ganz andere Gedanken: Am liebsten hätte so mancher sicher mitgetanzt, wäre in eines der wunderbar eleganten, schlichten, farbenfrohen Kostüme des Schweizer Designers Albert Kriemler geschlüpft und hätte sie auf keinen Fall je wieder hergegeben.

"Beethoven-Projekt II": Sensationelle Premiere an der Staatsoper

Nach sieben Monaten ohne Zuschauerinnen und Zuschauer zeigte das Hamburg Ballett eine emotionale und begeisternde Uraufführung.

Art:
Bühne
Datum:
Ende:
Ort:
Hamburg Ballett
Dammtorstraße 28
20354Hamburg
Telefon:
(040) 356 868
Kartenverkauf:
www.hamburgballett.de
Hinweis:
Musik: Ludwig van Beethoven
Choreografie: John Neumeier
Bühnenbild: Heinrich Tröger
Kostüme: Albert Kriemler - A-K-R-I-S
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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 30.05.2021 | 19:00 Uhr

Der Choreograph und Intendant des Hamburger Ballett John Neumeier. © dpa Foto: Frank Eppler

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