Stand: 02.02.2019 20:06 Uhr

Colitis ulcerosa erkennen und behandeln

Der Feind lauert im eigenen Körper: Die Colitis ulcerosa (zu Deutsch etwa: geschwürbildende Darmentzündung) zählt zu den Autoimmunerkrankungen. Neben Morbus Crohn gehört sie zu den häufigsten chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen. Erhebungen zufolge sind davon in Deutschland mindestens 150.000 Menschen betroffen, nach einigen Schätzungen sogar doppelt so viele. Colitis ulcerosa ist vor allem in den Industrieländern und insbesondere in der städtischen Bevölkerung verbreitet.

Lucas P. setzt an, einen Smoothie zu trinken. © NDR/nonfictionplanet

"Kraftfutter" für den Darm bei Colitis ulcerosa

Die Ernährungs-Docs -

Lucas P. ist international als Wrestler unterwegs. Aber dem 24-Jährigen machen Durchfälle zu schaffen. Er braucht darmschonendes Essen, das ihm jede Menge Nährstoffe liefert.

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Häufig tritt Colitis ulcerosa zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr auf. Sie beginnt meist im Enddarm und befällt ausschließlich den Dickdarm. In der Darmschleimhaut bilden sich Entzündungen und eitrige Geschwüre. Dadurch kommt es zu Bauchschmerzen und oft zu blutigen Durchfällen. Die Krankheit verläuft in Schüben: Es gibt Phasen, in denen Betroffene unter Beschwerden leiden (Akutphase), und solche, in denen kaum Probleme auftreten (Remission).

Ursachen sind nicht restlos geklärt

Bisher sind die Ursachen der Krankheit ungeklärt. Eine vererbliche Neigung zu Darmentzündungen, ungünstige Zusammensetzungen des Darminhalts, Störungen in der Immunabwehr und psychische Belastungen sind offenbar mitverantwortlich. Die Ernährung und übertriebene Hygiene können Studien zufolge eine Rolle spielen. Wahrscheinlich bringt ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren die Colitis ulcerosa zum Ausbruch.

Was bei einer Colitis ulcerosa passiert

Häufige Durchfälle typisches Symptom

Die Krankheit beginnt meist schleichend. Bauchschmerzen, Blähungen, Krämpfe und Darmblutungen können auftreten. Typisch sind insbesondere Durchfälle, die in der Akutphase bis zu 40-mal täglich vorkommen und oft von blutig-schleimiger Konsistenz sind. Der ständige Stuhldrang ist im Alltag sehr belastend. Darüber hinaus verliert der Körper dadurch nicht nur Blut und Wasser, sondern auch Vitamine und Mineralstoffe. So kommt es nicht selten zu einem Mangel an Nährstoffen, insbesondere Eiweißen, Kalzium, Eisen, Folsäure oder den Vitaminen D und B12. Damit gehen wiederum entsprechende weitere Symptome einher wie Gewichtsabnahme, Schlappheit und Infektanfälligkeit.

In schweren Fällen können Lähmungen des Dickdarms auftreten. Bei einer über ein Jahrzehnt in Schüben verlaufenden Colitis ulcerosa besteht zudem ein erhöhtes Risiko, an Dickdarmkrebs zu erkranken.

Diagnose durch Darmspiegelung und Blutbild

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Ernährungs-Doc Anne Fleck zeigt die weißlichen Beläge und Geschwüre, die bei Colitis bei einer Darmspiegelung zu finden sind.

Zur Diagnose wird ein Blutbild erstellt: Als Zeichen der Entzündung finden sich oft erhöhtes C-reaktives Protein (CRP) und erhöhte Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG). Möglicherweise zeigt sich auch eine Blutarmut (Anämie) oder ein Nährstoffmangel. Die Untersuchung einer Stuhlprobe gibt Aufschluss darüber, ob die aktuellen Beschwerden an einem bakteriellen Infekt liegen. Eine Darmspiegelung ist zur Diagnosestellung unumgänglich: Dabei führt der Arzt einen schmalen Schlauch mit einer Minikamera rektal in den Dickdarm ein. So lassen sich typische weiße Beläge oder Geschwüre an der Darmschleimhaut erkennen und zugleich Gewebeproben entnehmen. Anhand der Gewebsuntersuchung kann die Colitis ulcerosa vom Morbus Crohn im Einzelfall abgrenzt werden.

Ganzheitliche Therapie notwendig

Bei der Krankheitsbewältigung ist es wichtig, den Alltag und die gesamten Lebensumstände unter die Lupe zu nehmen: Gibt es - möglicherweise unterbewusste - Konflikte? Etwas, das Sie im übertragen Sinne "nicht richtig verdauen" können? Psychischer Stress kann eine Colitis ulcerosa sehr negativ beeinflussen und immer wieder zu Rückschlägen führen.

Die bei Colitis ulcerosa verabreichten Medikamente wie etwa Kortison hemmen die Entzündung, Mesalazin soll zugleich das Darmkrebs-Risiko verringern. Sie haben aber vor allem bei längerer Anwendung unangenehme Nebenwirkungen und können Abhängigkeiten erzeugen: Das heißt, sie können nicht mehr herunterdosiert oder weggelassen werden, ohne dass erneut heftige Probleme auftreten.

Die Naturheilkunde wendet mit einigem Erfolg Gerbstoffe und Bittermittel, etwa Myrrhe, Weihrauch und Kamille gegen Darmentzündungen an.

Auch Stuhltransplantationen - also das Einsetzen von Darmbakterien gesunder Menschen - konnten Erfolge erzielen, die jedoch überwiegend nicht von langer Dauer waren.

Richtige Ernährung von zentraler Bedeutung

Die Chance der Ernährungstherapie bei Colitis ulcerosa liegt darin, die beschwerdefreie Zeit so lange wie möglich zu erhalten. Darmschonend essen mit leicht verdaulichen Lebensmitteln unter dem Motto "Energie rauf, Entzündung runter" ist der beste Weg.

Die Ernährungsempfehlungen sind vom Stadium der Erkrankung (Akutphase oder Ruhephase) abhängig. Liegen keine Diarrhoe (mehr als drei Stühle täglich) und kein sichtbares Blut im Stuhl vor, spricht man von Remission. Für diese Phase empfiehlt sich eine leichte Vollkost, die kalorien-, vitamin- und ballaststoffreich ist. Lebensmittel und Zubereitungsverfahren, die häufig Beschwerden auslösen, sollte man dabei meiden. Entzündungshemmende Nahrungsmittel wie Omega-3-Fettsäuren und anthocyanhaltige Beeren, insbesondere Heidelbeeren, können helfen. Auch bis zu drei Tassen frisch gefilterter Kaffee am Tag wirken entzündungshemmend. Studien zufolge kann auch Gerstengraspulver, wenn man es regelmäßig anwendet, die Erkrankung lindern. Es wirkt gegen Durchfall.

Zuckerunverträglichkeit in der Akutphase

Im entzündlichen Schub werden oft nur wenige milde Lebensmittel vertragen. Häufig kommt es zu einer schubbedingten Zuckerunverträglichkeit (Laktose, Fruktose, Sorbit). Zusätzlich zu den Ernährungsempfehlungen für die Remissionsphase gelten daher besondere Empfehlungen für die Akutphase. Wichtig ist es jetzt insbesondere, den entzündeten Dickdarm zu entlasten.

Ernährungstherapie bei Colitis ulcerosa

Ernährung bei Colitis ulcerosa

Die Chance der Ernährungstherapie liegt darin, die beschwerdefreie Zeit so lange wie möglich zu erhalten. Eine leichte Vollkost unter Auslassung reizender Lebensmittel ist sinnvoll. mehr

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Dieses Thema im Programm:

Die Ernährungs-Docs | 04.02.2019 | 21:00 Uhr

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