Stand: 20.08.2018 11:11 Uhr

Yo-Yo Ma spielt Bachs Cellosuiten

Six Evolutions
von Yo-Yo Ma
Vorgestellt von Chantal Nastasi

Wie für viele andere Interpreten ist Bach auch für den Cellisten Yo-Yo Ma ein besonders wichtiger Komponist. Immer wieder hat er einzelne Sätze aus seinen Solosuiten als Zugabe in Konzerten gespielt und Bachs Werke auch in Gänze im Studio aufgenommen. Bereits zweimal hat er die sechs Solosuiten von Bach auf Doppel-CDs herausgebracht. Und nun hat er sie zum dritten Mal eingespielt, "Six Evolutions" heißt das Doppel-Album.

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Bereits zum dritten Mal hat Yo-Yo Ma Bach Cellosuiten eingespielt.

Seit knapp 60 Jahren seien Bachs Cellosuiten sein ständiger Begleiter, schreibt Yo-Yo Ma im Booklet der Aufnahme. Und so markieren auch die Einspielungen der Suiten wichtige Stationen in Yo-Yo Mas Leben. Erstmals hat er sie mit Ende 20 aufgenommen, mit Anfang 40 und jetzt mit Anfang 60. Emotional ist diese dritte Einspielung, warm im Ton und ziemlich frei im Tempo.

Yo-Yo Ma öffnet einen Raum

In seiner ersten Aufnahme in den 80er-Jahren klang der Anfang dieser berühmten und viel gespielten G-Dur Suite deutlich gleichförmiger - auch der damaligen "Spielmode" geschuldet.

Yo-Yo Ma wählte damals auch nicht die chronologische Reihenfolge der Suiten, wie er es jetzt und auch auf seiner zweiten Einspielung getan hat. Stattdessen folgten auf die Erste Suite Nr. 4 und 5, auf Nr. 2 die Suiten 3 und 6. Die besonders hoch liegende und daher technisch und intonatorisch heikle Sechste Suite in D-Dur klingt heute viel zerbrechlicher. Auch der Anfang tönt nicht nur breit, sondern Yo-Yo Ma öffnet mit verschiedenen Abschattierungen einen Raum.

Podcast NDR Kultur Neue CDs © NDR

Yo-Yo Ma - "Six Evolutions"

NDR Kultur - Neue CDs -

Bereits zweimal hat der Cellist Yo-Yo Ma die sechs Solosuiten von Bach auf Doppel-CDs herausgebracht. Nun hat er sie zum dritten Mal eingespielt.

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Das mehrstimmige Gerüst dieser Suiten steht bei Yo-Yo Ma heute viel mehr im Vordergrund. Er strafft und dehnt die Phrasen, sein Bach ist gefühlvoller und gleichzeitig deutlicher in seiner Architektur.

Ein völkerverbindendes Projekt

Wer Details hörbar machen möchte, muss sie hervorheben: Durch verschiedene Lautstärken, durch agogisches Tempogestalten oder man nimmt sich Zeit. Weil für Yo-Yo Ma der emotionale Gehalt ebenso wichtig ist wie die Struktur, wählt er oft langsame Tempi, der tänzerische Charakter dieser Suiten ist dann manchmal zweitrangig.

Die universellen Gedanken, die Bachs Musik prägen, erlauben einen immer neuen Blickwinkel darauf. Und das ist es auch, was Interpretation sein sollte: ein nie abgeschlossener Prozess. Seine eigene Reise mit diesem Werk nimmt Yo-Yo Ma zum Anlass, ein völkerverbindendes Projekt zu starten und die Cellosuiten über zweieinhalb Jahre überall auf der Welt, auch an ungewöhnlichen Orten, aufzuführen. Wer seinem intensiven Ton und seinem intensiven Gestalten zuhört, weiß, dass dieses Projekt nicht nur gutem Marketing entspringt.

Six Evolutions

Label:
Sony Classical

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue CDs | 20.08.2018 | 15:20 Uhr