Traktoren stehen vor einem Gebäude. © NDR Foto: Katharina Seiler

Niedersachsens Landwirte protestieren in Berlin

Stand: 26.01.2021 14:41 Uhr

Das Bundeslandwirtschaftsministerium war am Dienstag von einem Kordon aus Traktoren umschlossen. An der Protestaktion nahmen auch Landwirte aus Niedersachsen teil.

von Katharina Seiler

An den Traktoren sind Plakate befestigt, mit Aufdrucken wie "Sie säen nicht und sie Ernten nicht, aber sie wissen alles besser". An anderen wehen schwarze Fahnen, darauf ein weißer Pflug gekreuzt von einem roten Schwert. Das Zeichen des unorganisierten bäuerlichen Protestes während der Weimarer Republik, das immer häufiger bei heutigen Bauerndemonstrationen gesehen wird. Denn vom Bauernverband und anderen landwirtschaftlichen Organisationen fühlen sich die Landwirte hier nicht mehr vertreten, sagt Stefan Landsberg, Acker- und Schweinebauer, aus dem Landkreis Diepholz.

Forderungskatalog an Agrarministerin Klöckner

Von links: Jürgen Evers aus LK Oldenburg, Stefan Landsberg aus Diepholz, Jens Viktor aus Stuhr, Marco Schumacher aus Weyhe. stehen vor einem Traktor vor dem Bundeslandwirtschaftsministerium. © NDR Foto: Katharina Seiler
Einen ganzen Tag haben diese Landwirte aus Oldenburg, Weyhe, Stuhr und Diepholz für die Fahrt nach Berlin gebraucht. Jetzt wollen Sie mit Ministerin Klöckner sprechen.

Zwölf Stunden hat Landsberg mit seinem Traktor von Diepholz nach Berlin gebraucht. Jetzt steht er mit rund hundert anderen Bauern vor dem Bundeslandwirtschaftsministerium und will mit Ministerin Julia Klöckner (CDU) reden. "Ein paar von uns haben schon versucht zu klingeln, aber irgendwie kein Gehör gefunden", erzählt Landsberg. Aber das Ziel sei solange zu bleiben, bis sie Klöckner ihr Leid geklagt hätten. Sie hätten da auch ein kleines Forderungspapier mitgebracht, was sie ihr übergeben wollten, sagt der Diepholzer Landwirt.

Höhere Lebensmittelpreise, niedrigere Auflagen

Die Landwirte fordern unter anderem höhere Lebensmittelpreise, die auch bei ihnen als Erzeuger ankommen. Und sie wollen, dass die hohen deutschen Lebensmittel-Standards auch für importierte Produkte gelten. Außerdem fordern sie weniger Auflagen und Verordnungen, die sie daran hindern, wirtschaftlich zu produzieren. Und auch die Düngeverordnung sollte ausgesetzt werden. Bis kommenden Sonntag wollen die Bauern auf die Ministerin warten, solange haben sie diese Art Mahnwachen an verschiedenen Stellen in Berlin angemeldet.

Klöckner sieht sich nicht in der Verantwortung

Auf Anfrage von NDR 1 Niedersachsen hieß es aus dem Bundeslandwirtschaftsministerium, Ministerin Klöckner plane ein Gespräch mit den protestierenden Landwirten. Allerdings machte das Ministerium auch deutlich, dass sich die Forderungen der Landwirte nicht so einfach umsetzen ließen. Denn mit der Düngeverordnung müsse EU-Recht umgesetzt werden. Und auf die Lebensmittelpreise habe die Politik keinen Einfluss. Allerdings erwarte die Ministerin vom Einzelhandel, dass er sich mit den Landwirten auf ein faires Miteinander verständige.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 26.01.2021 | 14:00 Uhr

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