Stand: 12.12.2018 08:38 Uhr

HörSalon - über Väter und Söhne

von Alexandra Friedrich

Das Ende der Liebe, die digitale Revolution oder die Verantwortung von Nachrichtenjournalismus - im HörSalon diskutieren regelmäßig Expertinnen und Experten über relevante gesellschaftliche Themen. Am Dienstagabend haben NDR Kultur und die ZEIT-Stiftung wieder geladen - diesmal zum Thema: Väter und Söhne. Darüber hat sich Alexander Solloch aus der NDR Kultur Literaturredaktion mit der renommierten Schweizer Erziehungswissenschaftlerin Margrit Stamm und dem Schriftsteller und Kinder- und Jugendpsychiater Jakob Hein im Hamburger Bucerius Kunst Forum unterhalten.

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Haben sich gut verstanden: Margrit Stamm und Jakob Hein im NDR Kultur Hörsalon

Väter in Elternzeit sind heutzutage gang und gäbe; auch Männer wollen sich aktiv an der Kinder-Erziehung beteiligen und nicht mehr nur die Rolle des Ernährers spielen. Mit diesen sogenannten "neuen Vätern" beschäftigt sich die Erziehungswissenschaftlerin Margrit Stamm. Die 68-Jährige diskutierte mit dem um die 20 Jahre jüngeren Jakob Hein - Psychiater, Autor und selbst ein Exemplar der Spezies "neuer Vater". Kernfrage des Abends: Was macht einen guten Vater aus?

"Ein guter Vater ist jemand, der die Bedürfnisse seines Kindes versteht und wahrnehmen kann, dem es gelingt, diese Bedürfnisse zu erfüllen", meint Jakob Hein und ergänzt: "Wir pflanzen keinen Baum, wenn wir ein Kind haben. Und selbst wenn wir einen Baum pflanzen, können wir nicht aus einem Apfelbaum eine Birke machen."

Überbehütung der falsche Weg

Für Jakob Hein ist es essenziell, dass sich Kinder frei entfalten können. Eltern dürfen ihnen nicht ihre eigenen Wünsche und Sehnsüchte überstülpen. Und sie dürfen sie nicht mit einer überängstlichen Erziehung einengen - da sind sich beide Experten einig. So findet Margit Stamm:

"Wie Kinder heute mit Zuneigung, mit Überbehütung, mit Kontrolle überfrachtet werden, ist es eigentlich logisch, dass Kinder Mühe haben, mündig zu werden."

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Alexander Solloch aus der NDR Kultur Literaturredaktion führte durch den Abend.

"Wir müssen uns als Eltern doch immer fragen, warum machen wir das", ergänzt ihr Gesprächspartner Jakob Hein: "Kümmere ich mich hier gerade um mein Bedürfnis, um meine Ängstlichkeit, um das, was ich will, oder helfe ich jetzt meinem Kind mit Blick auf seine Selbständigkeit und sein erwachsenes Leben."

Perfektionsdruck erschlägt viele Eltern

Ein größeres Zutrauen in die Fähigkeiten der eigenen Kinder und in die eigene Intuition - das wünschen sich Jakob Hein und Margrit Stamm: "Das ist so ein gesellschaftlicher impliziter Vertrag, dass man heute nicht mehr intuitiv erziehen kann. Die ganzen Erziehungsratgeber postulieren einen riesigen Druck auf die Eltern. Und für die Eltern ist es ganz schwierig, in diesem Perfektionsdruck nur hinreichend gut zu sein."

Ein Abend mit vielen Denkanstößen, keinen endgültigen Wahrheiten und ohne große Kontroverse - vor allem in einem Punkt herrschte Konsens: in der Abneigung gegenüber Erziehungsratgebern:

"Eigentlich müssten wir beiden zusammen, einen Erziehungsratgeber schreiben für die Schäden, die Kinder durch Erziehungsratgeber erlitten haben", schmunzelt Jakob Hein und das Publikum lacht.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 12.12.2018 | 09:20 Uhr