Der Senator für Kultur und Medien in Hamburg Carsten Brosda im NDR Kultur Studio © NDR/ Mischa Kreiskott Foto: Mischa Kreiskott

Carsten Brosda über Konzepte für Theater und Konzerthäuser

Stand: 12.03.2021 21:09 Uhr

Vor einem Jahr gingen in den Theatern und Konzerthäusern, in den Museen und den Clubs die Lichter aus. Jetzt kehrt das kulturelle Leben langsam wieder zurück.

Nach den Museen wird nun auch mit Theatern und Konzerthäusern an Konzepten für eine Wiedereröffnung gearbeitet. Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda (SPD) im Interview mit NDR 90,3.

Herr Brosda, bei den Menschen in der Kultur hat sich ein Jahr lang der Eindruck verfestigt: Wir sind überflüssig. Wird das nach Corona anders sein?

Carsten Brosda: Da hat sich schon etwas gedreht. Kultur wird mittlerweile deutlich stärker berücksichtigt, und ich finde auch, dass Kultur in den verabredeten Stufenplänen jetzt sofort mit auftaucht: Dass, wenn man mit dem Einzelhandel beginnt, die Buchhandlungen gleich dabei sind, und wenn man mit den ersten Öffnungsschritten beginnt, die Museen dabei sind. Das ist ein Signal dafür, dass man aus der Zeit gelernt, hat in der man gesagt hat: Wir machen euch einfach mal als Erste zu, ihr seid nicht so wichtig. Kultur ist unerlässlich wichtig, und das dringt so langsam durch. Es wird eine Aufgabe sein, sich darauf jetzt nicht auszuruhen, sondern auch dauerhaft daran zu arbeiten, die Rolle und Bedeutung von Kunst und Kultur in unserer Gesellschaft unter Beweis zu stellen. 

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Die Hamburger Museen sind am Freitag wieder in den Betrieb gestartet. Die Theater könnten bei sinkender Inzidenz ab 22. März spielen, wenn sich das Publikum testen lässt. Wie kann das aussehen?

Brosda: Wir entwickeln gerade sehr intensiv Pläne. Die einfachste Variante ist sicherlich, dass man an dem Tag, an dem man ins Theater möchte, in ein Testzentrum geht, sich dort ein Testergebnis holt und mit dem dann abends ins Theater geht. Dann ist es sicherlich auch möglich, einen Selbsttest im Theater unter Aufsicht zu machen. Und da schauen wir gerade, ob es noch elegantere technische Möglichkeiten gibt. Die Berliner Unternehmen starten zur Zeit einen Versuch, und auch in Hamburg gibt es ein paar kluge Firmen, die so etwas anbieten. Das versuchen wir alles zusammenzubringen, damit für die Kultureinrichtungen möglichst wenig Aufwand entsteht. Es ist mehr Aufwand als vor der Pandemie, aber die Möglichkeit, dann wieder spielen zu können, sollte den Aufwand wert sein.

Jetzt gibt es erste Informationen, dass die Elbphilharmonie und die Laeiszhalle planen, am Wochenende nach Ostern wieder zu öffnen. Was ist da dran?

Brosda: Das setzt voraus, dass die Häuser nach dem 22. März bei einer stabilen Inzidenz öffnen könnten. Die Häuser setzen sich jetzt in Bewegung, um zu gucken, wann man frühestmöglich an den Start gehen kann. Eine Intendantin aus einem anderen Bundesland sagte mir heute: "Wir setzen jetzt Konzerte an. Das Absagen sind wir ja schon gewohnt. Aber wenn es losgeht, sind wir am Start". Ich glaube, dass das die richtige Haltung ist: Wir versetzen uns in die Lage, es machen zu können. Wir haben die Zuversicht, dass es geht, und wenn es nicht klappt, dann müssen wir eben wieder neu planen. Das haben wir im letzten Jahr gelernt. Aber wenn es dann geht, sind wir auf dem Platz.

Heute in einem Jahr - wie sieht es da in der Kulturstadt Hamburg aus?

Brosda: Ich hoffe bunt, lebendig und berstend vor Kreativität, weil ich glaube, dass sich über dieses Jahr unglaublich viel angestaut hat. Wenn ich mir anschaue, was in den staatlichen und privaten Theatern geprobt worden ist und was da an Stücken in der Pipeline ist, dann glaube ich, dass, wenn wir wieder in das kulturelle Leben reinkommen, dann unglaublich viel kreative Spannung da sein wird. Ich hoffe dann, dass wir wieder wunderbare kulturelle Erlebnisse in der Stadt haben können, wenn wir es schaffen, jetzt nicht die Zuversicht zu verlieren. Wenn das gelingt, stehen uns unfassbar spannende Jahre bevor.

Das Interview führte Daniel Kaiser.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 12.03.2020 | 19:00 Uhr