Stand: 21.02.2020 19:00 Uhr

Eine neue Perspektive auf Beethovens Sinfonien

Beethoven: Sinfonien Nr. 1-3
von Compagnia di Punto 
Vorgestellt von Raliza Nikolov

Das Beethoven-Jahr 2020 hält immer wieder wunderbare Überraschungen bereit: Die Compagnia di Punto, ein hervorragendes Ensemble von elf Mitgliedern, eröffnet uns auf seinem neuen Album eine neue Perspektive auf Beethovens Sinfonien 1 bis 3.

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Die Compagnia di Punto präsentiert Beethovens Sinfonien Nr. 1 bis 3 in Bearbeitungen für Kammerorchester, die aus der Feder zweier Beethoven-Zeitgenossen stammen.

Wenn man den Titel der CD liest - Sinfonien 1-3 in Arrangements von Ries und Ebers -, dann sagt einem eventuell der Name Ries etwas, Ferdinand Ries, der Klavierschüler und Sekretär Beethovens. Aber Carl Friedrich Ebers?

Ebers wurde wie Beethoven 1770 geboren, allerdings in Kassel. Eine Zeitlang wirkte er in Diensten des Herzogs Friedrich Franz I. zu Mecklenburg in Schwerin; er soll die ersten Wiener Walzer veröffentlicht haben, 1806. Später wurde er als Nachfolger E.T.A. Hoffmanns Musikdirektor in Dresden, ging darauf nach Magdeburg. Ebers starb 1836 in Berlin.

Die Aufnahmen mit Gewinn erleben

Der Hornist Christian Binde hat den lesenswerten Einführungstext verfasst. Er weist darauf hin, dass Beethoven Arrangements nicht grundsätzlich ablehnend, aber sehr wohl skeptisch gegenüberstand. Natürlich war ihm daran gelegen, seine Musik verbreitet zu wissen in Zeiten ohne Tonträger. Er stellte aber an ein Arrangement den Anspruch einer Neukomposition, schreibt Binde - und so muss man diese Aufnahmen auch hören. Nur dann kann man sie mit Gewinn erleben.

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Compagnia di Punto - Beethoven: Sinfonien Nr. 1-3

NDR Kultur - Neue CDs -

Das Ensemble Compagnia di Punto spielt auf seiner neuen CD Beethovens Sinfonien 1 bis 3 in Arrangements von Ries und Ebers.

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Interessant ist nun, dass die Compagnia di Punto grundlegend in die Bearbeitungen eingegriffen hat, wie Christian Binde erklärt: "Bei Ebers wurden die Stimmen vollständig redigiert." Das bedeutet, Beethovens Spielanweisungen zu Dynamik und Artikulation wurden wieder zurück übertragen. Ebers hatte sich nicht daran gehalten - warum, ist nicht klar, da man auch nicht weiß, welche Quellen er verwendet hat. Den Notentext hat die Compagnia di Punto aber nicht geändert.

Überzeugendes Ergebnis

Und Ferdinand Ries? Der Vertraute Beethovens in jungen Jahren muss die Entstehung der frühen Sinfonien aus der Nähe beobachtet haben, denn bald half er Beethoven bei Korrespondenzen, kopierte Noten.

Von Ries stammt das Arrangement der zweiten Sinfonie. Die Besetzung weicht entscheidend von der Ebers' ab - er setzt die Sinfonie für Streichquintett, Flöte und zwei Hörner, allerdings wäre das Ganze auch als Quartett spielbar, und das macht es für die größere Besetzung eher langweilig, wegen der Dopplungen. Das Ensemble Compagnia di Punto macht es anders, setzt also eigentlich nochmal eine eigene Bearbeitung drauf.

Das Ergebnis ist sehr überzeugend. Man muss sich vielleicht zunächst einmal etwas einhören, darf nicht vergleichen mit den Originalen, sondern muss diese Werke als eigenständige Beiträge wahrnehmen. Dann sind sie eine große Bereicherung, zumal die Compagnia di Punto die diffizilen Aufgaben eindrucksvoll löst.

Beethoven: Sinfonien Nr. 1-3

Label:
Deutsche Harmonia Mundi

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue CDs | 23.02.2020 | 15:20 Uhr