Busbetriebe beklagen Ausfälle - Personal dringend gesucht

Stand: 07.07.2022 20:46 Uhr

Der Fachkräftemangel ist für viele Firmen in Deutschland branchenübergreifend ein Problem. Auch die Bus- und Bahnunternehmen sind betroffen. Viele Fahrerinnen und Fahrer gehen bald in Rente.

Bundesweit werden in den kommenden zehn Jahren rund 70.000 Busfahrerinnen und Busfahrer fehlen, schätzen die Branchenverbände. Auch in Niedersachsen wird dringend neues Personal gesucht. Die Sommerwelle der Corona-Pandemie hat das Problem noch verstärkt. Sich ständig bereit zu halten, der Zeitdruck und der Kontakt zu den Kundinnen und Kunden schreckten viele ab, heißt es von den Unternehmen. Dabei übernehmen die Verkehrsbetriebe in Städten wie Oldenburg, Hannover und Osnabrück mittlerweile die Kosten für den Bus-Führerschein, die bei rund 10.000 Euro liegen.

Osnabrück: Metrobuslinien könnten bald nur noch alle 20 Minuten fahren

Die Situation in Osnabrück sei sehr angespannt. Das sagte Verkehrsbetriebsleiter Andre Kränzke am Donnerstag dem NDR in Niedersachsen. Aktuell fehlten sieben Vollzeitkräfte. Außerdem gebe es viele kurzfristige Ausfälle und Langzeitkranke bei gleichzeitig wenig Nachwuchs. Vor Corona hätten sich noch 100 Personen für eine Ausbildung als Fachkraft im Fahrbetrieb beworben, mittlerweile seien es nur noch 30. Nun stehe man kurz vor der Entscheidung, einen Notfahrplan in Osnabrück anzuwenden. Die Metrobuslinien würden dann nicht mehr wie bisher alle 10 Minuten, sondern nur noch alle 20 Minuten fahren. Schon jetzt erleben Busfahrer den Frust mancher Fahrgäste: Manche stünden bis zu 30 Minuten an den Haltestellen und ließen ihren Ärger darüber dann am Fahrer aus, berichtete ein Busfahrer. Man sei quasi "der Blitzableiter", Busfahrer würden beschimpft - und sogar angespuckt.

Göttingen: Eingeschränkter Verkehr und Werbekampagnen

In Göttingen ist der Krankenstand durch Corona mittlerweile so hoch, dass der Verkehr auf drei Linien komplett eingestellt wurde und auf sieben weiteren Linien immer wieder Busfahrten ausfallen. In Braunschweig werden Haltestellen auf zwei Linien seltener bedient. Auch hier hat die Pandemie die Personalnot verschärft. Die Verkehrsbetriebe finden kaum noch Bewerberinnen und Bewerber. In der Stadt gibt es deshalb jetzt große Werbekampagnen, um neues Fahrpersonal zu gewinnen. Auch Quereinsteigende und ehemalige Lkw-Fahrende werden von Gifhorn bis Goslar händeringend gesucht.

Oldenburg: Zahlreiche Fahrer gehen in Rente

Buss stehen in einem Depot. © picture alliance/dpa Foto: Carsten Rehder
Auch in Nordostniedersachsen bleiben derzeit viele Busse in den Depots. (Themenbild)

In Oldenburg kann der Busverkehr nur deshalb aufrechterhalten werden, weil Fahrerinnen und Fahrer in ihrer eigentlich freien Zeit für kranke Kolleginnen und Kollegen einspringen. Auch in den Landkreisen Harburg und Lüneburg fallen derzeit wegen Krankheitsfällen immer wieder Busfahrten aus. Im Bereich des Betreibers KVG könnte sich das Problem perspektivisch noch verschärfen, weil viele Busfahrerinnen und Busfahrer in den kommenden Jahren in Rente gehen, heißt es von einem Firmensprecher. Deshalb versucht das Unternehmen dringend, Personal zu finden und wirbt derzeit unter anderem auf den digitalen Anzeigen der Busse um Nachwuchs.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Lüneburg | 07.07.2022 | 07:30 Uhr

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Öffentlicher Nahverkehr

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