Stand: 29.02.2020 21:48 Uhr  - NDR Kultur

Berlinale: Goldener Bär für Rasoulof - Freude in Hamburg

von Patricia Batlle
Baran Rasoulof (links) hält den Goldenen Bären für den Film ihres Vaters Mohammad Rasoulof in den Händen - neben ihr Berlinale Jurypräsident Jeremy Irons © Michael Kappeler/dpa +++ dpa-Bildfunk
Die Hamburgerin Baran Rasoulof (links) nimmt den Goldenen Bären für den Film ihres Vaters Mohammad Rasoulof "Es gibt kein Böses" aus den Händen von Jeremy Irons entgegen.

Am Sonnabend sind in Berlin der Goldene und die Silbernen Bären der 70. Berlinale verliehen worden. Die Jury unter Vorsitz des Briten Jeremy Irons ehrte das vierteilige Episoden-Drama "Es gibt kein Böses" des iranischen Filmemachers und Wahl-Hamburgers Mohammad Rasoulof mit dem Goldenen Bären. Rasoulof hat seit 2012 seinen Wohnsitz in Hamburg, darf aber seit 2017 nicht mehr den Iran verlassen.

Erst am Freitag war der Beitrag "Es gibt kein Böses" von Rasoulof als der letzte von 18 Filmen im Wettbewerb gelaufen und hatte am Abend Weltpremiere gefeiert. Knapp 24 Stunden später verkündete Jurypräsident Jeremy Irons, Rasoulofs Drama, in dem es um die Todesstrafe im Iran geht, erhalte den Hauptpreis des Festivals. Es sei "gleichzeitig sanft und niederschmetternd", so der Brite. Die Preisverleihung im Berlinale-Palast fand ohne Rasoulof statt: Er durfte nach wie vor nicht aus dem Iran anreisen. An dessen Stelle nahm seine Tochter Baran Rasoulof den Goldenen Bären entgegen: "Vielen Dank! Ich bin natürlich absolut glücklich und überwältigt", sagte sie. Gleichzeitig sei sie sehr traurig: "Denn dieser Preis ist für einen Filmemacher, der heute nicht hier sein kann".

Reaktionen aus Hamburg auf den Goldenen Bären

In Hamburg reagierte Kultursenator Carsten Brosda auf den Erfolg des Filmes, der unter anderem von Arte und von der Hamburger Firma Cosmopol mit produziert wurde: "Was für eine großartige und verdiente Auszeichnung für Mohammad Rasoulof und was für ein Erfolg auch für die Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein." Der Preis unterstreiche, wie politisch der Film und die Berlinale seien, so Brosda. "Ich hoffe sehr, dass er möglichst schnell wieder aus dem Iran in seine Wahlheimat Hamburg ausreisen darf." Filmförderungschef Helge Albers ergänzte: "Mit dem Goldenen Bären für Mohammad Rasoulof hat die Berlinale-Jury einen herausragenden Film von einem der relevantesten Regisseure unserer Zeit geehrt. Sie hat aber auch ein wichtiges Zeichen gesetzt - für die Kunstfreiheit und gegen die Unterdrückung unabhängiger Filmschaffender."

 

Schauspielpreise für Paula Beer und Elio Germano

Baran Rasoulof (Mitte) hält den Goldenen Bären für den Film ihres Vaters Mohammad Rasoulof in den Händen - neben ihr Paula Beer und Elio Germano als jeweils beste Schauspielerin und bester Schauspieler © Michael Kappeler/dpa-Bildfunk
Paula Beer (rechts) und der Italiener Elio Germano freuen sich als beste Darsteller über ihre Silbernen Bären.

Den Großen Preis der Jury erhielt das US-Drama "Never Rarely Sometimes Always" von Eliza Hittman. Ein berührender Film um den Zusammenhalt zweier jugendlicher Mädchen und eine ungewollte Schwangerschaft. Als beste Schauspielerin wurde die Deutsche Paula Beer ausgezeichnet, die die Hauptrolle in Christian Petzolds märchenhaftem Film "Undine" spielt. Beer widmete den Bären ihrem "Undine"-Kollegen Franz Rogowski: "Er ist der wunderbarste Spielmann, den man sich wünschen kann. Deswegen ist der Preis für Franz und für mich, weil, ein Liebespaar zu spielen, ist das Schönste und das Schwierigste zugleich". Der Italiener Elio Germano erhielt den Silbernen Bären als bester Darsteller für seine Rolle als zerrissener Künstler im Drama "Hidden Away" von Giorgio Diritti.

Hong Sangsoo als bester Regisseur ausgezeichnet

Ebenfalls an Italien ging der Silberne Bär fürs beste Drehbuch an die Brüder Damiano und Fabio D'Innocenzo für ihr Drama "Favollace". Für seinen Film "The Woman Who Ran", einen der heiteren Filme aus dem Wettbewerb, nahm der Südkoreaner Hong Sangsoo den Silbernen Bären für die beste Regie entgegen. Der Kameramann Jürgen Jürges erhielt einen Silbernen Bären für eine Herausragende Künstlerische Leistung für die Arbeit am Film "DAU. Natasha". Alle weiteren Preise der Berlinale sind auf der Webseite aufgeführt.

Nicht mehr vergeben wurde der Alfred-Bauer-Preis, wie die neue Doppelleitung des Festivals, Carlo Chatrian und Mariette Rissenbeck, gleich zu Beginn des Festivals bekannt gegeben hatte. Kurz vor Beginn der Festspiele war aufgrund von Recherchen der "Zeit" die Rolle des früheren Berlinale-Leiters Alfred Bauer in der NS-Zeit publik gemacht worden. Zuletzt hatte 2019 die Filmemacherin Nora Fingscheidt diese Auszeichnung für ihr Drama "Systemsprenger" entgegen genommen.

Zahlreiche Promimente besuchten die 70. Berlinale. Mit dabei: Johnny Depp, Javier Bardem, Elle Fanning, Salma Hayek, Nina Hoss, Lars Eidinger, Hillary Clinton, Cate Blanchett und die Britin Helen Mirren, die am Donnerstag mit dem Goldenen Ehrenbären des Festivals geehrt wurde. Die Berlinale endet am 1. März mit einem Publikumstag.

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NDR Kultur | Journal | 28.02.2020 | 19:00 Uhr