Stand: 22.08.2020 12:27 Uhr

Lies warnt: Tausende Windräder vor dem Aus

Die Sonne geht hinter einem Windkraftrad unter. © dpa
Läuft der Anspruch auf Förderung aus, könnten viele Windkraftanlagen laut Umweltminister Lies ersatzlos abgerissen werden. (Archivbild)

Der niedersächsische Umweltminister Olaf Lies (SPD) sieht Deutschlands Klimaziele in Gefahr - durch den Rückbau Tausender Windräder. Das berichtet die "Neue Osnabrücker Zeitung" (NOZ). In den kommenden Jahren verlören zahlreiche Windkraftanlagen den Förderanspruch nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), sagte Lies dem Bericht zufolge. Damit sei fraglich, ob die Anlagen weiter wirtschaftlich betrieben werden könnten. "Allein in Niedersachsen erreichen bis Ende 2025 etwa 3.500 Windenergieanlagen mit 4,3 Gigawatt Leistung ihr Förderende", sagte Lies der Zeitung. Das entspreche ungefähr fünf Kohlekraftwerken. Einem Gutachten im Auftrag seines Ministeriums zufolge wird ein großer Teil der Anlagen zurückgebaut - ersatzlos.

Hindernisse stehen neuen Anlagen im Weg

Zwar hätten auch etwa 1.700 Standorte Potenzial für ein sogenanntes Repowering - dies bezeichnet den Ersatz der alten durch neuere, oft leistungsstärkere Windkraftanlagen. Allerdings stünden dem Repowering Hindernisse im Weg. Allein an 600 Standorten gebe es Höhenbegrenzungen, die den Neubau stärkerer Anlagen unwahrscheinlich machten. 20 Prozent der Standorte könnten zudem wegen strengerer Regeln der Flugsicherung aufgegeben werden, so der Umweltminister.

Auch alte Anlagen weiter betreiben

Die Ergebnisse des Gutachtens nennt Lies eine Katastrophe. "Moderne neue und leistungsfähigere Anlagen sind notwendig", sagte er. "Etablierte und oft auch akzeptierte Standorte müssen weiter prioritär genutzt werden können." Um die Klimaziele zu erreichen, müssten aber zusätzlich auch alte Anlagen weiter am Netz bleiben. Sein Vorschlag: Den Betreibern solle ein fest vorgegebener Fix-Preis pro Kilowattstunde über einen Zeitraum von sieben Jahren zugesichert werden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 22.08.2020 | 07:00 Uhr

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