Stand: 08.06.2018 18:09 Uhr

Boris Giltburg spielt Rachmaninow

Rachmaninow: 3. Klavierkonzert & Corelli-Variationen
von Boris Giltburg
Vorgestellt von Franziska v. Busse

Der russisch-israelische Pianist Boris Giltburg hat die "Corelli-Variationen" und dazu das kolossale dritte Klavierkonzert von Sergej Rachmaninow eingespielt - ein Werk, das oft als der "Mount Everest" der Klavierliteratur beschrieben wird. Aber Giltburg schaut lässig von oben herunter.

Alles im Griff

Eigentlich schade, findet Boris Giltburg, dass bei diesem Klavierkonzert so oft vor allem das Äußere zählt: seine Länge, seine enormen pianistischen Schwierigkeiten, die Unmenge an Noten, die Rachmaninow im Manuskript über- und nebeneinander gedrängt hat. Das ist für ihn ein bisschen so, als würde man einen 800-Seiten-Roman lesen, ohne sich wirklich für den Inhalt zu interessieren.

So eine Aussage muss man sich erst einmal leisten können. Und ich mache es nicht spannend: Boris Giltburg kann sie sich erlauben. Zum einen, weil er tatsächlich technisch alles im Griff hat. Zum anderen, weil er uns wirklich 800 Seiten lang in Atem hält - zusammen mit dem Royal Scottish National Orchestra, dirigiert vom Mexikaner Carlos Miguel Prieto.

Rachmaninows großer Roman

Ein israelischer Pianist mit russischen Wurzeln, ein schottisches Orchester, ein mexikanischer Dirigent - keine so außergewöhnliche Zusammensetzung im internationalen Klassik-Betrieb. Aber man hört, dass sich da etwas mischt, dass da nicht einfach in guter Tradition der "große, alte, schwere, seelenvolle Russe" präsentiert wird. Im Gegenteil: Das Orchester klingt leicht, hell, federnd, was ungeheuer gut zur kontrollierten und fein austarierten Spielweise von Boris Giltburg passt.

CD-Tipp

Komplexe Gefühlswelten

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Am schönsten ist aber, wie sie uns gemeinsam Rachmaninows großen Roman erzählen: mit Hauptsträngen und Nebenhandlungen, mit überraschenden Wendungen und mit Ereignissen, die sich dann doch unterschwellig schon angekündigt haben.

Gezügelter Wahnsinn

Ganz pur - ohne Orchester - ist das Klavierspiel von Boris Giltburg dann in den "Corelli-Variationen" zu hören. Das berühmte Thema stammt gar nicht von Corelli. Er hat es selbst nur variiert. Acht schlichte Takte, die sich bis in den Wahnsinn steigern lassen. So sagt es schon der Titel: "La Folia". Bei Boris Giltburg bleibt dieser Wahnsinn gezügelt. Er konstruiert stattdessen klug aufgebaute Spannungsbögen und zeigt uns Klangwelten, die mal an Ravel, mal an Strawinsky und mal an Alexander Skrjabin denken lassen.

Zwei Werke, die sich in ihrer Unterschiedlichkeit besser ergänzen, als man auf Anhieb gedacht hätte. Was aber auch an der großartigen Interpretation liegt.

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Boris Giltburg spielt Rachmaninow

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Der russisch-israelische Pianist Boris Giltburg hat die "Corelli-Variationen" und dazu das kolossale dritte Klavierkonzert von Sergej Rachmaninow eingespielt.

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Rachmaninow: 3. Klavierkonzert & Corelli-Variationen

Label:
Naxos

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue CDs | 11.06.2018 | 15:20 Uhr