Stand: 25.03.2020 11:20 Uhr

Musik-Blogs: Experimentell und am Puls der Zeit

von Dagmar Penzlin

NDR Kultur stellt Musik-Websites vor, die einen längeren Besuch wert sind. Gerade das Internet bietet die ideale Plattform, um schnell auf aktuelle Ereignisse zu reagieren. Angesichts der Corona-Pandemie ist jetzt auch die Stunde der Musik-Blogs. Eine Übersicht lohnender Surf-Tipps.

Eine Harfenistin spielt Beethovens "Ode an die Freude" in ihrem Wohnzimmer. Ein Hauskonzert? Nein, das Fenster ist weit geöffnet. Denn Sonntagabend haben überall in Deutschland Musikerinnen und Musiker für ihre Mitmenschen diese große klingende Vision einer weltumspannenden Solidarität angestimmt. Für Blogger Norman Lebrecht Anlass, am gleichen Abend noch ein paar Beispiele dieser Aktion zu posten. Kommentiert mit einem Satz: "Während die Kanzlerin in Quarantäne ging, kamen andere auf ihre Balkone."

"Slippedisc" - britischer Blog zur Klassik-Szene

Der BBC-Moderator Norman Lebrecht liebt es, mit seinem Blog "Slippedisc" am aktuellen Geschehen dicht dran zu sein, sozusagen am Nerv der internationalen Klassik-Szene. Es sind meistens kurze Meldungen im Wechsel mit musikalischen Netz-Fundstücken. Knapp, doch gern euphorisch kommentiert. 2007 hat der britische Journalist Lebrecht sein Internet-Tagebuch gestartet. Mittlerweile besuchen über zwei Millionen Interessierte im Monat die Website.

Diese Zahl nannte Lebrecht gerade am 18. März, als er seiner Leserschaft versicherte, jetzt - in Zeiten der Corona-Pandemie - den Nachrichtenfluss zu intensivieren. Entsprechend dominiert die aktuelle Krise die jüngsten Einträge. Wer hat sich infiziert aus der Klassik-Szene? Wie retten sich Orchester und andere Institutionen durch diese schwere Zeit? Dabei gibt Lebrecht auch britischem Galgenhumor Raum. Etwa mit dem Coronavirus Concerto.

"Bad Blog of Musick" - deutscher Klassik-Blog

Das deutsche Pendant zu "Slippeddisc" ist aktuell in gewisser Weise der "Bad Blog of Musick": Eine Art publizistische Spielwiese, die die "neue musikzeitung" dem Komponisten und Blog-Gründer Moritz Eggert sowie einer Handvoll Autorinnen und Autoren bietet. Natürlich dominiert auch hier die Corona-Krise die Beiträge. Neben praktischen Tipps zu Soforthilfen für Musiker arbeiten sich die Autoren auch künstlerisch am Virus ab. Der gebürtige Braunschweiger Arno Lücker hat eine Corona-Version von Beethovens "Für Elise" kreiert. Nach dem Motto: "Mindestens eine Terz Abstand halten!" Sie ist zu erleben in Form von Noten und Videos.

Das reiche Blog-Archiv erweist sich aber auch als Wundertüte. Wer den schrägen Humor von Moritz Eggert schätzt, wird manche Video-Perle entdecken: Man braucht einfach nach nur nach dem Stichwort "Video" zu filtern. So kommentiert Eggert mit einem satirisch-ironischen Hausbesuch bei einer "Komponistin", dass der GEMA-Autorenpreis 2018 keine Frau berücksichtigt hat.

Was beiden vorgestellten Blogs fehlt, sind Schlagworte oder andere Filter-Kategorien, um an die schon veröffentlichten Schätze heranzukommen.

Irene Kurkas Podcast-Blog - schon 70 Folgen

Übersichtlicher ist da der Podcast-Blog von Irene Kurka mit mittlerweile schon mehr als 70 langen Episoden. Die Sopranistin und Spezialistin für Zeitgenössische Musik erzählt von sich und ihrem Alltag. Meistens trifft sie andere Musikerinnen und Musiker, auch Komponisten und Experten fürs Selbstmanagement von Freiberuflern. Es sind kurzweilige Einblicke ins Metier.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassikboulevard | 25.03.2020 | 11:20 Uhr