Stand: 03.04.2020 18:02 Uhr

Corona: Digitale Kulturangebote im Norden

von Anina Pommerenke

In Zeiten von Corona heißt es für Kulturschaffende doppelt kreativ sein - was den Inhalt betrifft, aber vor allem bezüglich der Wege, auf denen dieser zu den kulturinteressierten Menschen gelangt. Auch die Kulturpartner von NDR Kultur haben sich einiges einfallen lassen, um die Zeit zu überbrücken, bis die Museen wieder öffnen und die Bühnen wieder bespielt werden.

Niedersachsen

Tänzerin Teele Ude hat in ihrem Wohnzimmer eine rote Sportmatte ausgelegt und macht Pilates-Übungen vor - ein Angebot der Ballett Compagnie Oldenburg. Bis der Vorhang wieder aufgeht, sei das der Plan B. So wolle man mit dem Publikum in Kontakt bleiben, heißt es auf dem Instagram-Account des Ensembles. Dreimal die Woche gibt es dort jetzt Live-Pilates-Sessions. So bleiben die Fans nicht nur in Kontakt mit der Compagnie, sondern auch noch fit.

Auf Instagram setzt auch die Kunsthalle Bremen. Täglich gibt es unter dem Hashtag #NorbertDaily ein Bild aus der aktuellen Ausstellung zu sehen, die das Schaffen des 2013 verstorbenen Bremer Künstlers Norbert Schwontkowski würdigt.

Auch das Kunsthaus Stade holt die aktuelle "Jeanne Mammen"-Ausstellung ins Internet: Auf YouTube führt Kuratorin Regina Wetjen in einem Video-Podcast durch die Ausstellung. In jeder Folge zeigt sie mehrere Bilder und versorgt die Zuschauer mit interessanten Hintergrundinformationen.

Ähnliche Angebote finden sich in den Sozialen Netzwerken beim Staatlichen Museum Schwerin, beim Sprengel Museum Hannover und beim Kunstmuseum Wolfsburg.

Das Schauspiel Hannover streamt immer sonnabends um 19.30 Uhr eine Produktion auf der eigenen Homepage, die dann für 24 Stunden im Netz steht. Und auch bei der Staatsoper Hannover schicken Ensemblemitglieder täglich um 17.00 Uhr kreative Grüße über Facebook und Instagram.

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Mecklenburg-Vorpommern

Auch die Theater wollen Kontakt halten und melden sich aus der unfreiwilligen Corona-Pause. Zum Beispiel hat das Volkstheater Rostock auf seiner Homepage eine kleine Video-Reihe ins Leben gerufen: Dort melden sich Theaterschauspieler und Musiker der Norddeutschen Philharmonie mit kleinen Beiträgen zu Wort.

Das Theater Vorpommern gibt auf YouTube dagegen Einblick ins Balletttraining - auch für Kinder:

Auch am Theater Braunschweig und am Mecklenburgischen Staatstheater melden sich die Ensemblemitglieder aus dem "Homeoffice" mit kreativen Grüßen. Trompeter Florian Weber von der Staatskapelle Schwerinspielt hier ein Ständchen aus seiner Dusche. Und Theaterpädagogin Anne Wittmiß meldet sich mit einem liebevoll in Stopmotion-Technik produzierten Video zum Thema "Was tun wenn zu Hause schon alles geputzt und der Abwasch erledigt ist".

Hamburg

Die Inszenierung von Verdis Falstaff an der Hamburgischen Staatsoper hatte bei der Premiere im Januar für umstrittene Reaktionen gesorgt. Unumstritten ist die hochkarätige Besetzung mit Ambrogio Maestri und Maija Kovalevska. Die gesamte Inszenierung können Sie sich hier jetzt einfach zu Hause auf der Couch anschauen.

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Auch das Thalia Theater in Hamburg verlagert sein Programm ins Netz.

Das ist aber nur eines von vielen Online-Angeboten der Hamburgisches Staatsoper: Darüber hinaus gibt es auf der Internetseite des Hauses exklusive Einblicke hinter die Kulissen - und zahlreiche kreative Videos von Gehirngymnastik bis zu einer Anleitung zum Händewaschen mit Mezzosopranistin Renate Spingler.

Auch das Thalia Theater streamt in großem Stile im Netz: sowohl Premieren und aktuelle Inszenierungen, aber auch Klassiker aus den letzten 30 Jahren. Jeden Abend um 19 Uhr ist eine neue Inszenierung online. In der vergangen Woche war mit "L'école de femme" zum Beispiel schon ein Gastspiel vom Theatre de l'odeon in Paris dabei.

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Weil das Literaturhaus Hamburg alle Veranstaltungen vom Gemischten Doppel - also den Literaturexperten Rainer Moritz und Annemarie Stoltenberg absagen musste - sprechen die beiden jetzt "im Einzel" und immer an Wochentagen auf der Internetseite des Hauses Leseempfehlungen aus.

Viele Exponate und Hintergrundinformationen im Netz zeigen auch die Deichtorhallen Hamburg, die Hamburger Kunsthalle und das Europäische Hansemuseum in Lübeck. Dass man auf Kunst in diesen Zeiten nicht verzichten sollte, ist das Motto beim Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg. Das Museum hat eine Videoreihe gestartet, in der Mitarbeiter des Hauses Einblicke in ihre Arbeit gewähren. Frank Hildebrandt, Leiter der Sammlung Antike, stellt zum Beispiel auf dem Instagram Account eine antike Trinkschale vor:

Schleswig-Holstein

Auch die Schauspieler und Musiker an den Theatern in Kiel und Lübeck senden über die Sozialen Medien Grüße von zu Hause.

Das Theater Kiel startet jetzt auch ein Streamingangebot: Den Auftakt macht das Philharmonische Orchester am Montagabend in einer deutlich abgespeckten, corona-konformen Besetzung mit ausgewählter Kammermusik auf YouTube.

Auch viele Museen in Hamburg und Schleswig-Holstein haben ihr Online-Angebot im Zuge der Corona-Krise deutlich ausgebaut. Das Museum der Westküste stellt Online-Führungen durch die aktuellen Austellungen ins Netz, sowie Gespräche mit Künstlerinnen und Künstlern so wie Astrid Busch.

Und so lang wie die Corona-Krise Einschränkungen im öffentlichen Leben mit sich bringt, werden die Online-Angebote der NDR Kulturpartner stets aktualisiert und weiter ausgebaut.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch unterwegs | 04.04.2020 | 15:15 Uhr