Stand: 28.06.2019 14:30 Uhr  - NDR 1 Niedersachsen

Kulturhauptstadt 2025: Hannover beschließt Budget

von Helmut Eickhoff

Im Jahr 2025 wird eine deutsche Stadt Kulturhauptstadt Europas. Nur welche es sein wird, das steht noch nicht fest. Chemnitz will sich bewerben, Dresden, Hildesheim und auch Hannover. Niedersachsens Landeshauptstadt hat am Donnerstag einen wichtigen Schritt auf dem Weg zum Titel "Kulturhauptstadt" gemacht: Der Rat der Stadt hat das Budget beschlossen. Kein Selbstläufer, denn genau darum hat es in den vergangenen Tagen eine Menge Diskussionen gegeben.

80 Millionen Euro. So viel sind im Finanzplan der Stadt Hannover für ihre Bewerbung als "Kulturhaupstadt Europas 2025" vorgesehen. Knapp ein Viertel davon kommt von der Stadt, der Rest von Bund, Land, Stiftungen und Sponsoren. 53 Ratsmitglieder stimmten am Donnerstag für das Budget und die fünf Mitglieder der AfD-Fraktion dagegen. Es gab also eine große Mehrheit über die Parteigrenzen hinweg. Und doch ist intensiv diskutiert worden. Streitpunkt war jedoch nicht die Höhe des Etats, sondern das kommunale Kulturbudget, das im gleichen Zuge beschlossen wurde. Jährlich soll dies um 1,5 Prozent steigen.

Stadt Hannover will Kulturstrategie entwickeln

Mit diesem Geld soll für die Stadt Hannover eine langfristige Kulturstrategie, ein Kulturentwicklungsplan, gestaltet werden - er ist Voraussetzung für die Bewerbung als Kulturhauptstadt. Die Grünen-Fraktions-Chefin Freya Markowis stimmte zwar ebenfalls dafür, bleibt aber zurückhaltend: "Wir werden uns auf jeden Fall anschauen, was die Verwaltung beim Kulturentwicklungsplan vorlegt und welche Themen sich auftun werden, welche finanziellen Notwendigkeiten aus unserer Sicht gegeben sind. Dann werden wir das beim nächsten Haushalt mit in Augenschein nehmen und entscheiden, ob wir zusätzliche Gelder dafür freigeben."

Heftige Streit um Kultur-Etat

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Geschäftsführer des Kulturzentrums Pavillon in Hannover, Christoph Sure hofft auf zusätzliches Geld für den Kulturentwicklungsplan.

Auch Hannovers Kulturrat zeigte sich im Vorfeld skeptisch. Also veröffentlichte dieser Zusammenschluss von verschiedenen Kulturschaffenden einen Appell an die Stadt. Bei steigenden Gebäudemieten und Personalkosten könnte ein Plus von gerade einmal 1,5 Prozent im Kulturetat reell sogar eine Kürzung bedeuten, heißt es da. Ein öffentlich ausgetragener Streit folgte. Starpianist Igor Levit drohte sogar damit, sein Amt als Botschafter für Hannovers Bewerbung niederzulegen. Dienstag nun trafen sich Kulturrat und Stadt. Der Geschäftsführer des Kulturzentrums Pavillon Christoph Sure ist zufrieden, vor allem mit den Antworten des Stadtkämmerers: "Er hat gesagt, dass er die 1,5 Prozent nicht in Stein gemeißelt sieht, sondern für besondere Projekte, die sich vielleicht aus dem Kulturentwicklungsplan ergeben, auch noch zusätzliche Mittel bereitstellen kann."

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Der Pianist Igor Levit ist Botschaft der Stadt Hannover im Bewerbungsprozess um die Kulturhauptstadt Europas 2025.

Also üben die Beteiligten wieder den Schulterschluss. Pianist Levit bleibt Botschafter. Ein leicht bitterer Nachgeschmack bleibt aber bei manchen Beteiligten. Michael Wiechert zum Beispiel ist CDU-Ratsmitglied und Vorsitzender des Kulturausschusses der Stadt. Probleme über einen offenen Brief zu äußern, findet er nicht gut: "Ich hätte mir wirklich gewünscht, wir wären angesprochen worden - wir sind da, wir stehen bereit, damit man möglicherweise aufkommende Unsicherheiten klärt."

Bewerbung stieß Gedankenaustausch an

Ratspolitiker und Kulturschaffende wollen nun nach vorn schauen. In drei Monaten muss die Stadt Hannover ihre Bewerbungsmappe abgeben. Im Herbst 2020 entscheidet sich dann, wie Europas Kulturhauptstadt heißen wird. Selbst wenn die Wahl nicht auf Hannover fallen sollte, der Prozess habe die Stadt schon jetzt nach vorne gebracht, findet Christoph Sure vom Kulturzentrum Pavillon: "Es hat in der freien Szene einen "Aufnahmezustand" gegeben: Zum ersten Mal hat man wirklich zusammen darüber nachgedacht, wie die Kultur in Hannover eigentlich weiterentwickeln kann. Und der Kulturentwicklungsplan, der aus diesem Verfahren heraus entstanden ist, finde ich, ist eine ganz großartige Sache." Der Weg sei eben das Ziel.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 29.08.2019 | 06:30 Uhr