Stand: 19.11.2019 10:51 Uhr  | Archiv

Vergrößerte Hämorrhoiden erkennen und behandeln

Vergrößerte Hämorrhoiden können jucken, brennen, nässen und bluten. An den typischen Beschwerden leidet jeder Dritte über 50. Die meisten sprechen ungern darüber, denn Probleme mit Hämorrhoiden gelten als Tabu. Selbst dem Arzt gegenüber trauen sich viele Betroffene nicht, das Thema anzusprechen.

Hämorrhoiden verschließen den After

Hämorrhoiden (griechisch für "Blutfluss") sind rund um den After herum angeordnete Blutgefäße. Zusammen mit dem Schließmuskel sorgen sie für einen sicheren Verschluss des Afters. Sie bilden kurz vor dem Enddarmausgang ein ringförmiges, schwammartiges Gewebepolster. Die sogenannten Hämorrhoidalpolster, die unter der Darmschleimhaut liegen, funktionieren wie ein Schwellkörper: Sie füllen sich mit Blut, um den Darmausgang abzudichten. Auf dem stillen Örtchen schwellen sie ab, und der Schließmuskel erschlafft - das ermöglicht uns den Stuhlgang.

Typische Symptome: Jucken und Nässen

Erste Symptome von Hämorrhoidal-Beschwerden sind in der Regel Juckreiz und Nässen am After. Grund dafür ist, dass Sekrete aus dem Darm austreten und die Haut außen reizen. Das führt zu einem unangenehm nassen Gefühl, zu Jucken und manchmal auch Brennen.

Starkes Pressen und harter Stuhlgang können außerdem bewirken, dass die prall gefüllten Hämorrhoiden weiter anschwellen und beim Stuhlgang verletzt werden. Die Folge ist frisches rotes Blut im Stuhl oder auf dem Toilettenpapier.

Wenn das Bindegewebe um die Hämorrhoiden herum erschlafft und diese nicht mehr halten kann, treten Hämorrhoiden schließlich sogar aus dem After heraus.

Diagnose von Hämorrhoiden

Bereiten Hämorrhoiden länger als eine Woche Probleme, sollte ein Arzt die Ursache abklären. Bei Blutanhaftungen sollte unverzüglich ein Arzt aufgesucht werden. Eine gute Anlaufstelle sind Proktologen oder Kolonproktologen.

Bei der körperlichen Untersuchung schaut sich der Arzt den After und die umliegende Haut an und versucht, die Hämorrhoiden mit dem Finger zu ertasten. Anschließend folgt die die Spiegelung des Analkanals (Proktoskopie). Dabei erkennt der Arzt, ob einzelne Hämorrhoiden vergrößert sind, und kann gleichzeitig ausschließen, dass sich hinter den Beschwerden eine ernstere Erkrankung verbirgt, zum Beispiel Darmkrebs oder Hautkrebs. Die Untersuchung dauert nur wenige Minuten, tut nicht weh und kann auch beim Hausarzt durchgeführt werden.

Je nach Beschwerdebild und Verdacht des Arztes wird eventuell noch eine Rektoskopie durchgeführt, eine Spiegelung des Enddarms. Das ist wichtig, wenn sich trotz Symptomen keine Hämorrhoiden finden lassen. Damit sieht der Arzt noch tiefer in den Darm hinein. In der Regel lassen sich aber vergrößerte Hämorrhoiden schnell als Übeltäter ausmachen. Je nach Schweregrad wird dann über die Therapie entschieden.

Hämorrhoiden vorbeugen und behandeln

Häufig sind vergrößerte Hämorrhoiden eine Folge von falscher Ernährung und zu wenig Bewegung. Erster Therapieansatz ist deshalb die Umstellung auf eine ballaststoffreichere Kost. So kommt die Verdauung wieder in Schwung, der Stuhl wird weicher und die Darmentleerung damit leichter. Dazu ist es wichtig, genug zu trinken. Insbesondere Flohsamenschalen oder Leinsamen sollte man mit viel Wasser einnehmen. Fleisch, Wurst und Lebensmittel mit Weißmehl und Zucker meiden. Sie verlangsamen die Verdauung und sorgen für harten Stuhl. Auch Alkohol meiden, er verstärkt die Blutungsneigung.

Ernährungstherapie
Eine Box mit verschiedenen gesunden Lebensmitteln. (Bildmontage) © fotolia.com Foto: pat_hastings, Sphotocrew, valery121283, atoss

Richtig essen bei vergrößerten Hämorrhoiden

Viel Gemüse, Vollkorn und Obst brauchen Betroffene, um den Bedarf an gesunden Ballaststoffen zu decken. Und ganz wichtig: ausreichend trinken! Wasser, Tees und Gemüsesäfte. mehr

Sport bringt die Verdauung auf Trab

Körperliche Aktivität unterstützt die Darmfunktion. Ein täglicher Spaziergang von 30 Minuten trägt dazu bei, den Darm auf Trab zu bringen. Wer dafür keine Zeit hat, sollte möglichst viel Bewegung in seinen Alltag bringen, zum Beispiel weiter entfernt parken und statt den Aufzug oder die Rolltreppe die Treppe benutzen. Hilfreich ist außerdem Beckenbodentraining.

Salben schützen die Haut

Ein Jucken und Nässen kann auch wieder von selbst verschwinden. Schmerz- und entzündungslindernde Salben aus der Apotheke können die Beschwerden bessern, ändern allerdings nichts an der Ursache. Spezielle Hämorrhoidensalben eignen sich ebenso gut wie Babycreme oder Zinksalbe. Sie schützen die Haut und lassen Entzündungen abklingen. Zäpfchen sind meist weniger effektiv, da ihre Wirkstoffe im Enddarm freigesetzt werden, die Beschwerden aber im Bereich der Haut auftreten

Was der Arzt tun kann

Sind die Hämorrhoiden im Anfangsstadium nur vergrößert, lassen sie sich durch Unterspritzen veröden. Sie schrumpfen dadurch wieder auf ihre normale Größe, erfüllen ihre Aufgabe weiter und verursachen keine Beschwerden mehr. Führt die Spritze nicht zum Erfolg, kann der Arzt die Hämorrhoiden mit einem speziellen Gummiband abbinden. Eine Operation als letztes Mittel ist nur erforderlich, wenn die Hämorrhoiden bereits nach außen getreten sind und ein Fremdkörpergefühl und Schmerzen verursachen.

Tipps für den Akutfall

  • Beim Stuhlgang die Füße auf einen Hocker stellen. Nicht zu stark pressen oder zu lange sitzen. Weiches Toilettenpapier verwenden, feuchtes Toilettenpapier meiden. Nach dem Stuhlgang den After abduschen, unterwegs ein Reisebidet verwenden.

  • Keine Abführmittel verwenden, häufiger Stuhlgang kann die Hämorrhoiden belasten.

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Dieses Thema im Programm:

Die Ernährungs-Docs | 14.01.2019 | 21:00 Uhr

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