Stand: 10.03.2020 15:04 Uhr  - NDR 1 Niedersachsen

Coronavirus-Folgen: Weil will Wirtschaft beruhigen

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In der Metallindustrie gehen die Aufträge zurück, gleichzeitig gibt es Lieferengpässe (Symbolbild).

Der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) versucht, die wegen der anhaltenden Coronavirus-Epidemie angespannte wirtschaftliche Lage zu beruhigen. "Wir stehen in einer schwierigen Situation, und die bleibt uns auch noch eine Weile erhalten", sagte er am Dienstag am Rande einer Betriebsräte-Konferenz des Tui-Konzerns in Hannover. Im Rückblick auf die Weltwirtschaftskrise 2008/2009 meinte er: "Aber wir wissen: Wenn wir vernünftig, mit kühlem Kopf, aber auch entschlossen agieren, dann kriegen wir das gemeinsam auch in Deutschland gut hin."

Weil lobt Flexibilisierung der Kurzarbeit

Weil sagte die von der Bunderegierung auf den Weg gebrachten Hilfen seien ein erster Baustein. Er finde es "gut, dass mit der Flexibilisierung der Kurzarbeit eine ganz wichtige Voraussetzung" geschaffen worden sei, "dass Unternehmen sich nicht Hals über Kopf von ihren Mitarbeitern trennen müssen". Zur Absage von Großveranstaltungen meinte Weil: "Im Zweifel sollten wir den Gedanken 'Gesundheit geht vor' als den entscheidenden akzeptieren. Das sind Einbußen für uns persönlich, aber am Ende haben wir alle etwas davon." Entscheidungen müssten jedoch lokal fallen.

Unternehmen spüren Folgen

Am Montag veröffentlichte Umfragen der Industrie- und Handelskammer (IHK) sowie des Arbeitgeberverbandes Niedersachsenmetall zeigen unterdessen, dass das Coronavirus zunehmend auch der Wirtschaft in Niedersachsen zu schaffen macht. Demnach spüren viele Betriebe bereits die Folgen. Ein Drittel der Firmen in der Metallindustrie samt Automobil-Zulieferer verzeichnet laut Niedersachsenmetall einen Rückgang der Aufträge oder hat mit Lieferengpässen zu kämpfen. Fast die Hälfte könne Kurzarbeit nicht ausschließen.

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Existenzbedrohend für kleinere Betriebe

Alarmierend sind auch die Umfrageergebnisse der IHK: Knapp die Hälfte aller Unternehmen in Niedersachsen erwartet demnach für dieses Jahr ein teils erhebliches Minus beim Umsatz. Die Unternehmerverbände Niedersachsen (UVN) prognostizieren, dass es gerade für kleinere Betriebe, etwa im Tourismus und im Messebau, existenzbedrohend verlaufen könnte.

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Kurzarbeitergeld-Erleichterung reicht nicht

Das in der Nacht zu Montag beschlossene wirtschaftliche Hilfspaket der Bundesregierung reicht vielen noch nicht aus. Es sei ein "richtig guter Ansatz", sagte UVN-Geschäftsführer Volker Müller. Die erleichterte Regelung zum Kurzarbeitergeld werde aber nicht ausreichen. Gerade kleinere und mittelständische Betriebe können sehr schnell in finanzielle Schieflage kommen, wenn sie beispielsweise Kredite nicht mehr zahlen können. Müller fordert, dass der Staat als Bürge einspringt. Die IHK plädiert darüber hinaus dafür, dass Unternehmen entlastet werden, indem sie Steuern und Sozialabgaben später zahlen müssen. Niedersachsenmetall-Chef Volker Schmidt bringt außerdem einen Fond ins Gespräch. Nach Vorbild der Dürrehilfen für Landwirte im vergangenen Jahr soll der Staat Unternehmen, die in Not geraten, finanziell helfen, so Schmidt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 10.03.2020 | 15:00 Uhr

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