Zu  sehen ist das Gebäude der Universitätsbibliothek TIB, dem Leibniz-Informationszentrum Technik und Naturwissenschaften, in Hannover. © NDR Foto: Miriam Stolzenwald

Leibniz Universität Hannover: TIB ist "Bibliothek des Jahres"

Stand: 24.10.2020 07:20 Uhr

Am "Tag der Bibliotheken" wird der Preis der "Bibliothek des Jahres" an die Wissenschafts-Bibliothek TIB - Leibniz-Informationszentrum Technik und Naturwissenschaften in Hannover verliehen.

von Miriam Stolzenwald

Bei rund 40 Bewerbungen fiel die Entscheidung sehr deutlich für die TIB aus, sagt Frank Mentrup, Vorsitzender der Jury: "Weil hier das Thema digitaler Wandel in einer absoluten Vorreiterrolle aufgenommen wird und es hier auch ein starkes soziales und kulturelles Engagement in der Gesellschaft, in der Stadt und auch in der Region gibt, was man von wissenschaftlichen Bibliotheken eher nicht kennt. In der Corona-Lockdown-Zeit ist es der Bibliothek außerdem gelungen, über eine Dokumentenlieferung weiter den Kontakt zu den Nutzerinnen und Nutzern in einer sehr vorbildlichen Weise zu halten."

Die TIB hat eine Vorreiterrolle beim digitalen Wandel

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Stefan Bielesch aus der Kommunikationsabteilung der TIB führt das Verfahren zur Geolokalisierung vor: "Sie haben zum Beispiel ein Foto. Wo könnte das aufgenommen worden sein? Vielleicht irgendwo in Spanien. Also, ursprünglich aufgenommen ist es tatsächlich in Barcelona und die Künstliche Intelligenz hat auf Grundlage dieses Motivs und der gelernten Bilder im Hintergrund selbst auf Barcelona getippt. Und das kann natürlich toll helfen bei unklaren Quellenlagen von Fotos."

Mit mehr als 4,7 Millionen Fotos wurde hier eine Künstliche Intelligenz so trainiert, dass sie den Ort eines beliebigen Fotos erkennen und genau bestimmen kann. Dieses Projekt, das sich noch in der Testphase befindet, ist nur eines von vielen Vorzeigeprojekten, an dem in der TIB momentan getüftelt wird.

Ein offener und transparenter Zugang zur Wissenschaft

Zu sehen ist Britta Dreyer, die Leiterin des Referats PID- und Metadatenservices an der Universitätsbibliothek TIB, dem Leibniz-Informationszentrum Technik und Naturwissenschaften in Hannover. © NDR Foto: Miriam Stolzenwald
Britta Dreyer ist die Leiterin des Referats PID- und Metadatenservices an der TIB.

Das große Ziel ist, digitale Daten für alle zugänglich zu machen. Ein weiteres System dafür ist der DOI, der Digital Object Identifier. Dieser ermöglicht beispielsweise den Zugriff auf einen Text, aber auch auf viele Informationen darüber hinaus. Britta Dreyer betreut diesen Prozess. "Es geht dabei immer um den Sammelbegriff Open Science - Wissenschaft offen, zugänglich und transparent zu machen", erzählt Dreyer. "Forschungsdaten sollen auffindbar, zugänglich und nachnutzbar sein."

Mit dem Open Science Lab jederzeit und überall Inhalte abrufen

Denn am Ende geht es nicht nur um den offenen Zugriff auf Wissen und Forschungsergebnisse. Wichtig ist auch, Forschung transparent zu machen und zu zeigen, an was jemand forscht und wie die Ergebnisse entstanden sind. Daran arbeitet auch Lambert Heller, Leiter des Open Science Labs der TIB.

Zu sehen ist Lambert Heller, der Leiter des Open Science Labs an der Universitätsbibliothek TIB, dem Leibniz-Informationszentrum Technik und Naturwissenschaften in Hannover. © NDR Foto: Miriam Stolzenwald
Lambert Heller ist der Leiter des Open Science Labs an der TIB.

Er nennt ein Beispiel: "Wir haben mit der Akademie für öffentliches Gesundheitswesen innerhalb von zwei Jahren deren komplette Wissensbasis in eine Reihe von frei zugänglichen, digitalen Lehrbüchern eingearbeitet. Das heißt, ich kann und werde die Bibliothek immer noch aufsuchen, aber ich kann auf die Inhalte auch von anderswo und wann ich will zugreifen. Wenn mir an der Supermarktkasse noch eine Idee kommt, kann ich auf dem Handy schnell das Buch aufblättern und nachgucken."

Eine der größten wissenschaftlichen Bibliotheken der Welt

Um die Wissenschaft weltweit frei zugänglich zu machen, müssen wissenschaftliche Ergebnisse auch neu organisiert werden. An einem solchen System arbeitet der Direktor der Bibliothek, Sören Auer. Mit dem "Open Research Knowledge Graph" können verschiedene Erkenntnisse und Daten zu Forschungsthemen gebündelt werden und sind schnell auffindbar. Für Sören Auer bringt die TIB wichtige Voraussetzungen mit, um Systeme wie diese effizient weiterzuentwickeln:

"Die TIB ist ja noch relativ jung: Sie ist 1959 gegründet und hat keine sehr lange Tradition - was bei solchen Transformationsprozessen auch von Vorteil sein kann. Es gibt natürlich auch andere wissenschaftliche Bibliotheken in der Welt, aber wir sind definitiv eine der größten. Und diese kritische Masse ermöglicht es uns natürlich auch, Themen voranzutreiben."

So viele Regalmeter wie die Strecke von Hannover bis Lübeck

2019 verzeichnete die TIB mehr als 1,7 Millionen Besucherinnen und Besucher, darunter viele Studierende und Mitarbeiter der Leibniz Universität Hannover. Vor allem sind die Lehrbücher gefragt. Der Bestand der Bibliothek umfasst übrigens so viele Regalmeter, dass man damit eine Strecke von Hannover bis Lübeck flankieren könnte.

Zu  sehen ist das Gebäude der Universitätsbibliothek TIB, dem Leibniz-Informationszentrum Technik und Naturwissenschaften, in Hannover. © NDR Foto: Miriam Stolzenwald

AUDIO: "Bibliothek des Jahres": TIB Hannover (4 Min)

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 24.10.2020 | 07:20 Uhr