Das Sonntagskonzert

Triumph der Zeit

Sonntag, 11. April 2021, 11:00 bis 13:00 Uhr

Blick von unten auf das Denkmal von Louis Spohr. Strahlend blauer Himmel im Hintergrund. © picture alliance / Eibner-Pressefoto
Blick von unten auf das Denkmal von Louis Spohr. Strahlend blauer Himmel im Hintergrund. © picture alliance / Eibner-Pressefoto
Der in Braunschweig geborene Komponist Louis Spohr war überdies ein weltbekannter Dirigent.

Auch wenn man sich das heute kaum noch vorstellen kann: nach Beethovens Tod 1827 galt Louis Spohr in weiten Kreisen als größter lebender Komponist. Alexander Zemlinksy dagegen stand trotz seiner Opernerfolge immer ein wenig Schatten seiner - so gegensätzlichen - Wiener Kollegen Gustav Mahler und Arnold Schönberg. Und Richard Strauss machte 1945 die überraschende Entdeckung, dass amerikanische Besatzungssoldaten keine Kulturbanausen waren.

Londoner Publikumsliebling

Nach einem Londoner Auftritt als Geiger in einem seiner eigenen Violinkonzerte war Louis Spohr ganz begeistert "von einem so herrlichen und stark besetzten Orchester, wie dem der Philharmonischen Gesellschaft". Quasi zum Dank schrieb er kurz darauf, 1820, seine zweite Sinfonie diesem Orchester auf den Leib.

Der enorme Beifall, mit dem das Londoner Publikum die Uraufführung feierte, war durchaus ungewöhnlich und überstieg die Erfolge von Spohrs Kollegen. In London konnte sich diese Sinfonie auch später noch lange im Repertoire halten. Spohr selbst sah seine Zweite als den eigentlichen Beginn seines sinfonischen Schaffens, da er mit ihr zu neuen, individuellen Ausdrucksformen gefunden hatte.

Amerikanischer Musikliebhaber im Nachkriegsdeutschland

Das hochromantische Oboenkonzert von Richard Strauss wird von den Solisten gleichermaßen geliebt wie gefürchtet: ein kammermusikalisches Werk, voller Heiterkeit und Reminiszenzen an das Lebenswerk eines großen Komponisten. Doch es ist physisch äußerst anspruchsvoll und muss dabei völlig mühelos klingen. Die Musikgeschichte verdankt dieses Werk einem jungen amerikanischen Besatzungssoldaten und Oboisten, der 1945 den 80jährigen Strauss nach einem Oboenkonzert fragte - und mit einem kategorischen "Nein" abgefertigt wurde.

Doch wenige Monate später war die "Werkstattarbeit, damit das rechte Handgelenk nicht vorzeitig einschläft" fertig und wurde 1946 in Zürich uraufgeführt. Allerdings nicht von dem Ideengeber aus Chicago. Und hätte nicht eine Zuhörerin in der ersten Reihe ihren Platz mit Strauss getauscht, hätte der Komponist die Premiere von ganz hinten im Saal verfolgen müssen, wohin die Schweizer den Deutschen mit seiner unklaren Vergangenheit verbannt hatten.

An der Wiener Hofoper abgelehnt

Sein erstes festes Engagement als Dirigent trat der junge Alexander Zemlinsky 1900 am Carltheater an, einer der führenden Operettenbühne Wiens. Ein Notbehelf zum Broterwerb - künstlerisch träumte er von ganz anderen Gattungen, wie er sie später auch an der Volksoper umsetzen konnte. Gleichzeitig war Zemlinsky als Komponist äußerst produktiv.

Seine Vertonung des Balletts "Der Triumph der Zeit" von Hugo von Hofmannsthal fand allerdings bei Hofoperndirektor Gustav Mahler keine Gnade, obwohl die von Zemlinsky angebetete Alma Schindler (die spätere Ehefrau Mahlers) sich sehr dafür einsetzte. Teile aus dem Werk wurden immerhin als "Drei Ballettstücke" und "Ein Tanzpoem" aufgeführt, und die Orchestersuite "Der Triumph der Zeit" kam bereits 1903 auf die Bühne.

Das Programm

Louis Spohr
Sinfonie Nr. 2
Richard Strauss
Oboenkonzert
Alexander Zemlinsky
"Triumph der Zeit", Suite
Salomo Schweizer Oboe
Staatsorchester Braunschweig
Ltg.: Srba Dinić
Aufzeichnung vom 15.03.2021 in der Stadthalle Braunschweig

Fanny Hensel
Ouvertüre C-Dur
Joseph Haydn
Oboenkonzert C-Dur Hob. VIIg:C1
Salomo Schweizer Oboe
Staatsorchester Braunschweig
Ltg.: Gerd Schaller
Aufzeichnung vom 17.02.2019 in der Stadthalle Braunschweig

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Konzertszene: Blick aus dem Zuschauerraum auf die Bühne des Großen Saals der Laeiszhalle © NDR Foto: Marcus Krueger

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