Stand: 28.12.2017 15:46 Uhr

Der Chopin-Profi Seong-Jin Cho spielt Debussy

Debussy
von Seong-Jin Cho
Vorgestellt von Franziska von Busse
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Pianist Seong-Jin-Cho im Porträt am Flügel

21 Jahre alt war der südkoreanische Pianist Seong-Jin Cho, als er 2015 den Chopin-Wettbewerb in Warschau gewann. Der findet nur alle fünf Jahre statt - Seong-Jin Cho ist also der letzte Neuzugang in einer illustren Reihe: mit Maurizio Pollini, Martha Argerich, Krystian Zimmermann oder Rafal Blechacz. Beim Chopin-Wettbewerb wird von A bis Z nur Chopin gespielt; der Sieger kann sich also darauf einstellen, erst einmal vor allem als "Chopin-Spezialist" besetzt zu werden. Diese Phase hat der junge Koreaner sehr erfolgreich hinter sich: Seine Aufnahme mit Chopins erstem Klavierkonzert ist in seiner Heimat Südkorea sogar an die Spitze der Pop-Charts gestürmt. Auf seinem aktuellen Album spielt Seong-Jin Cho Debussy. Unsere erste CD der Woche im neuen Jahr.

Perfekte Paris-Parallele

Der gebürtige Pole Frédéric Chopin war lange in Paris zu Hause. Er hat die Stadt geliebt, trotz seiner Sehnsucht nach der Heimat. Genauso geht es dem jungen Koreaner Seong-Jin Cho: Seit seinem Studium lebt er in Frankreichs Hauptstadt und fühlt sich magisch angezogen von ihrer Kultur und ihren Erinnerungen, von ihrer Literatur, ihrer Musik, ihren Bildern.

"Images" – so hat Claude Debussy gleich zwei seiner Klavierzyklen genannt. Die Bilder, die er dabei im Kopf hatte, stammen zum Teil von den französischen Impressionisten: von Paul Cézanne oder Claude Monet. Seong-Jin Cho hat sie sich alle angeschaut. Immer wieder. Und dabei seine ganz persönliche Vorstellung davon gewonnen, wie sich ihre spezielle Atmosphäre in Klang verwandeln lässt. Das Licht- und Schattenspiel einer Baumgruppe etwa oder Lichtreflexe auf dem Wasser.

Debussys Schwärmereien für Fernost

Ein Moment von Versunkenheit charakterisiert das Spiel von Seong-Jin Cho, nicht nur in den "Images", sondern auf seiner gesamten Debussy-Aufnahme. Mit feinsten Antennen scheint er dabei selbst die zartesten Farben und Nuancen aufzunehmen, um sie behutsam an die genau richtige Stelle zu tupfen.

Debussys Musik ist nicht denkbar ohne seine schwärmerische Begeisterung für fernöstliche Kunst: Für Gamelan-Musik, für Lackmalerei, für Zeichnungen, in denen der Freiraum drum herum mindestens genauso wichtig ist, wie die Form, die er umschließt. Auch diese Verknüpfung gelingt dem jungen Koreaner mit leichter Hand: Im Umgang mit exotisch-angehauchten Tonfolgen und Harmonien oder in der Art, wie er Stille musikalisch formuliert.

Mit elf Jahren hat Seong-Jin Cho Debussys "Children’s Corner" zum ersten Mal öffentlich gespielt und dabei seine Liebe für den Komponisten entdeckt.

Seitdem, sagt er selbst, hat er unendlich viel dazugelernt, oder zumindest: neu verstanden. Aber eine kindliche Fähigkeit hat er sich offenbar bewahrt: Träume für wahr zu nehmen. Auch wenn es "nur" musikalische sind.

Debussy

Label:
Carus

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue CDs | 02.01.2018 | 06:40 Uhr