Stand: 09.11.2018 13:48 Uhr

Kulturinstitutionen setzen Zeichen gegen rechts

Mehr als 100 Theater, Kultureinrichtungen und Künstler in Hamburg haben eine Kampagne gegen rechte Tendenzen gegründet. Unterzeichnet haben die sogenannte "Erklärung der Vielen" sowohl die großen Häuser wie etwa Elbphilharmonie, Staatsoper, Schauspielhaus und das Ernst Deutsch Theater als auch nahezu alle Museen der Hansestadt. Dazu kommen zahlreiche Vereine aus der Kulturszene. Die Erklärung wurde zeitgleich auch in Berlin, Dresden und in Nordrhein-Westfalen vorgestellt.

Freiheit der Kunst muss gewahrt bleiben

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Amelie Deuflhard ist seit 2007 künstlerische Leiterin der Hamburger Kulturfabrik Kampnagel.

"Rassismus, Diskriminierung und Ausgrenzung sind Alltag" heißt es in der Erklärung. "Rechte und nationalistische Gruppierungen und Parteien stören Veranstaltungen, wollen in Spielpläne eingreifen und arbeiten an einer Renationalisierung der Kultur". Kunst und Kultur aber hätten eine besondere Verantwortung, sagt Kampnagel-Intendantin Amelie Deuflhard, die das Hamburger Bündnis organisiert hat. Gerade der heutige Tag, der 9. November, sei aus der deutschen Geschichte heraus das richtige Datum, um die Stimme gegen rechte Tendenzen zu erheben. Zudem müsse die Freiheit der Kunst gewahrt bleiben.

Zahlreiche parlamentarische Anfragen der AfD

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Auch Joachim Lux, Intendant des Thalia Theaters, fordert, sich gegen eine "Schändung der Sprache" durch den Rechtspopulismus zu wehren.

Die Theater müssten sich gegen eine "Schändung der Sprache" durch den Rechtspopulismus wehren, forderte Joachim Lux, Intendant des Thalia-Theaters. "Wir müssen viel lauter werden." Die zahlreichen parlamentarischen Anfragen der Hamburger AfD-Fraktion zur Kulturpolitik seien gerade für kleine Institutionen eine "gezielte Schikane", kritisierte Bettina Steinbrügge vom Kunstverein.

Nationalistisches Gedankengut in der Mitte der Gesellschaft

Rechte Regierungen in Dänemark, den Niederlanden und Ungarn hätten gezeigt, wie sie durch gezielte Streichungen von Zuschüssen interkulturelle Projekte von Musikfestivals verhindern können, beklagte Alexander Schulz vom Reeperbahn-Festival. Auch Österreich sei ein Beispiel, wo sich nationalistisches Gedankengut bereits bis in die Mitte der Gesellschaft breit gemacht habe, ergänzte Ulrich Waller, Intendant des St. Pauli Theaters.

Kultursenator Brosda unterstützt Erklärung

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Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda (SPD) sagt, die Freiheit der Kunst dürfe nicht infrage gestellt werden.

Unterstützt wird die Erklärung auch von Kultursenator Carsten Brosda. Kunst könne helfen, ein gemeinsames Verständnis für die vielfältige Gesellschaft zu finden, sagte der SPD-Politiker. "Dazu braucht sie die Freiheit, Stellung zu beziehen und anzuecken." Die Freiheit der Kunst dürfe nicht infrage gestellt werden, sondern müsse als wesentlicher Wert des Zusammenlebens gefördert werden.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 09.11.2018 | 13:00 Uhr

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