Corona-Leugner unter Ärzten: Kammer prüft Beschwerden

Stand: 16.11.2020 12:01 Uhr

Kritiker der Corona-Maßnahmen und -Leugner gibt es in allen Bereichen der Gesellschaft - auch unter Medizinern. Die Ärztekammer Niedersachsen ermutigt Patienten dazu, diese Ärzte zu melden.

Es gebe nur wenige Einzelfälle, so die Ärztekammer. Von den knapp 43.000 niedergelassenen Ärzten in Niedersachsen seien nicht einmal 20 bekannt, die sich als Corona-Leugner hervortun, so ein Sprecher. Doch gebe es auch in Niedersachsen Beschwerden von Patienten, von Ärztekollegen oder generelle allgemeine Hinweise von Dritten, so die Kammer. Diese würden sehr ernst genommen. Denn die geschilderten Vorwürfe seien aus Sicht der Kammer nicht mit gewissenhaftem ärztlichem Verhalten vereinbar.

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Arzt aus Landkreis Leer

Die Staatsanwaltschaft Aurich ermittelt gegen einen Allgemeinmediziner aus dem Landkreis Leer, der falsche Atteste ausgestellt haben soll. Der Arzt ist nach Informationen von NDR 1 Niedersachsen Mitglied der "Ostfriesischen Ärzte für gesundheitliche Aufklärung". Bei ihnen handelt sich um neun Ärzte, die seit dem Frühjahr die Auswirkungen des neuartigen Coronavirus verharmlosen und die Maßnahmen gegen die Pandemie scharf kritisieren. Der Allgemeinmediziner tritt regelmäßig bei sogenannten Querdenker-Demos auf, was bei Berufskollegen auf Kritik stößt.

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Maßnahmen reichen von Rüge bis Praxisverbot

Eigentlich handele es sich um tüchtige, angenehme Kollegen, die jetzt aber mit ihren gefährlichen Ansichten auf die schiefe Bahn geraten seien und ihre Patienten so verunsicherten, sagte der Vorsitzende der Ärztekammer für Ostfriesland und das nördliche Emsland, Jörg Weißmann. Die Ärztekammer könne gegen die Mediziner erst vorgehen, wenn strafrechtlich zu Ende ermittelt wurde. Dann reichten die möglichen Maßnahmen von einer Rüge bis hin zu einem Praxisverbot, das der Niedersächsische Zweckverband zur Erteilung der Approbation aussprechen könne, sagte Weißmann.

Warnung wegen falscher Atteste zur Masken-Befreiung

Die Ärztekammer rät Patienten, Strafanzeige zu erstatten, wenn sich ein Arzt als Corona-Leugner entpuppt. So könnten Ermittler und später auch die Ärztekammer gegen diese Mediziner vorgehen. Die Kammer warnte Ärzte auch vor Gefälligkeitsgutachten zur Befreiung der Pflicht, eine Mund-Nase-Bedeckung zu tragen. Die Berufsordnung lege klar fest, dass der Arzt bei "der Ausstellung ärztlicher Gutachten und Zeugnisse (…) mit der notwendigen Sorgfalt zu verfahren und nach bestem Wissen seine ärztliche Überzeugung auszusprechen" habe. Wer dagegen handele, verstoße gegen die Berufsordnung.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 16.11.2020 | 12:00 Uhr

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