Stand: 30.11.2016 16:34 Uhr  | Archiv

Klein, aber schmerzhaft: Aphthen

von Thomas Samboll, NDR Info

Oftmals sind sie nur so klein wie ein Stecknadelkopf, können aber ziemlich große Schmerzen verursachen: weißliche, bläschenartige Veränderungen in der Mundschleimhaut. Mediziner bezeichnen sie als Aphthen, was auf Griechisch entflammen bedeutet - ein Hinweis auf die typischen, manchmal sehr heftigen Schmerzen, die damit verbunden sind. Aphthen können auch auf der Zunge entstehen und sogar auf den Mandeln. Sie stören dann trotz ihrer geringen Größe sehr beim Essen, Sprechen und Schlucken.

Eine Frau hält einen Becher mit einer roten Mundspülung in der Hand © Fotolia.com Foto: alco81
Desinfizierende Mundspüll-Lösungen sorgen dafür, dass die Aphthen schneller heilen.

Im Einzelfall können Aphthen über einen Zentimeter groß werden. "Sie sind meist rundlich, flach, gerötet und haben manchmal einen weißlichen Belag. Auslöser sind oft kleine mechanische Reizungen im Mundraum, etwa schlecht sitzender Zahnersatz bei einer Prothese, Krone oder Brücke. Selbst kleine Kronenränder, Biss-Verletzungen, die man sich selber beifügt, oder bei einem Zahnarztbesuch verwendete Instrumente können dazu führen", erklärt Professor Ralf Smeets, der am Hamburger Universitätsklinikum eine Sprechstunde für Erkrankungen der Mundschleimhaut leitet.

Ursachen können vielfältig sein

Selbst die verbogenen Borsten einer alten Zahnbürste können kleinste Verletzungen im Mundraum hervorrufen und damit Aphthen begünstigen. Wie es genau zu dieser schmerzhaften Reaktion der Mundschleimhaut kommt, ist den Medizinern aber immer noch ein Rätsel. Bakterien, Viren, ein geschwächtes Immunsystem - alles mögliche Ursachen, meint Ralf Smeets. Auch Stress könne ein Auslöser sein oder bestimmte Lebensmittel: "Eisenmangel, Mangel an Folsäure, Vitamin B12 oder Zink wird diskutiert. Aber auch Überempfindlichkeit gegen manche Nahrungsmittel wie Nüsse, Tomaten, Zitrusfrüchte", so der Mediziner.

VIDEO: Aphthen: Histamine können Auslöser sein (13 Min)

Wie werden Aphten behandelt?

Eine Behandlung ist meistens nicht notwendig, denn die betroffenen Stellen heilen in der Regel ziemlich schnell von selbst. Nach rund einer Woche sind sie meist wieder verschwunden. "Um Schmerzen zu lindern, kann es manchmal hilfreich sein, betroffene Stellen mit einer betäubenden Lösung zu betupfen", erläutert Ralf Smeets.

Das soll auch mit Laserbehandlungen erreicht werden, die viele Zahnärzte anbieten. Die Kosten dafür, etwa 40 bis 80 Euro, müssen gesetzlich versicherte Patienten jedoch selber tragen. Was gerade bei mehreren und wiederkehrenden Aphthen richtig ins Geld gehen kann. Manchmal hilft auch Kamillen- oder Salbeitee. Eine gute und günstige Alternative können desinfizierende Mundspüll-Lösungen sein. Das Spülen verkürzt die Dauer der Abheilung nach Ansicht von Experten deutlich.

Die Wirkung von Spezial-Zahncremes gegen Aphthen sei dagegen bislang noch nicht eindeutig bewiesen. Manche Zahnpasten stünden sogar im Verdacht, die Entstehung von Aphthen zu begünstigen, weil sie den Wirkstoff Natriumlaurylsulfat enthalten.

Aphthen sind nicht ansteckend

Die gute Nachricht: Die kleinen Mundgeschwüre sind nicht ansteckend. In der Regel sind die Betroffenen auch ansonsten völlig gesund. Im Zweifelsfall sollte man eine Aphthe aber besser vom Facharzt untersuchen lassen. Ganz selten kann es sich dabei nämlich um einen Tumor handeln. Auch entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Zöliakie, die Unverträglichkeit von Gluten, können dahinterstecken.

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Eine Frau, die unter einer Aphthe leidet, fasst sich mit schmerzverzerrtem Gesicht an die Unterlippe. © picture alliance / dpa Themendienst Foto: Christin Klose

Aphthen behandeln und vorbeugen

Aphthen sind lästige, oft sehr schmerzhafte kleine Entzündungen der Mundschleimhaut. Sie können verschiedene Auslöser haben. Stress und Ernährung spielen meist eine Rolle. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 30.11.2016 | 09:20 Uhr

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