Stand: 19.06.2019 08:17 Uhr

Weltpremiere von "Zoros Solo" in Emden-Norderney

von Kristin Hunfeld

Beim Internationalen Filmfest Emden-Norderney, das noch bis Mittwochabend geht, ist die Spannbreite auch in diesem Jahr groß. Es sind Filme zu sehen, die schon anderswo Preise bekommen haben, oder die bald in Deutschland ins Kino kommen. Und es gibt kleine, mit relativ wenig Geld hergestellte Produktionen, die oft aber erstaunlich prominent besetzt sind. So ein Film ist "Zoros Solo", der erste lange Kinofilm des gebürtigen Emders Martin Busker. Und der entpuppte sich als Publikumsliebling beim Emder Filmfest. Er gewann bereits den Bernhard-Wicki-Preis und den NDR Preis für den Nachwuchs. NDR Kultur hat die umjubelte Weltpremiere in Emden miterlebt und mit dem Regisseur über seinen Film und seinen Werdegang gesprochen.

Bild vergrößern
Zwei, die sich verstehen: Andrea Sawatzki und Martin Busker

Das hat es lange nicht gegeben beim Emder Filmfest: Jubelnder Applaus und stehende Ovationen für Martin Buskers Debütfilm, minutenlang, vom Anfang des Abspanns bis zum Ende.

"Bis zum Ende standen die, und der Abspann geht ja einige Minuten, ich wusste überhaupt nicht, wie mir geschieht", gesteht der Regisseur.

Und Schauspielerin Andrea Sawatzki erzählt: "Ich bin völlig überwältigt, ich hab so was noch nicht erlebt. Und ja, ich glaub ich ich kann behaupten, dass das Publikum hin- und hergerissen war zwischen Lachen und Weinen. Das ist ja das Schönste überhaupt, wenn man das über einen Film sagen kann."

"Tragische Geschichte auf humorvolle Weise erzählen"

Sawatzki spielt die verknöcherte Leiterin eines christlichen Knabenchors im schwäbischen Provinzstädtchen Liebigheim. Dort trifft sie auf den rotzfrechen Flüchtlingsjungen Zoro, gespielt von Mert Dincer. Der 13-Jährige will unbedingt mit zum Chorwettbewerb nach Ungarn, denn dort ist sein Vater auf der Flucht aus Afghanistan zurückgeblieben.

Bild vergrößern
Die tief zufriedene Crew rund um den Film in Emden.

Wie der schlagfertige Machobengel immer wieder mit der strengen Chorleiterin, die weder Kinder noch Flüchtlinge mag, aneinander gerät, ist sehr lustig, immer wieder gab es dafür Szenenapplaus. Aber der Film hat auch nachdenkliche Momente. "Es war immer schon das Prinzip meines Filmemachens, dass ich eine tragische Geschichte auf humorvolle Weise erzähle", erklärt Buskers das.

Angefangen mit der "Super 8"-Kamera

Seine eigene Liebe zum Kino begann mit sechs oder sieben Jahren, erzählt Busker. Mit einem älteren Nachbarsjungen sah er den Film "Moonwalker" mit Michael Jackson, wenig später den ersten Teil der "Zurück in die Zukunft"-Trilogie. Mit zwölf fing er an, selbst Filme zu drehen, kleine Sciene-Fiction- und Mystery-Geschichten, mit der "Super 8"-Kamera seines Onkels.

Dass Filmregisseur tatsächlich ein Beruf sein kann, wurde dem jungen Martin erst klar, als er Filmschaffende aus aller Welt beim Internationalen Filmfest seiner Heimatstadt Emden kennenlernte und auf der Bühne erlebte. Schon während seines eigenen Studiums an der Filmakademie Ludwigsburg gewann er erste Preise, seine Kurzfilme wurden weltweit auf Festivals gezeigt. Auch Andrea Sawatzki war der Name Martin Busker ein Begriff, als sie das Drehbuch zu Zoros Solo in die Hand bekam:

"Ich hab das Drehbuch gelesen und war gefesselt. Und Martin ist ein begnadeter Regisseur. Ich arbeite nach wie vor sehr sehr gerne mit jungen Regisseuren. Es macht sehr neugierig, wer hinter den nächsten Generationen steht, also was auf uns Schauspieler zukommt und das sieht alles sehr positiv und sehr schön aus."

"Will, dass der Film viele Menschen erreicht"

"Zoros Solo" hat bereits einen Verleih. Wann dieser den Film in die Kinos bringt, und mit wie vielen Kopien ist noch nicht entschieden. Martin Busker hat vor allem einen Wunsch:

"Dass möglichst viele Menschen den Film sehen, denn ich hab den Film nicht für Festivals gemacht und auch nicht für Branchenvorführungen. Ich hab den Film fürs Publikum gemacht, für Menschen, die Lust auf eine emotionale, aber auch unterhaltsame Geschichte haben. Ich möchte, dass der Film in möglichst vielen Kinos läuft und möglichst viele Menschen erreicht."

 

Mehr zum Filmfest

Jürgen Vogel erhält Emder Schauspielpreis

Jürgen Vogel ist mit dem Emder Schauspielpreis geehrt worden. Beim Filmfest Emden-Norderney werden aus diesem Grund auch einige Filme von Preisträger Vogel gezeigt. mehr

03:09
Hallo Niedersachsen

Zehntausende besuchen Filmfest Emden-Norderney

Hallo Niedersachsen

In Emden hat das 30. Internationale Filmfest Emden-Norderney begonnen. Gestartet als kleiner Filmclub kommen mittlerweile Zehntausende Besucher für den besonderen Film nach Ostfriesland. Video (03:09 min)

Vogel & Co. beim Filmfest Emden-Norderney

Stars, Preise und natürlich Filme, Filme, Filme: Beim Filmfest Emden-Norderney laufen bis zum 19. Juni 74 Filme - auch Werke mit dem diesjährigen Preisträger Jürgen Vogel. mehr

 

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 19.06.2019 | 10:20 Uhr

Mehr Kultur

88:09
Tatort
04:04
Hallo Niedersachsen