175 Jahre Deutscher Bühnenverein: Festakt am Oldenburgischen Staatstheater

Stand: 28.05.2021 13:09 Uhr

Am Donnerstag hat der Deutsche Bühnenverein im Oldenburgischen Staatstheater sein 175-jähriges Bestehen gefeiert.

von Helgard Füchsel

Zwei Personen, umringt von Fotografen bei der Jubiläumsfeier des Deutschen Bühnenvereins © NDR/Helgard Füchsel Foto: Helgard Füchsel
AUDIO: Deutscher Bühnenverein - Festakt zum 175jährigen Gründungsjubiläum (4 Min)

Was tun, wenn an einem Theater der Star des Abends nicht zum Auftritt erscheint, weil er an einem anderen Theater mehr Gage bekommt? Klingt kaum vorstellbar, war aber um 1840 gang und gäbe. Der Intendant des Hoftheaters zu Oldenburg (Ferdinand von Gall) wollte 1846 diese Unsitte beenden. Die Idee zum Deutschen Bühnenverein war geboren und damit verbindliche Verträge an den Theatern. Mittlerweile hat der Deutsche Bühnenverein eine Reihe von weiteren Aufgaben und ist aus dem Kulturleben nicht mehr wegzudenken. Am Donnerstag feierte er sein 175-jähriges Bestehen am Oldenburgischen Staatstheater. Bundespräsident Steinmeier hielt dort eine Festrede.

Eine Feier unter Corona-Bedinungen

Es spielt das Oldenburgische Staatsorchester - allerdings nicht live, sondern im Video - wegen Corona. Die wenigen Besucher sitzen verteilt und mit viel Abstand zueinander. Dabei hätten auch die Plätze zwischen ihnen leicht gefüllt werden können. Schließlich vereint der Deutsche Bühnenverein rund 340 öffentliche und private Theater, dazu noch zahlreiche Orchester und namhafte Festivals. Dieser Reichtum stehe auf dem Spiel, sagt Bundespräsident Steinmeier in seiner Festrede.

Die Vielfalt der Kultur auch nach der Pandemie zu erhalten, darum gehe es nicht nur dem Bühnenverein. "Was wir in Konzertsälen, Theatern, Opern- oder Balletthäusern erleben, sind keine austauschbaren notfalls verzichtbaren Zugaben. Nicht nice to have. Nicht der Zuckerguss, auf einem Alltag, der auch ohne Kultur ganz gut zurechtkäme. Wir, das Publikum, brauchen Sie, die Regisseure, Schauspielerinnen, Musiker, Tänzerinnen und Sänger ebenso wie Sie ihr Publikum!", so der Bundespräsident. "Bleiben Sie uns erhalten, möglichst vollzählig", ruft der Bundespräsident die Theaterleute zum Schluss auf.  Und so als wollten die Tänzerinnen und Tänzer demonstrieren, dass sie das tun werden, präsentiert daraufhin die Oldenburger Ballettcompagnie eine Choreografie auf der Bühne - zum ersten Mal seit Monaten wieder vor Publikum.

Wie geht es weiter nach der Pandemie

Personen bei einer Podiumsdiskussion © NDR/Helgard Füchsel Foto: Helgard Füchsel
Podiumsdiskussion. Im Bild von Links Björn Thümler (CDU), Julia Wissert (Intendantin Schauspiel Dortmund), Nicole Heesters (Schauspielerin), Shelly Kupferberg (Moderatorin)

Die öffentlichen Theater haben die Pandemie bisher ganz gut überstanden, sagt der Direktor des Deutschen Bühnenvereins Marc Grandmontagne. Besser als die freie Theaterszene. Es gebe aber dennoch viele Konflikte und anstehende Debatten, etwa die Machtdebatte. "Wir haben immer noch die Debatte um die Geschlechtergerechtigkeit, wir haben eine Strukturdebatte, wir haben auch das Thema Nachhaltigkeit, was es ja erfreulicherweise auch trotz der Pandemie geschafft hat, ein bisschen sich zu behaupten. Darüber hinaus treibt uns natürlich auch die Sorge nach dieser Coronazeit um, wie wir mit dem Stellenwert dessen was wir tun auch in der Gesellschaft künftig verortet sein werden."

Diese Themen kommen beim Festakt auch bei einer Podiumsdiskussion auf den Tisch. Vertreter aus der Politik und von öffentlichen und freien Theatern sprechen über Rassismus und kulturelle Teilhabe. Eine zahme Diskussion fast ohne Widersprüche, aber dafür mit Liebeserklärungen ans Theater von der Schauspielerin Nicole Heesters: "Das Theater ist für mich ein Raum, in dem ich so viele Figuren und Menschen kennengelernt habe, wie ich es nie in meinem realen Leben erlebt hätte."

Der Festakt ist ein gutes Startsignal

Ein Sänger im Nebel auf einer Bühne © NDR/Helgard Füchsel Foto: Helgard Füchsel
Opernsänger Kihun Yoon kommt aus dem Bühnennebel.

Der Festakt endet bombastisch mit Feuerspuckern und Wasserfontänen aus Gartenschläuchen - und dem Bariton Kihun Yoon in rot angeleuchtetem Bühnennebel. Ein gelungener Abend für den Gastgeber und Oldenburger Intendanten Christian Firmbach: "Das war beglückend und vor allem vor dem Hintergrund beglückend, dass wir wissen, dass wir ab der kommenden Woche tatsächlich spielen können vor lebendigen Menschen im Theater im Innenraum. "Und diese Veranstaltung war wirklich am Wendepunkt zu diesem Moment wir waren alle sehr, sehr aufgeregt und mit dem Bundespräsidenten, das ist doch ein gutes Startsignal.

Weitere Informationen
Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien in Hamburg, im Porträt. © dpa Foto: Jonas Klüter

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 28.05.2021 | 06:40 Uhr