Stand: 07.04.2019 11:49 Uhr  - NDR 90,3

Hamburger Monopteros strahlt wieder

von Sonja Puhl, NDR.de

"Ältere Sprayer sprayen nicht drüber, wenn da schon was künstlerisch gestaltet ist", gibt sich Björn Holzweg im Gespräch mit NDR.de zuversichtlich. "Die akzeptieren das." Der Künstler, der sogenannte Urban Art macht, hat innerhalb gut einer Woche ein wirkliches Kunstwerk geschaffen auf den Außen- und Innenwänden und den Säulen des kleinen Rundtempels im Hayns Park in Hamburg-Eppendorf - auch mit dem Hintergedanken, wilde Graffiti dort zu verhindern. Seine Naturmotive zeigen Landschaften aus Hamburg und dessen Umland, dem Stadtpark, aus Klövensteen oder aus seinem Garten. Am Sonntag ist der neu gestaltete, sogenannte Monopteros nach mehr als einjähriger Sanierung feierlich eingeweiht worden. Die Gefahr, dass sein Werk durch wilde Graffiti zerstört wird, sieht der 40-jährige Künstler aus der Street-Art-Szene eher durch Halbwüchsige gegeben: "Aber man weiß dann meistens, wer das war, weil es fast immer Wiederholungstäter sind, und dann spricht man mit denen ..." Es gebe eine Art Sprayer-Ethos und die Hemmschwelle sei allemal höher, als wenn man eine freie Fläche anbiete.

Monopteros im Hamburger Hayns Park im neuen Gewand

Kampf dem Verfall

Diese Hoffnung hat auch die Grünen-Politikerin Sina Imhof. Sie sagte NDR.de, sie verstehe, dass der Reiz für Sprayer groß sei, wenn sie vor einer unbemalten Fassade stünden. Sie machte sich als Mitglied der Bezirksversammlung Hamburg-Nord dafür stark, dass der Monopteros wieder schön hergerichtet wird: "Wenn etwas verrottet aussieht, dann neigen die Leute dazu, das weiter zu vermüllen." Die Anwohner wollten den Pavillon als Wahrzeichen des Quartiers wiederbelebt wissen und sammelten auch Spenden dafür.

275.000 Euro kostete die Sanierung

Doch schnell war Imhof und ihren Mitstreitern klar, dass das Projekt aufwendig und teuer werden würde: Seit Sommer 2016 war die "bedeutende historische Parkstaffage aus der Zeit des privaten Landschaftsgartens des 18. und 19. Jahrhunderts", wie der Hamburger Denkmalschutz den Pavillon einordnet, dann sogar wegen Einsturzgefahr durch einen Bauzaun abgesperrt worden: Die Bausubstanz war unter anderem durch Graffiti-Farbe geschädigt geworden, Vandalismus hatte dem Pavillon den Rest gegeben, es war sogar aufs Dach geschossen worden.

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Noch vor gut einem Jahr war der Monopteros im Hayns Park Sperrgebiet.

Für die Sanierungskosten zahlte die Umweltbehörde am Ende 275.000 Euro. Bereits 1998 hatte sie nach eigenen Angaben schon einmal mehr als 40.000 Euro in eine Sanierung gesteckt. Diesmal sollte es nachhaltiger sein. Mit Unterstützung des Denkmalschutzamtes wurden außerdem die Farbschichten analysiert, sodass der Monopteros jetzt in seiner Original-Farbe erstrahlt. Gut anderthalb Jahre war der Pavillon letztlich abgesperrt.

"Ich hätte schlaflose Nächte gehabt, wenn er abgerissen worden wäre"

Dass der Monopteros erhalten und jetzt auch wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird, freut auch Jens Beck vom Hamburger Denkmalschutzamt: "Ich hätte schlaflose Nächte gehabt, wenn er abgerissen worden wäre", sagte der Experte für Gartendenkmäler. Er schwärmte im Gespräch mit NDR.de von den "fantastischen Proportionen" des Pavillons und dem Genie des Architekten Fritz Schumacher und des Garten- und Landschaftsarchitekten Otto Linne. Linne gestaltete 1931 den Hayns Park zu einem öffentlichen Volkspark um und machte damit auch den Monopteros der Öffentlichkeit als Treffpunkt zugänglich. Beck ist froh, dass der Monopteros nicht eingezäunt wurde, wie zwischenzeitlich auch diskutiert worden war: "Jetzt entspricht er wieder seinem ursprünglichen Sinne", freute er sich.

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Hayns Park und der Monopteros gehörten früher Senator Max Theodor Hayn (1809-1888). 1931 machte der damalige Gartendirektor Linne den Park für alle zugänglich.
Kunstwerk nutzt sich mit der Zeit ab

Eigentlich ist der Plan, den Monopteros zweimal im Jahr mit einem neuen Kunstwerk zu versehen. Dafür hatte die Bezirksversammlung Hamburg-Nord 20.000 Euro beigesteuert. Ob das wirklich so häufig realisierbar ist, steht noch in den Sternen. Der politische Wille dazu sei nach wie vor da, bekräftigt Imhof. Und auch von künstlerischer Seite sieht man die Notwendigkeit: "Wenn man so etwas nicht bespielt, blättert die Fassade nicht nur ab, sondern es nutzt sich auch ab", argumentiert Marcus Schild von der Galerie Affenfaust, die als Kooperationspartner für die Künstlerauswahl und als Berater hinzugezogen wurde. Für das Landschaftsbild von Holzweg wurden spezielle Farben genommen, die der Bausubstanz nicht schaden.

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Ist das Kunst oder kann das weg? Wilde Graffiti stoßen nicht bei allen Betrachtern auf Begeisterung.
Schutz durch Kunst funktioniert auch woanders

Mit gezielter Bemalung schützen: Das Konzept funktioniert auch woanders. Imhof berichtete, dass beispielsweise am Jahnring am Hamburger Stadtpark zwei Unterführungen geplant mit Graffiti verziert wurden. Auch Künstler Holzweg hat in Hamburg schon viele Fassaden als Auftragsarbeit gestaltet, etwa 2015 die der Endo-Klinik in Altona oder auch die Außenwand eines Miethauses auf St. Pauli. Was nach Jahren mit diesen Kunstwerken geschieht? Holzweg sieht es gelassen: "Kunst ist vergänglich, vor allem, wenn man draußen malt." Der Prozess an sich sei für ihn wichtig, danach könne er loslassen. Weil das die Anwohner und Freunde des Monopteros im Haynspark vielleicht anders sehen, hat die Bezirksversammlung aber sicherheitshalber zwei bis drei Nachbesserungen des Künstlers eingepreist - falls der Respekt vor seinem Kunstwerk doch nicht bei allen groß genug sein sollte.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 07.04.2019 | 11:20 Uhr