Einsatzkräfte der Feuerwehr bei einem Waldbrand im Harz. (Archivbild) © Strauss-News Foto: Matthias Strauss

Landesforsten warnen vor extremer Waldbrandgefahr

Stand: 19.07.2022 07:56 Uhr

Die Temperaturen gehen gerade rasant nach oben - zudem hat es länger nicht geregnet. Deshalb nimmt in Niedersachsen die Gefahr von Waldbränden noch bis Mittwoch stark zu.

Gleich sieben Stationen haben ab heute die Waldbrandstufe 5 - und damit die höchste Warnstufe - ausgerufen. Betroffen sind Bergen, Celle, Faßberg, Lüchow, Nienburg, Wittingen-Vorhop und Wendisch Evern. Am Mittwoch verschärft sich die Lage dann noch einmal erheblich: Dann gilt an 30 Stationen - also fast in ganz Niedersachsen - Warnstufe 5. Entwarnung ist erst am Donnerstag in Sicht, wenn es im ganzen Land zum Teil kräftig regnen soll.

Waldbrand: Heideregion besonders gefährdet

Besonders hoch sei das Brandrisiko aktuell in der Heideregion, sagte Knut Sierk von den Landesforsten dem NDR in Niedersachsen. Dort seien die sandigen Böden besonders trocken, außerdem bestehe ein großer Teil des vorhandenen Waldes aus leicht brennbarem Nadelholz. Das wichtigste Mittel im Kampf gegen Waldbrände ist laut Sierk die Waldbrandzentrale in Lüneburg, die mit zahlreichen Kameras die Wälder überwacht. Derzeit wird sie zusätzlich noch von Feuerwehrfliegern aus Lüneburg und Hildesheim unterstützt. Zudem teilte der Kreisbrandmeister vom Heidekreis mit, dass die Landwirte in der Region ihre Güllewagen bereits vorsorglich mit Wasser befüllen, um im Brandfall die Löschzüge im Wald zu versorgen.

Weitere Informationen
Feuerwehrleute löschen in der Nacht ein brennendes Waldstück.

Waldbrandgefahrenindex für Niedersachsen

Die Tabelle des Deutschen Wetterdienstes zeigt, wie hoch die Gefahr in den einzelnen Regionen ist. extern

Hohe bis sehr hohe Gefahr auf Feld und Wiese

In einem Waldgebiet in Schapen (Landkreis Emsland) hat es bereits am Sonntag auf einer Fläche von etwa 5.000 Quadratmetern gebrannt. Doch nicht nur Wälder sind momentan gefährdete Zonen: Der Feuerwehrverband Ostfriesland warnt auch vor Flächenbränden. Wie hoch hier die Gefahr ist, zeigt der sogenannte Graslandfeuerindex des DWD. Dieser steht momentan für fast ganz Niedersachsen auf Warnstufe 4. Für Mittwoch sagen die Meteorologen die Stufe 4 für praktisch das ganze Land voraus, für einige Gebiete sogar die Gefahrenstufe 5. Entspannung erwarten die Expertinnen und Experten am Donnerstag - sowohl in den Wäldern als auch auf Wiesen und Feldern.

Weitere Informationen
Feuerwehrleute stehen bei einem Löscheinsatz auf einem brennenden Gerstenfeld © German Video Foto: Johannes Kahts

Graslandfeuerindex für Niedersachsen

Der Graslandfeuerindex des Deutschen Wetterdienstes zeigt die Feuergefahr in Moor-, Weide- und Graslandschaften an. extern

Ursache ist meist der Mensch

Während Trockenheit und Hitze dafür sorgen, dass sich Gräser und Äste rasch entzünden, werden Brände letztendlich aber meistens durch Menschen ausgelöst, sagte ein Meteorologe des DWD - etwa durch das Wegwerfen oder Liegenlassen glühender oder brennender Gegenstände. Blitzeinschläge sind laut Wetterdienst derweil nur für fünf Prozent der Waldbrände verantwortlich. Mindestens jeder zweite Brand in der Vergangenheit sei eine Folge von Fahrlässigkeit oder Vorsatz gewesen, sagte Petra Sorgenfrei, Geschäftsführerin des niedersächsischen Waldbesitzerverbands, bereits Anfang Juli. Weggeworfene Kippen, Funkenflug beim Grillen oder Lagerfeuern, heiß gelaufene Landwirtschaftsmaschinen und Brandstiftung seien die häufigsten Ursachen für Waldbrände.

Bei Trockenheit sollte man im Wald und an anderen brandgefährdeten Orten

  • nicht rauchen und keine Zigaretten wegwerfen.
  • keine Glasflaschen oder anderen Müll liegen lassen. Reflektierende Gegenstände können durch die Bündelung von Sonnenlicht Feuer entfachen.
  • weder mit dem Auto noch mit dem Motorrad auf trockener Vegetation parken. Durch die heißen Katalysatoren kann sich trockenes Unterholz leicht entzünden.
  • kein Lagerfeuer und keinen Grill anzünden. Funken können aus der Glut springen und einen Brand auslösen.

Das Rauchen und das Entzünden von Feuer im Wald sind generell bis 31. Oktober verboten.

Weitere Informationen
Brennender Waldboden zwischen Bäumen. © picture alliance / dpa Foto: Bodo Marks

Waldbrandgefahr im Norden: So hoch ist das Risiko in Ihrer Region

Eine Landkarte zeigt, wo die Gefahr für Brände in Norddeutschland hoch ist - und wie sich das Risiko entwickelt. mehr

Wetterdienst: Zahl der Gefahrentage wird zunehmen

Während die Zahl der Waldbrände in Niedersachsen 2021 gesunken ist, erwarten Fachleute für die Zukunft den entgegengesetzten Trend: Die Anzahl der Tage mit hoher Brandgefahr werde zunehmen. Diese Entwicklung zeigt auch ein Blick auf die vergangenen Jahrzehnte: Den Angaben zufolge ist die durchschnittliche Zahl der Gefahrentage von ein bis zwei im Jahr 1960 auf zuletzt knapp über 20 gestiegen.

Weitere Informationen
Ein Mann springt in ein Schwimmbecken. © picture alliance/dpa/Julian Weber Foto: Julian Weber

Wetter in Niedersachsen: Abkühlung nach der Rekordhitze

Am Mittwoch hat Hohenborstel die 40-Grad-Marke geknackt. In der Nacht zu Donnerstag gab es Starkregen und Gewitter. mehr

Ein Löschfahrzeug der Feuerwehr ist zu einem Brand in einem Wald unterwegs. © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Patrick Pleul Foto: Patrick Pleul

2021 gab es weniger Waldbrände in Niedersachsen

Aktuell steigt die Waldbrandgefahr allerdings wieder. Bei Trockenheit sind brennende Gegenstände meist Ursache der Feuer. mehr

Ein glühende Zigarette entfacht am Boden ein Feuer. © picture-alliance/ dpa Foto: Karl-Josef Hildenbrand

Was Sie über Waldbrände wissen müssen

Wie lassen sich Waldbrände vermeiden? Was ist zu tun, wenn es brennt? Und was bedeuten die Gefahrenstufen? (24.07.2019) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 15.07.2022 | 08:00 Uhr

Schlagwörter zu diesem Artikel

Extremwetter

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

Bundeskanzler Olaf Scholz (M, SPD), Stephan Weil (l, SPD), Ministerpräsident von Niedersachsen, und Hendrik Wüst (r, CDU), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, bei der Pressekonferenz nach den Beratungen zum dritten Energie-Entlastungspaket. © dpa Foto: Bernd von Jutrczenka

Energiekrise: Bund übernimmt rund 250 Milliarden Euro der Kosten

Bund und Länder haben über das weitere Vorgehen in der Energiekrise beraten. Viele Fragen bleiben jedoch ungeklärt. mehr