Eine Frau steht im verhaltenem Licht vor einem Blauen Hintergund © Dr. Joachim Flügel Foto: Dr. Joachim Flügel

"Alcina" feiert Premiere am Hamburger Allee Theater

Stand: 06.10.2020 14:46 Uhr

Die kleine Kammeroper in Hamburg-Altona versucht sich an einem Riesen-Werk: "Alcina" von Händel - allerdings wegen Corona in einer konzertanten Aufführung. In nur zwei Wochen hat das Team den Opernabend aus dem Boden gestampft.

von Daniel Kaiser

Liebe, Leidenschaft, Eifersucht - all das steckt in dieser Oper um die Zauberin Alcina, deren Sujet ein bisschen an Harry Potter für Erwachsene aus dem 18. Jahrhundert erinnert. Normalerweise sind Barockopern pralle, energiegeladene Schauspiele mit einer Menge Action. "Alcina" bringt im Normalzustand dreieinhalb Stunden auf die Bühne. Dieser Best-of-Abend im Allee Theater ist eher eine asketisch-protestantische Diät-Version, ein Musik-Konzentrat mit nur jeweils einem Sänger auf der Bühne und einem Streichquartett im Orchestergraben, das sich bemüht, die Partitur möglichst satt abzubilden.

Bei der Handlung kommt selbst der Moderator ins Schleudern

Ein Mann in barocker Kleidung steht auf einer Bühne. Im Hintergrund ist ein grüner Wald zu sehen. © Dr. Joachim Flügel Foto: Dr. Joachim Flügel
Händels Oper um die Zauberin Alcina entstand 1735 und war ursprünglich eine Ballettoper.

Für die passende Stimmung sorgen wunderbare alte Kostüme, sparsam-höfische Gesten sowie hier und da ein projizierter Wald oder Tränen als riesige Tropfen auf einer Leinwand. Die Handlung zwischen guten und bösen Zauberinnen, Frauen in Männerkleiden und einem Liebes-Hin-und-Her ist sehr verworren. Lutz Hoffmann versucht das Geschehen als Erzähler leicht, unterhaltsam und ironisch zu strukturieren. Er kommt aber zwischen Morgana, Bradamante, Ruggiero und wie sie alle heißen tatsächlich selbst einmal ins Schleudern.

Ein bisschen gerupft – aber mit Charme

Svenja Schicktanz singt die Titelpartie mit Verve und einem Volumen, das die golden angemalten Stühle der Kammeroper zum Wackeln bringt. Die Mezzosopranistin Feline Knabe als Bradamante meistert souverän ihre Koloratur-Artistik. Und der Countertenor Joël Vuik bringt eine besonders leuchtende Farbe in den besonderen Opernabend. "Alcina" in dieser Corona-Sparversion ist ein Wagnis. So ganz ohne Spiel und wie eine Nummern-Revue wirkt die Händel-Oper schon ein bisschen gerupft. Wie die Sängerinnen und Sänger sich aber liebevoll in ihre Gefühlsmomente vertiefen, steckt voller Charme. In diesen Momenten geht einem das Herz auf, weil man spürt, wie wunderbar es ist, dass auch kleinere Bühnen wie die Kammeroper Corona trotzen und mit Herz weiterspielen.

"Alcina" feiert Premiere am Hamburger Allee Theater

Ohne Spiel, aber mit viel Gefühl: Die Kammerspiele inszenieren Händels opulente Oper in einer abgespeckten Corona-Version.

Art:
Bühne
Datum:
Ende:
Ort:
Allee Theater - Hamburger Kammeroper
Max-Brauer-Allee 76
22765Hamburg
Telefon:
(040) 38 29 59
Preis:
33 bis 43 Euro
Kartenverkauf:
Eintrittskarten können auch online gekauft werden: www.alleetheater.de
Hinweis:
Oper von Georg Friedrich Händel HWV34
Text nach dem Libretto von Antonio Fanzaglia zu der Oper L’isola di Alcina von Riccardo Broschi, nach Orlando furioso von Ludovico Ariosto
Konzertante Aufführung in italienischer Sprache.

Musikalische Leitung und Bearbeitung: Ettore Prandi
mit:
Alcina: Svenja Schicktanz
RuggieroJoël Vuik/ Meili Li
Morgana: Natascha Dwulecki/
Anne Elizabeth Sorbara
BradamanteFeline Knabe
Oronte: Robert Elibay-Hartog
Melisso: Titus Witt
und das ALLEE THEATER ENSEMBLE (in alternierender Besetzung)
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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 06.10.2020 | 19:00 Uhr