Ein Mitarbeiter der Impfaktion bereitet Biontech Dosen vor. © picture alliance Foto: picture alliance/dpa | Lino Mirgeler

Corona: Experten raten zu schneller Booster-Impfung

Stand: 14.11.2021 10:56 Uhr

Mediziner und Forschende haben erneut die Bedeutung von Auffrischungsimpfungen betont. Die Göttinger Physikerin Viola Priesemann verwies auf positive Erfahrungen aus dem Ausland.

In Israel sei es im Sommer gelungen, die Welle bei einer ähnlichen Impfquote wie in Deutschland zu stoppen, indem rund 50 Prozent der Menschen eine Booster-Impfung bekommen haben. "Der Effekt wäre in Deutschland möglicherweise nicht ganz so stark, da der erste Impfabstand länger war und die Impfungen nicht ganz so lange her sind wie in Israel", sagte Priesemann. "Aber wir erwarten auch hier eine deutliche Wirkung."

Priesemann: Zügiges Boostern und Impfen würde aktuelle Welle brechen

Viola Priesemann sitzt vor einem schwarzen Bild und spricht in ein Mikrofon. © NDR
Viola Priesemann ist Wissenschaftlerin am Göttinger Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation.

Die Wissenschaftlerin, die in Göttingen am Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation forscht und seit Beginn der Pandemie modellhaft berechnet, wie sich das Coronavirus voraussichtlich ausbreitet, sprach sich zudem für mehr Tempo der Impfkampagne aus. Bei der aktuellen Impfgeschwindigkeit von 0,2 Prozent der Bevölkerung pro Tag dauere es Monate, um wie in Israel die Hälfte der Menschen mit Boostern zu erreichen. "Ein wirklich zügiges, niedrigschwelliges Impfen und Boostern würde hier - genauso wie in Israel - mit großer Sicherheit die aktuelle Welle brechen", sagte Priesemann.

Intensivmediziner-Präsident für Booster nach fünf Monaten

Auch Intensivmediziner-Präsident Gernot Marx verwies auf das Beispiel Israel und plädiert dafür, den Zeitrahmen für die Booster-Impfung zu verkürzen. Ihm erscheine es sinnvoll, ab einem Intervall von fünf Monaten die Impfungen aufzufrischen, sagte Marx der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Entscheidend sei, dass so viele Menschen wie möglich die dritte Spritze erhielten: "Je schneller die Auffrischungsimpfungen kommen, umso flacher wird die Welle ausfallen. Das ist das wirkungsvollste Instrument, um das Virus auszubremsen und Impfdurchbrüche zu minimieren", sagte der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi).

Höherer Schutz vor schwerem Verlauf

Einen großen Effekt erwartet auch der Wissenschaftler Hajo Zeeb vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie in Bremen. Booster-Impfungen würden den Schutz deutlich nach oben katapultieren, sagte er. Vor einem schweren Verlauf sei man nach vorliegenden Daten sogar effektiver geschützt als kurz nach der zweiten Impfung. "Und auch der Schutz vor Ansteckung und Weitergabe einer Infektion ist sehr ausgeprägt und deutlich besser als bei Geimpften ohne die Auffrischung", betonte Zeeb.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 13.11.2021 | 16:00 Uhr

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