Stand: 09.02.2018 10:44 Uhr  | Archiv

Morbus Bechterew erkennen und behandeln

Rückenschmerzen sind unter Erwachsenen sehr verbreitet - meist sind sie harmlos und verschwinden nach Tagen oder Wochen wieder. Doch bei etwa fünf Prozent der Menschen mit chronischem Rückenschmerz - oft Männern - steckt mehr dahinter: Morbus Bechterew, eine besondere Form von entzündlichem Rheuma. Diese Krankheit tritt meist zwischen der Pubertät und dem 30. Lebensjahr erstmals auf, die Häufigkeit liegt hierzulande bei etwa fünf Betroffenen auf 1.000 Einwohner. Bei dieser Autoimmunerkrankung attackieren körpereigene Abwehrzellen gesundes Skelettgewebe - meist zuerst in den Kreuz-Darmbein-Gelenken. Unter Umständen bilden sich dadurch schmerzhafte Knochenwucherungen bis hinauf in die Wirbelsäule.

Morbus Bechterew

Der Name (Bechterewsche Krankheit, kurz: M. Bechterew) geht auf den russischen Neurologen Wladimir Bechterew zurück, der sich vor mehr als 100 Jahren eingehend mit der Erkrankung befasste. Der korrekte medizinische Fachbegriff für die Erkrankung lautet Spondylitis ankylosans oder ankylosierende Spondylitis (AS).

Die Krankheit verläuft in Schüben und bei jedem Patienten anders: Bei manchen so mild, dass sie nicht einmal eindeutig diagnostiziert wird, bei anderen ist sie so aggressiv, dass ein Leben ohne Schmerzmittel kaum möglich ist. Entzündungen der Wirbelgelenke können dazu führen, dass sich die Gelenke versteifen und der Rücken unbeweglich wird. Manchmal verkrümmt sich auch die Wirbelsäule, was zu einer stark vornübergebeugten Körperhaltung führt. Die Krankheit verringert oft auch die Dichte der Knochenmasse, sodass es zu Osteoporose kommen kann. Bei manchen Betroffenen wird die Beweglichkeit des Brustkorbs und damit die Atmung beeinträchtigt.

Gelegentlich treten Augenentzündungen oder entzündliche Darmerkrankungen begleitend auf. In sehr seltenen Fällen betrifft die Krankheit auch andere Organe, zum Beispiel die Lunge, die Niere, das Herz oder die Hauptschlagader (Aorta). Ist das Herz in Mitleidenschaft gezogen, können Herzklappenfehler entstehen.

Rheumatische Erkrankungen

Rheuma tritt größtenteils am Bewegungsapparat auf, betrifft aber nicht nur "harte" Strukturen wie Knochen, Gelenke oder Knorpel, sondern auch "Weichteile" wie Muskeln, Bänder oder Sehnen - häufiges Beispiel: die Psoriasis-Arthritis. Selbst Organe, Rippenfell, Nerven oder Gefäße können betroffen sein.

Der rheumatische Formenkreis teilt sich in vier Hauptgruppen: 
1. entzündlich-rheumatische Erkrankungen
2. verschleißbedingte (degenerative) Gelenk- und Wirbelsäulenerkrankungen
3. Weichteilrheumatismus
4. Stoffwechselerkrankungen mit rheumatischen Beschwerden (pararheumatische Erkrankungen)

Ursache

Bei Morbus Bechterew richtet sich das Immunsystem gegen körpereigene Zellen. Die Ursachen dafür sind noch nicht eindeutig geklärt. Vermutlich muss eine Infektion mit bestimmten Bakterien das Abwehrsystem des Körpers zu einer überschießenden Reaktion reizen und mit einer erblichen Veranlagung zusammentreffen, um die Krankheit auszulösen.

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Was passiert bei Morbus Bechterew?

Abwehrzellen greifen irrtümlich gesundes Gewebe an, meist zuerst in den Kreuz-Darmbein-Gelenken. Dadurch bilden sich Knochenwucherungen - auch an der Wirbelsäule. Bildergalerie

Symptome

Oft beginnt die Krankheit im Bereich der Kreuzbein-Darmbein-Gelenke (Iliosakralgelenke). Dabei handelt es sich um eine relativ unbewegliche gelenkartige Verbindung aus Kreuzbein und Darmbein, die von Bändern versteift wird. Betroffene spüren immer wieder Schmerzen im unteren Rücken und im Gesäß, besonders bei längerem Sitzen. In der Regel sind die Schmerzen bei Ruhe am schlimmsten (vor allem nachts) und bessern sich bei Bewegung. Oft berichten Betroffene auch über eine morgendliche Steifigkeit der Gelenke, die sich durch Bewegung bessert. Im Krankheitsverlauf können die Wirbelsäule und der Brustkorb zunehmend unbeweglich werden. Wenn sich ein steifer Rundrücken ausgebildet, ist die Krankheit bereits weiter fortgeschritten.

Bei knapp der Hälfte der Betroffenen entzündet sich die mittlere Augenhaut, sodass das Auge schmerzt, lichtempfindlich und gerötet ist.

Dieses Thema im Programm:

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