Stand: 26.10.2019 08:57 Uhr  - NDR Kultur

"Orlando" mit Harfouch im Schauspielhaus Hannover

von Agnes Bührig

Ein gutaussehender Adeliger wird im 16. Jahrhundert der Geliebte von Königin Elisabeth I. Nach einem rauschenden Fest erwacht er als Frau und streift fortan, kaum alternd, durch die Jahrhunderte - wird Poetin, Prinzessin, Künstlerin. Die weltbekannte Schriftstellerin Virginia Woolf wurde von ihrer Geliebten Victoria Sackville-West zu ihrem Roman "Orlando" inspiriert, der nun am Schauspielhaus Hannover als Zwei-Personen-Stück inszeniert wird. Die Premiere war am Freitagabend.

Szene aus der Oper Orlando am Staatstheater Hannover © Kerstin Schomburg / Staatstheater Hannover Foto: Kerstin Schomburg
Oscar Olivo und Corinna Harfouch spielen in "Orlando" mit den Geschlechteridentitäten.

Corinna Harfouch als Orlando ringt ernsthaft mit sich und dem Schreibprozess. Ihm zu Füßen liegt Oscar Olivo, der Orlandos Geliebte mimt, Königin Elisabeth I. Und das Spiel mit den Geschlechteridentitäten geht weiter: Über Nacht verwandelt sich Orlando in eine Frau, durchlebt vier Jahrhunderte und findet sich am Ende als alleinerziehende, erfolgreiche Schriftstellerin wieder.

Der Mensch ist androgyn im Kopf

Szene aus dem Stück Orlando am Staatstheater Hannover © Kerstin Schomburg / Staatstheater Hannover Foto: Kerstin Schomburg
Um Geschlechterrolle und Identität kreist das Stück "Orlando".

Was bedeutet weibliches Schreiben? Was macht einen Menschen aus? Was verbindet Besitz und Freiheit? Um diese Fragen kreist "Orlando". Nicht umsonst wurde Virginia Woolf in den 1970er-Jahren von der Frauenbewegung wiederentdeckt, vor allem durch ihren Essay "Ein Zimmer für sich allein", sagt die britische Regisseurin Lilly Sykes. "Woolf schreibt über den androgynen Kopf, die Idee, dass im Menschen nicht nur ein Geschlecht steckt." Diese Vorstellung habe sie sehr inspiriert, sagt Sykes. Und so steckt Kostümbildnerin Jelena Miletić den Mann wunderbar ironisch in Ballett-Tutu und weit ausladenden Reifrock. Einen rollenden Spiegel und einen leeren Bilderrahmen nutzt Bühnenbildnerin Jelena Nagorni, um Wahrnehmung und Identität als Themen anzudeuten.

Abgründiger Olivo, spielfreudige Harfouch

Szene aus der Oper Orlando am Staatstheater Hannover © Kerstin Schomburg / Staatstheater Hannover Foto: Kerstin Schomburg
Corinna Harfouch kann als Orlando ihre künstlerischen Facetten voll ausschöpfen.

Dazu wird grandios gespielt: Oscar Olivo, bis 2016 festes Ensemblemitglied in Hannover, ist erneut wunderbar abgründig. Corinna Harfouch ist der Spaß, ihre große Varianz an Mimik und Gestik auszuspielen, anzumerken. Der Romanstoff biete dafür gute Voraussetzungen, sagt die 65-Jährige. Es gebe "die Geschlechter, die existieren, dazwischen (...) eine unendliche Menge an Möglichkeiten, sich selbst zu definieren." Darüber hinaus könne man sich als Mensch definieren - oder als Krähe.

"Orlando" mit Harfouch im Schauspielhaus Hannover

"Orlando" von Virginia Woolf gilt als Meisterwerk der modernen Literatur. Die gleichnamige Romaninszenierung mit Corinna Harfouch hat am Schauspielhaus Hannover Premiere gefeiert.

Art:
Bühne
Datum:
Ende:
Ort:
Schauspielhaus
Prinzenstraße 9
30159   Hannover
Preis:
15 - 45 Euro
Kartenverkauf:
Kartenservice: +49 511 9999 1111
kartenservice@staatstheater-hannover.de
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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassikboulevard | 26.10.2019 | 13:20 Uhr