Stand: 14.05.2020 14:55 Uhr

Studie: Hat Deutschland Platz für 14.000 Wölfe?

Im Wolfscenter Dörverden ist ein Europäischer Grauwolf zu sehen. © dpa - Bildfunk Foto: Sina Schuldt
Bietet Deutschland Platz für bis zu 1.400 Wolfsrudel? Eine Studie des Bundesamtes für Naturschutz geht davon aus. (Themenbild)

Es ist eine unendliche Geschichte, die des Wolfs in Niedersachsen: Die einen sehen den Isegrim als stetige Bedrohung, für die anderen ist das seit dem Mittelalter bejagte Raubtier ein bedingungslos zu schützendes Wesen. Und dazwischen steht die Politik - um Ausgleich bemüht, oft angefeindet von beiden Seiten. Nun schreibt eine im Auftrag des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) erarbeitete Studie das nächste Kapitel im immerwährenden Streit. Demnach existiere bundesweit geeigneter Lebensraum für bis zu 1.400 Wolfs-Territorien, rund 14.000 Tiere.

DBV sieht Studie als Affront für Weidetierhalter

Keine gute Nachricht für die Weidetierhalter. Die Kritik des Deutschen Bauernverbandes folgte alsbald. Wenn die Populationen auf bis zu 14.000 Tiere anwachse, sagte DBV-Generalsekretär Bernhard Krüsken am Donnerstag in Berlin, werde die Weidetierhaltung "zur Wolfsfütterung degradiert". Die Studie zeichne ein bizarres und weltfremdes Szenario und sei ein Affront für alle Weidetierhalter. "Wir haben keinerlei Verständnis für solche Szenarien, mit denen die Wölfe nicht nur sprichwörtlich durch die Dörfer getrieben werden", fügte Krüsken hinzu.

NABU glaubt an ein Nebeneinander von Wolf und Nutztier

Diese Sorge teilt der Naturschutzbund Deutschland (NABU) nicht. Die Größe des Territoriums einer Wolfsfamilie liege bei durchschnittlich 200 Quadratkilometern, sagte die Wolfsexpertin des Verbandes, Marie Neuwald. "Einem Wolf in der freien Natur zu begegnen, wird ein sehr seltenes Ereignis bleiben." Rehe und Wildschweine böten genug Nahrung. Umfangreiche Erfahrungen im In- und Ausland zeigten, dass ein konfliktarmes Nebeneinander von Wolf und Weidetieren durch geeignete Herdenschutzmaßnahmen möglich sei, so Neuwald. Der NABU appellierte an die Länder, Weidetierhalter besser in Herdenschutzsystemen zu schulen und bei der Anschaffung des benötigten Materials zu unterstützen.

Schutz der Tierart, nicht des Individuums

Am Dienstag diskutierte der Niedersächsische Landtag erneut das Thema Wolf. Eine breite Mehrheit ist dafür, den Schutz der Tierart im Land zu lockern. Umweltminister Olaf Lies (SPD) stellte den Fraktionen den Entwurf einer neuen Verordnung vor, die den Umgang mit auffälligen Wölfen regeln soll. Demnach soll die Ausnahmegenehmigung für den Abschuss an die Qualität der Herdenschutzmaßnahmen geknüpft werden. Lies zufolge soll der Wolf als Tierart geschützt werden, jedoch nicht jedes einzelne Tier. "Wir wollen eine Lösung finden, wie Weidetierhaltung und der Schutz des Wolfes möglich ist", sagte Lies. "Wir können aber nicht das ganze Land einzäunen oder jedes Nutztier in den Stall sperren."

Verordnung regelt Handhabe eines Bundes-Gesetzes

Im Dezember hatte der Bundestag nach monatelangem Streit eine Änderung des Bundesnaturschutzgesetzes beschlossen, die den Abschuss von Wölfen zum Schutz von Weidetieren erleichtert. Die Behörden in den Ländern müssen aber jeden Abschuss einzeln genehmigen. Wie Niedersachsen das Gesetz handhabt, regelt die neue Wolfsverordnung. Lies bezeichnete es als problematisch, dass der Bund keine Zahl von Wölfen festgelegt habe, die geschützt werden sollen. Aktuell sind deutschlandweit 105 Rudel, 29 Paare und elf Einzelgänger nachgewiesen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 14.05.2020 | 16:00 Uhr

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