Gesunde Wärme: Wärmflasche, Heizdecke oder Kirschkernkissen?

Stand: 10.12.2021 13:19 Uhr

Wärme hilft bei Bauchschmerzen, Muskelverspannungen und Arthritis. Die Aktivierung der Wärmerezeptoren überdeckt die Schmerzrezeptoren und fördert die Durchblutung. Welche Wärme ist für wen geeignet?

Wärme kann mitunter wirksamer sein als ein Medikament und sogar Schmerzmittel ersetzen. Auch der Schlaf wird durch Wärme verbessert. Es ist sogar wissenschaftlich erwiesen, dass man mit warmen Füßen besser einschlafen kann.

Um Einschlafen zu können, ist ein Absinken der Körpertemperatur um ein Grad Celsius notwendig. Sind jedoch die Gefäße an Händen und Füßen eng gestellt, weil sie kalt sind, kann das Blut dort nicht fließen und die Wärme nicht abtransportieren. Gleichzeitig schüttet man mehr Adrenalin aus, weil es stresst, nicht einschlafen zu können. Und auch zu viele Stresshormone verhindern einen geruhsamen Schlaf. Außer dicken Socken gibt es aber einige weitere Möglichkeiten, um sich aufzuwärmen.

Wärmflasche gegen Bauchweh

Eine Wärmflasche ist im Handel schon für unter zehn Euro erhältlich. Befüllt mit heißem Wasser ist sie ein bewährtes Hausmittel bei Bauchschmerzen: Die Aktivierung der Wärmerezeptoren überdeckt die Schmerzrezeptoren. Und die Wärme entspannt das myofasziale Gewebe: Im Bauchraum sind die einzelnen Organe in kleinen Fasziensäcken aufgehängt. Die Wärme entspannt diese Fasziensäcke und somit können sich auch die Organe entspannen. Aber Vorsicht: Die Wärmflasche darf nicht zu voll sein, muss gut verschlossen werden und das Gummi darf nicht direkt auf der Haut aufliegen, um diese nicht zu überhitzen.

Körnerkissen gegen Muskelverspannungen

Länger als eine Wärmflasche spendet ein Körnerkissen (ab fünf Euro) heilende Wärme. Es gibt verschiedene Füllungen, die unterschiedliche Härtegerade haben und manchmal mit Heilkräutern wie Lavendel angereichert sind:

  • Getreide (beispielsweise Hirse oder Dinkel)
  • Kirschkerne
  • Rapssamen

In der Mikrowelle oder im Backofen erwärmt, geben Körner die Wärme länger ab als heißes Wasser. Das hilft zum Beispiel bei starken Muskelverspannungen, denn ein Körnerkissen fördert die Durchblutung. In den Arterien findet ein vermehrter Sauerstoffaustausch statt, der wiederum kurbelt den Stoffwechsel an und Stoffwechselendprodukte werden besser abgebaut. Mit Wärme lässt sich also die natürliche Regeneration beschleunigen - und das löst Verspannungen.

Heizdecke - Wärme per Knopfdruck

Eine Heizdecke (ab 30 Euro) sollte bis zu zwei Stunden gleichmäßig wärmen und sich dann allein abschalten. Menschen, bei denen sich zum Beispiel eine Arthritis durch Kälte verschlechtert, kann eine heizende elektrische Wärmequelle helfen. Allen anderen raten Expertinnen und Experten von der Dauerwärme auf Knopfdruck eher ab: Das stundenlange Liegen auf Wärme kann nämlich dazu führen, dass das Fasziengewebe verfilzt - so, als würde man einen Wollpullover zu heiß waschen. Und durch das verfilzte Gewebe kann Wärme gar nicht mehr durchdringen. Die Betroffenen führen sich per Heizdecke dann immer mehr Wärme zu, weil sie das Wärmegefühl empfinden möchten. Das kann zu Verbrennungen auf der Haut führen.

Physiotherapie: Rotlicht, heiße Rolle, Fango und Moor-Packungen

In der Physiotherapie werden vor allem drei Wärmequellen angewendet: Rotlicht, heiße Rolle und Fango. 

  • Im Gegensatz zu anderen Wärmequellen dringt Rotlicht auch in die tieferen Hautschichten bis zu den Gelenken ein. Infrarotstrahlen und elektromagnetische Wellen erzeugen tief im Gewebe eine trockene Wärme. Das kurbelt die Wundheilung an und kann Entzündungen lindern. Besonders geeignet ist Rotlicht bei einer rheumatoiden Arthritis sowie bei Zerrungen. Es hilft auch bei Verspannungsschmerzen der Muskulatur und des Bindegewebes, weil es auch den Stoffwechsel ankurbelt, das Gewebe stärker durchblutet und die Regeneration fördert. Man sollte jedoch aufpassen, wenn Hautveränderungen, Gefühlsstörungen oder auch Entzündungen vorliegen - dann ist Rotlicht nicht hilfreich. 

  • Für eine heiße Rolle werden Handtücher mit kochendem Wasser getränkt und kurz auf schmerzende Körperstellen gepresst. Die heiße Rolle funktioniert besonders gut bei muskulären Verspannungen, vor allem im Schulter- und Nackenbereich. Aber auch bei Zerrungen und Muskelfaserrissen, die länger als acht Stunden zurückliegen, ist die heiße Rolle eine sehr gute Behandlungsmethode.

  • Mit Fango oder Moor-Packungen lassen sich vor allem starke Muskel-Verhärtungen und chronische Rheuma-Schmerzen gut behandeln. Dazu werden mit Paraffin und Mineralschlamm gefüllte Wärmeträger auf 60 Grad erhitzt, denn die halten die Wärme besonders lang. Vorsicht bei Fango oder Moor-Packungen, die man zu Hause in der Mikrowelle erwärmen kann: Sie können gefährlich sein, wenn zum Beispiel nach einem Schlaganfall, aufgrund eines Diabetes mellitus, einer Herzerkrankung oder wegen Blutdruckproblemen Missempfindungen vorliegen. Die Betroffenen spüren dann nicht zuverlässig, wenn die Packung zu heiß ist - und können sich starke Verbrennung zuziehen. Außerdem kann eine zu lange Anwendung von Fango- oder Moorpackungen dazu führen, dass sich die Gefäße weiten und die Muskulatur entspannt, sich aber das Blut im Körper verteilt und Betroffene beim Aufstehen Kreislaufprobleme bekommen. Ist man dann allein zu Hause, kann das gefährlich werden.

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