Stand: 29.03.2019 17:41 Uhr

Jens Harzer - der Meister des Monologs

von Heide Soltau

Seit dem 22. März ist Jens Harzer der neue Träger des Iffland-Rings. Der diamantbesetzte Eisenring mit dem Porträt des legendären Schauspielers und Theaterdirektors August Wilhelm Iffland, der zur Zeit Goethes gelebt hat, gebührt - laut Satzung - dem "bedeutendsten und würdigsten Bühnenkünstler des deutschsprachigen Theaters". Ein Porträt des 47-jährigen Schauspielers.

Jens Harzer gehört zum festen Ensemble des Thalia Theaters Hamburg. Schnelle Interviews gibt er nicht und bisher hat er sich vor keinem Mikrofon zu der Auszeichnung geäußert. Er gehört zu den leisen, zurückhaltenden Schauspielern. Für das Feuilleton würde er sich nicht vor einem Theater fotografieren lassen. Porträts über sich mag er nicht mehr lesen, da stehe sowieso immer das Gleiche drin. Jens Harzer spricht mit Journalisten ausschließlich über seine Arbeit. Private Fragen blockt der 47-Jährige frostig ab. Kein Wort über seine Frau, die auch Schauspielerin ist.

Der neue Träger des Iffland-Rings: Jens Harzer

Jens Harzer spricht durch Gesten

Was den Künstler Jens Harzer auszeichnet, sind die sparsamen Mittel und seine Präsenz. Ihm reicht eine einzige Geste, um eine Geschichte zu erzählen. Wenn er in "Onkel Wanja" als Arzt Astrow der alten Kinderfrau Christine einen Kuss auf das Kopftuch haucht, spürt man Verbundenheit, Zärtlichkeit und Fürsorge. "Das Alleinschaffen ist nur ein Viertel der ganzen Arbeit. Oder noch weniger. Ideen, die man zu einem Stück, einer Rolle oder dem jeweiligen Ausdruck hat, den man sich aussucht, kann man bis zu einem gewissen Grad haben, aber es dividiert sich immer durch die Gemeinschaft. Das ist meist sehr schön, manchmal aber auch schwierig", sagt der neue Iffland-Ring-Träger.

Die Leistung des Ensembles

Prägend war die Arbeit mit Regisseuren wie Dieter Dorn, Peter Zadek und Jan Bosse, vor allem aber mit Jürgen Gosch, als dieser 2008 am Deutschen Theater Berlin "Onkel Wanja" von Anton Tschechow inszenierte. Das sei ein "absoluter Glücksfall" gewesen, sagt Harzer. Die überragende "Wanja"-Inszenierung steht immer noch auf dem Spielplan des Deutschen Theaters und zeigt, wie durch eine Ensembleleistung etwas Einzigartiges entstanden ist.

Das "Solozeug" im Theater interessiere ihn nicht, so der Schauspieler. "Bei dem für mich inspirationsmäßig wichtigen Autor, der gar nichts mit Theater zu tun hat, Paul Celan, heißt es: 'Das Gedicht sucht immer einen anderen, sucht ein Gegenüber, zu dem es hin will', sagt Harzer. Und das sei für ihn der Inbegriff von Theater und von Spielen. "Es braucht das Andere, es braucht auf der Bühne auch den Anderen."

"Soloprogramm ist super langweilig"

Dabei gilt Jens Harzer als der Meister des Monologs, gerühmt als Erzähler in Peter Handkes autobiografischem Bühnenstück "Immer noch Sturm" oder als Iwan in Dostojewskis "Die Brüder Karamasow". Aber das bedeute nicht, dass er Monologe besonders liebe: "Das sind ja jeweilige Sachen, die in den Stücken vorkommen", erläutert er. "Dann übernimmt man gern Verantwortung und kann das dann vielleicht auch, oder versucht das irgendwie zu meistern. Aber Soloprogramm ist echt super langweilig."

Bild vergrößern
Sind in Kleists "Penthesilea" gemeinsam auf der Bühne: Sandra Hüller und Jens Harzer.

Wie sich zwei Schauspieler gegenseitig zum Spielen anregen, zeigt die "Penthesilea"-Inszenierung von Johan Simons. Jens Harzer hat schon mehrfach mit dem niederländischen Regisseur zusammengearbeitet. In der Zwei-Personen-Fassung steht er zusammen mit Sandra Hüller auf der Bühne und spricht die Verse Heinrich von Kleists, wie man sie noch nie gehört hat.

Jens Harzer (r.) hält einen Telefonhörer in der "Tatortreiniger"-Folge "Einunddreißig" mit Bjarne Mädel (l.) © NDR / Screenshot

Jens Harzer ist ein geheimnisvoller Grübler

NDR Info - Kultur -

Der 47-jährige Thalia-Theater-Schauspieler Jens Harzer hat den Iffland-Ring erhalten. Ein Porträt über den Träger der höchsten Auszeichnung im deutschsprachigen Theater.

0 bei 0 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Er eignet sich die Sprache Kleists an, lässt aber nie vergessen, dass es dessen Worte sind. Die Distanz bleibt spürbar. Dazu die minimalistische Gestik. Wenn Jens Harzer als Achill in "Penthesilea" die Hände verzweifelt wie zum Gebet zusammenfaltet, dann drückt sich darin das Drama des Mannes aus, der vom Glück mit der Königin der Amazonen träumt, aber zugleich weiß, wie unmöglich das ist. Harzer ist überzeugt: "Das Theater hält ja eine Welt gegen die Welt, gar nicht in so einem Brecht'schen Sinne der Veränderung, sondern einfach als Gestus."

Der Medienhype um seine Person ist Harzer suspekt

Jens Harzer spricht die Texte nicht, er entwickelt sie beim Sprechen. Es sei aber immer eine phantasievolle Beschäftigung, die die Sätze zu einem jeweiligen Ausdruck führen, sagt er. Auch in den Filmen, in denen er mitgewirkt hat, bleiben seine Auftritte unvergesslich: in "Babylon Berlin" als geheimnisvoller Arzt oder als fanatischer Priester in "Requiem". Der Medienhype um seine Person ist ihm suspekt. Jens Harzer überzeugt als Schauspieler lieber leise, aber nachhaltig.

Jens Harzer (r.) ist Rezeptionist in der "Tatortreiniger"-Folge "Einunddreißig" mit Bjarne Mädel (l.) © NDR / Screenshot

Jens Harzer als Rezeptionist in "Einundreißig"

Der Tatortreiniger -

Jens Harzer, Preisträger des Iffland-Ringes, ist in Folge 31 des "Tatortreinigers" in einer Szene mit Bjarne Mädel zu sehen. Als Rezeptionist verdreht er Schotty das Wort im Mund.

4,59 bei 34 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Mehr Iffland-Ring und Jens Harzer

Jens Harzer mit Theaterpreis Iffland-Ring geehrt

Jens Harzer vom Thalia-Theater Hamburg hat am Sonntag am Wiener Burgtheater den Iffland-Ring erhalten. Es ist der bedeutendste Theaterpreis auf deutschsprachigen Bühnen. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 30.03.2019 | 09:55 Uhr

Bruno Ganz: "Theater ist nicht mehr ernsthaft"

Am 16. Februar 2019 ist der Schweizer Schauspieler Bruno Ganz gestorben. 2015 war er in Hamburg, um mit NDR.de über das Kino, das Theater, Wim Wenders und über Heimat zu sprechen. mehr

Mehr Kultur

88:09
Tatort
04:04
Hallo Niedersachsen