Stand: 13.04.2018 11:35 Uhr

Denis Kozhukhin spielt Ravel und Gershwin

Ravel/Gershwin: Klavierkonzerte
von Denis Kozhukhin
Vorgestellt von Franziska v. Busse
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Nachdem der Pianist Denis Kozhukhin 2010 den ersten Preis des Königin Elisabeth Wettbewerbs in Brüssel gewann, errang er schnell internationalen Bekanntheitsgrad.

Zwei CDs hat der russische Pianist Denis Kozhukhin bisher veröffentlicht; beide ganz unterschiedlich. Die erste mit zwei Konzert-Krachern von Tschaikowsky und Grieg, die zweite mit Balladen und Fantasien von Johannes Brahms. Jetzt schlägt er wieder ein neues Klangkapitel auf: Zusammen mit dem Orchestre de la Suisse Romande unter Kazuki Yamada hat er das Klavierkonzert von George Gershwin aufgenommen, dazu beide Klavierkonzerte von Maurice Ravel.

Herrliche Lebendigkeit

Am Anfang: Der Peitschenknall! "Hier spielt die Musik!", scheint Maurice Ravel uns zuzurufen. Ein kleiner, zierlicher Mann als Zirkusdirektor, Jongleur, Seiltänzer und Löwenbändiger gleichzeitig. Ravels Musik bändigen zu wollen - diesen Fehler macht Denis Kozhukhin nicht. Er und das Orchestre de la Suisse Romande unter Kazuki Yamada bespielen die gesamte Manege - da weiß man manchmal gar nicht, wo man hinhören soll oder welchem Klangeindruck man gerade den Vorzug geben möchte.

1930 hat Ravel sein G-Dur-Klavierkonzert in Angriff genommen: Nach einer sehr erfolgreichen und inspirierenden Amerikatournee, während der er auch mit George Gershwin zusammengetroffen war. Entsprechende Anklänge finden sich überall im Werk. Und vor allem im Finale schöpfen Kozhukhin und das Orchester daraus eine herrliche Lebendigkeit, die an die Situationskomik einer Slapstick-Nummer erinnert. Ein Franzose in New York?

Veranstaltungen
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Die richtige Atmosphäre

Aber trotz der unüberhörbaren Parallelen und gegenseitigen Einflüsse: Bei Gershwin klingt dann doch alles nochmal ein bisschen anders: robuster, direkter, im besten Sinne: "großschnäuziger". Und auch der Solist - bei der Uraufführung natürlich Gershwin selbst - steht viel plakativer im Rampenlicht.

Im lyrischeren zweiten Satz darf dann erst einmal die Trompete das Lied der Großstadt singen. So perfekt trifft das Orchester den Ton, die richtige Atmosphäre, dass unwillkürlich die Frage auftaucht: Kann sich das Klavier da überhaupt überzeugend einklinken? Denis Kozhukhin kann. Mit Leichtigkeit folgt er Gershwin von Szene zu Szene - von verträumter Schummrigkeit über elegantem Swing bis hin zum Breitwand-Sound.

Unglaublich, wie das funktioniert

Ein ungleich schwererer, dunklerer Brocken ist Ravels Klavierkonzert für die linke Hand. Komponiert hat er es für den kriegsversehrten Pianisten Paul Wittgenstein. Unglaublich, wie das funktioniert. Und bewegend auch, wie Kozhukhin und das Orchester dieses zerklüftete Werk gemeinsam interpretieren: als "Geschichte vom Soldaten", dem nur seine Kunst zurück ins Leben helfen kann.

Anstrengend, überdreht, spielerisch, humorvoll, fantasiereich und ungebremst pathetisch. Die alte und die neue Welt um 1930: Stilsicher eingefangen - virtuos dargestellt!

Ravel/Gershwin: Klavierkonzerte

Label:
Pentatone

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue CDs | 16.04.2018 | 15:20 Uhr