Stand: 18.06.2019 09:51 Uhr

Histamin-Unverträglichkeit erkennen und behandeln

Bild vergrößern
Eine Histamin-Unverträglichkeit kann unter anderem zu Bauchkrämpfen und Übelkeit führen.

Histamin kommt in vielen Lebensmitteln und im menschlichen Organismus vor. Im Körper aktiviert es als Gewebshormon (Botenstoff) zum Beispiel die Verdauung, senkt den Blutdruck und ist an der Immunabwehr beteiligt. In Lebensmitteln bildet sich Histamin vor allem bei der Lagerung und Reifung von eiweißreichen Produkten. Bei einer Histamin-Unverträglichkeit arbeiten bestimmte Bakterien und Enzyme wie die Diaminoxidase (DAO) nicht richtig, die Histamin und ihm verwandte Stoffe (biogene Amine) im Darm abbauen sollen. So bleibt zu viel Histamin im Blut und bereitet den Betroffenen Probleme.

Ein Schaubild zu Histaminunverträglichkeit

Histamin-Unverträglichkeit erkennen und behandeln

Visite -

Eine Histamin-Intoleranz wird oft als Allergie angesehen, ist aber eine Störung des Stoffwechsels. Betroffene leiden unter Bauchkrämpfen, Durchfall, Schwindel oder Hautrötungen.

4,16 bei 25 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Symptome

Eine Histamin-Intoleranz wird oft als Allergie angesehen, doch tatsächlich ist es eine Stoffwechselstörung. Die Betroffenen können Histamin im Körper nicht abbauen und leiden - typischerweise sofort nach dem Essen - unter Bauchkrämpfen, Durchfällen, Übelkeit, Hautrötungen, Schwindel, Herzrasen, mitunter sogar Atemnot und Kreislaufproblemen.

Mögliche Ursachen

Infekte, zum Beispiel Darminfekte, aber auch sehr reichlicher Verzehr histaminhaltiger oder Histamin freisetzender Lebensmittel (sogenannter Liberatoren) können eine Unverträglichkeit hervorrufen oder verstärken. Auch bestimmte Medikamente zum Schleimlösen oder zur Blutdrucksenkung sowie einige Schmerzmittel und Antidepressiva können eine Histamin-Unverträglichkeit fördern.

Diagnostik ist kompliziert

Es gibt kein diagnostisches Verfahren, das eine Histamin-Unverträglichkeit nachweisen kann. Selbst der DAO-Wert im Blut gibt darüber keinen Aufschluss, weil die Zusammenhänge sehr komplex sind. Der Weg zur Diagnose führt daher über Diät und Provokation. Im ersten Schritt müssen aber zunächst andere Krankheiten ausgeschlossen werden, die ähnliche Symptome hervorrufen. Dazu gehören vor allem Colitis Ulcerosa, Zöliakie, Reizdarm oder Krebs. Dann folgt die eigentliche Diagnostik durch systematisches Weglassen bestimmter Nahrungsmittel über mehrere Wochen und anschließende Provokation durch gezielten Verzehr dieser Nahrungsmittel. Reagiert der Körper darauf, steht die Diagnose fest.

Ernährungstagebuch hilft bei der Diagnostik

Die Menge an Histamin, die Menschen mit Unverträglichkeit beschwerdefrei aufnehmen können (Toleranzschwelle), ist individuell verschieden. Am besten ist es, für einige Wochen ein Ernährungstagebuch zu führen. Darin wird notiert, was gegessen und getrunken wird und ob danach Beschwerden auftreten. Eine Ernährungsfachkraft kann helfen, die individuelle Histamin-Verträglichkeit festzustellen und einen Kostplan zu entwerfen, der zu den persönlichen Essensvorlieben passt. Grundsätzlich sollte eine Ernährungsumstellung am besten mit dem Hausarzt oder einem Ernährungsmediziner besprochen werden.

Downloads
77 KB

Histamin-Unverträglichkeit: Therapie-Empfehlungen im DIN-A4-Format (PDF)

Wenn eine Histamin-Unverträglichkeit vorliegt, sollten gelagerte oder verarbeitete Lebensmittel lieber gemieden werden. Die wichtigsten Fakten und Empfehlungen auf einen Blick. Download (77 KB)

Medikamente zur Linderung der Symptome

Lässt sich der Verzehr histaminhaltiger Nahrungsmittel einmal nicht vermeiden, können Antihistaminika und Cromoglicinsäure die Symptome lindern. Auch die Einnahme von Diaminoxidase (DAO) in Kapselform mit den Mahlzeiten kann hilfreich sein.

Experten zum Thema

Dr. Barbara Berg-Drewniok, Fachärztin für Haut- und Geschlechtskrankheiten
Hautarztpraxis am Blankeneser Bahnhof
Sülldorfer Kirchenweg 2
22587 Hamburg
www.hautarztpraxis-blankenese.de

Priv.-Doz. Dr. Viola Andresen, MSc, Leitung Ernährungsteam und Palliativteam
Annegret Hedinger-Doden, Ambulante Ernährungsberatung
Israelitisches Krankenhaus
Orchideenstieg 14, 22297 Hamburg
(040) 511 25-5001
www.ik-h.de/

Weitere Informationen
Informationsseiten aus Österreich zum Histaminintoleranz
www.nahrungsmittel-intoleranz.com

Leitlinie zum Vorgehen bei Verdacht auf Unverträglichkeit gegenüber oral aufgenommenem Histamin
www.awmf.org/ (pdf)

Weitere Informationen

Lebensmittelunverträglichkeit: Krank durch Essen

Bei einer Nahrungsmittelunverträglichkeit können ganz verschiedene Symptome auftreten. Oft plagen sich Betroffene jahrelang, bevor die richtige Diagnose gestellt wird. mehr

Für wen sind Lebensmittel ohne Gluten sinnvoll?

Der Weizen in Lebensmitteln kann krank machen. Was hilft gegen Zöliakie, Weizenallergie und Weizenunverträglichkeit? Und wer sollte auf Produkte mit Gluten verzichten? mehr

Vorsicht bei Schnelltests aus der Apotheke

Schnelltests aus der Apotheke sollen etwa hohe Cholesterinwerte, Eisenmangel, Zöliakie oder Allergien erkennen. Doch nicht immer sind die Tests einfach und eindeutig. mehr

Fleischallergie: Gefahr vom Grill

Auf das Fleisch von Schwein, Rind und Lamm reagieren einige Menschen allergisch. Auslöser für eine Fleischallergie könnte der Stich einer Zecke sein. mehr

Dieses Thema im Programm:

Visite | 18.06.2019 | 20:15 Uhr

Mehr Ratgeber

08:58
Mein Nachmittag
06:32
Markt