Stand: 10.07.2018 12:42 Uhr

Verhärteter Muskel statt Bandscheibenvorfall

Etwa jeder Dritte in Deutschland leidet unter Rückenschmerzen. Wenn es von der Hüfte hinunter bis in die Beine zieht, können diese Schmerzen auf einen Bandscheibenvorfall hinweisen. Doch Studien zeigen: Bandscheibenvorfälle sind dann zwar häufig eindeutig auf Röntgen- und MRT-Bildern zu sehen, aber oft nicht die Ursache der Beschwerden.

Schematisches Bild eines Muskels.

Verhärteter Muskel statt Bandscheibenvorfall

Visite -

Wenn starke Schmerzen vom Gesäß ins Bein ziehen, stellen einige Ärzte schnell die Diagnose Bandscheibenvorfall. Doch oft verursacht ein Muskel die Beschwerden.

4,19 bei 110 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Oft gehen die Schmerzen vom Ischiasnerv (Nervus ischiadicus) aus. Er ist der längste Nerv im menschlichen Körper. Er wird aus mehreren Wurzeln im untersten Teil der Wirbelsäule gebildet und verläuft durch die Beckenmuskulatur zur Rückseite des Oberschenkels und weiter bis zur Kniekehle. Dort teilt er sich in zwei Äste auf und zieht an der Außen- und Rückseite der Wade bis zum Fuß. Typische Ischiasschmerzen treten plötzlich auf und strahlen über das Gesäß und die Oberschenkelrückseite bis in die Fußsohle aus.

Wenn der Piriformis-Muskel auf den Ischiasnerv drückt

Bild vergrößern
Der Piriformis-Muskel (rot) liegt unterhalb des Gesäßmuskels.

Spätestens wenn sich die Schmerzen nach einer Bandscheiben-Operation nicht bessern, muss man eine andere Ursache in Erwägung ziehen: Schuld an den ins Bein ausstrahlenden Schmerzen kann der Piriformis-Muskel sein. Er liegt verborgen unter dem großen Gesäßmuskel und verbindet Kreuzbein und Oberschenkel. Normalerweise ist der birnenförmige Muskel weich und dehnbar. Aber durch einen Sturz, Fehlhaltung oder Überbelastung kann er verspannen und sich so verkürzen. Der Muskel wird dick und hart und drückt direkt auf den Ischiasnerv (Piriformis-Syndrom).

Interview
06:53
Visite

Was hilft beim Piriformissyndrom?

10.07.2018 20:15 Uhr
Visite

Wie findet man heraus, ob es sich um das Piriformis-Syndrom handelt? Mit welchen Übungen kann man vorbeugen? Dr. Christian Sturm gibt Tipps. Video (06:53 min)

Lasègue-Test gibt Aufschluss

Anhand bestimmter Druckpunkte kann der Arzt feststellen, ob der Piriformis-Muskel die Beschwerden verursacht. Mit Stoßwellen und manueller Therapie lässt sich der oft schon chronisch verspannte Muskel lösen. Experten schätzen, dass viele Bandscheiben-Operationen vermieden werden könnten, wenn das Piriformis-Syndrom richtig diagnostiziert und behandelt würde. Mit dem sogenannten Lasègue-Test lässt sich herausfinden, ob der verhärtete Piriformis-Muskel die Ursache der Rückenschmerzen sein könnte. Dabei wird das im Knie gestreckte Bein beim auf dem Rücken liegenden Patienten langsam in Richtung Zimmerdecke bewegt. Tritt dabei ab einem bestimmten Winkel ein heftiger Dehnungsschmerz auf, könnte ein Piriformis-Syndrom vorliegen.

Wie wird das Piriformis-Syndrom behandelt?

Das Ausheilen des Piriformis-Syndroms kann mehrere Wochen dauern - halten die Schmerzen schon seit drei bis sechs Monaten an, spricht man von einer Chronifizierung. Zusätzlich zu Schmerzmedikamenten werden in der Behandlung Krankengymnastik und manuelle Therapie angewandt.

Downloads

Übungen für das Iliosakralgelenk

Übungsprogramm bei Beschwerden am Kreuz/Darmbein-Gelenk von der Medizinischen Hochschule Hannover (PDF). Download (5 MB)

Weitere Informationen

"Piriformis-Syndrom nach Belastung typisch"

Schmerzen, die vom Gesäß ins Bein ziehen, können durch einen verhärteten Piriformis-Muskel entstehen. Orthopäde Dr. Christian Sturm hat Fragen zum Thema im Chat beantwortet. mehr

06:53
Visite

Was hilft beim Piriformissyndrom?

10.07.2018 20:15 Uhr
Visite

Wie findet man heraus, ob es sich um das Piriformis-Syndrom handelt? Mit welchen Übungen kann man vorbeugen? Dr. Christian Sturm gibt Tipps. Video (06:53 min)

Experten zum Thema

Dr. Christian Sturm, Orthopädie und Unfallchirurg
Oberarzt Klinik für Rehabilitationsmedizin
Medizinische Hochschule Hannover
www.mh-hannover.de/rehabilitation

Prof. Dr. Frank Wacker, Radiologe und Neuroradiologe
Direktor Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie
Medizinische Hochschule Hannover
Carl-Neuberg-Straße 1
30625 Hannover
www.mh-hannover.de/radiologie.html

Steffen Wegner
Physiotherapeut
Praxis Wegner
Konrad Adenauer Straße 29
31174 Schellerten (Dingelbe)
(051) 23 40 66 88 

www.praxiswegner.de

Dieses Thema im Programm:

Visite | 10.07.2018 | 20:15 Uhr

Mehr Ratgeber

07:07
Markt
05:47
Markt
08:46
Mein Nachmittag

Risiko Haushalt: So wird das Zuhause sicherer

24.09.2018 16:20 Uhr
Mein Nachmittag