Friedhofsengel spielt Geige © picture-alliance / Frank May Foto: Frank May

Wie bewahrt man Musikinstrumente im Winter vor Schäden?

Stand: 09.12.2021 12:04 Uhr

Was wäre die Adventszeit ohne die Musik? Doch die Kälte im Dezember mögen Instrumente gar nicht - manche können dadurch sogar Schäden bekommen. Wie reagieren Musikinstrumente, wenn der Winter kommt? Und wie kann man sie schützen?

von Miriam Stolzenwald

"Wir spielen ja mit unserer Atemluft, die unsere Körpertemperatur hat", erklärt Juri Vallentin, Solo-Oboist beim Niedersächsischen Staatsorchester Hannover. "Und wenn der Unterschied zwischen der Atemluft und der Temperatur des Instruments zu groß ist, beginnt die Luft zu kondensieren. Es bildet sich Kondenswasser, das ein Tonloch verstopfen kann, und dann fängt es an zu blubbern. Im allerschlimmsten Fall ist die Spannung zwischen außen und innen so groß, dass das Holz anfängt zu reißen."

Damit das nicht passiert wärmt Juri Vallentin seine Oboe in seinem Wollpullover unterm Arm an. Gerissen sei ihm das Instrument tatsächlich schon mal in einer Vorstellung. Das lässt sich zwar reparieren, aber erstmal sprechen die Töne nicht mehr richtig an oder bleiben im Zweifel ganz weg, sagt er.

Trockene Heizungsluft macht Instrumenten zu schaffen

Auch die trockene Heizungsluft ist nicht gut für die Oboe. Ideal sind eine stabile Zimmertemperatur und genug Luftfeuchtigkeit. Offensichtlich hat Juri Vallentin die Oboe doch noch nicht genug angewärmt, denn durch das Kondenswasser, das sich gebildet hat, blubbert der Ton: "Dann klappt man die Klappe auf, pustet in das Tonloch und dann ist es frei", so Vallentin.

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Auch den Streichinstrumenten macht der Winter zu schaffen. Beim Geigenbauer Zvi Dori wurde gerade wieder ein Cello zur Reparatur angeliefert. "Gerade in dieser kalten und trockenen Jahreszeit passiert es, dass die Instrumente oder die Leimverbindungen aufgehen", sagt Dori. "Die Instrumente sind aus Holz gemacht und das Holz arbeitet. Und insbesondere in dieser Jahreszeit zieht sich das Holz zusammen. Und da es verschiedene Holzzusammensetzungen gibt, öffnen sich die Leimstellen durch die Spannung. Aber zum Glück kann man es nachleimen."

Etwa jeden zweiten Tag kommt jemand mit diesem Problem in die Werkstatt. Dann scheppere es beim Spielen, sagt der Geigenbauer. Am stärksten sind die Kontrabässe betroffen. Denn je größer ein Instrument, desto mehr arbeitet es auch. Zvi Dori empfiehlt, Streichinstrumente nicht in stark beheizten Räumen neben der Heizung aufzubewahren und gegen die trockene Luft Pflanzen aufzustellen.

Weniger Probleme bei Blechblasinstrumenten

Alexander Mayr, Trompeter in der NDR Radiophilharmonie © NDR Foto: Amrei Flechsig
Alexander Mayr ist Trompeter in der NDR Radiophilharmonie.

Im Gegensatz zu den Streich- und Holzblasinstrumenten sind die Blechblasinstrumente nicht so wetterfühlig. Durch das Metall sind sie robuster und kommen mit der Atemluft schnell auf Betriebstemperatur. Nichtsdestotrotz reagieren auch sie auf winterliches Klima, erzählt Alexander Mayr, Trompeter bei der NDR Radiophilharmonie: "Es ändert sich die Intonation. Gerade Blechbläser werden deutlich tiefer im Gegensatz zu den Streichern. Wenn man bei Minusgraden im Freien spielt, kann es auch mal passieren, dass Ventile einfrieren." Das passiere eher selten. Viel wichtiger sei, dass die Lippenmuskulatur gut angewärmt ist zum Spielen. Ein kleiner Vorteil der Corona-Maske, die die Mundpartie wärmt.

Die Oboe eignet sich also nicht für das weihnachtliche Konzert in der Fußgängerzone. Die wetterfesten Blechblasinstrumente hingegen können auch an kalten Tagen festliche Adventsstimmung in den Straßen verbreiten.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 10.12.2021 | 09:20 Uhr