Stand: 24.02.2020 14:08 Uhr  - NDR 90,3

Nach 75 Jahren: Theatergruppe "Die Rampe" löst sich auf

von Daniel Kaiser

In Eidelstedt geht ein Stück Hamburger Theatergeschichte zu Ende. Die Amateur-Truppe "Die Rampe" löst sich nach 75 Jahren auf. Zum Jubiläum haben die Hobby-Schauspieler mit der plattdeutschen Verwechslungs-Komödie "Hier sünd se richtig" noch einmal alles gegeben.

Die Schauspieler der Theatergruppe "Die Rampe" verabschieden sich vom Publikum.

Am Ende stehen vier Männer gesetzteren Alters in Unterhose auf der Bühne. Eine davon glitzert golden. Das Eidelstedter Bürgerhaus wackelt. Das Publikum lacht Tränen. "Ich sag' immer: 'Wir brauchen ein paar ältere Damen, die kreischen. Die ziehen alle anderen mit'", lacht Anita Bast. Sie hat als "Speelbaas" (plattdeutsch für Regisseur) die Abschiedspremiere inszeniert. Es ist ein Bilderbuchschwank über vier Frauen unter einem Dach, die Zeitungsanzeigen aufgeben: Klavierlehrerin sucht Schüler, Vermieterin sucht Mieter, Dienstmädchen sucht Gatten und Malerin sucht Muskelprotz als Modell - Marke Spartakus. Vier Männer kommen und die Verwechslung beginnt. Auch wenn die Souffleuse an diesem Abend den meisten Text hat, spürt man in jeder Sekunde die Leidenschaft. Auch im Bühnenbild steckt so viel Liebe zum Detail: mit Möbeln aus dem Fundus oder dem eigenen Wohnzimmer.

Herrmann von der Heide ist seit 57 Jahren bei der "Rampe" dabei. Der frühere Versicherungskaufmann ist die Seele der Theatertruppe. Nun ist Schluss. Am fehlenden Publikums-Zuspruch liege es nicht, eher am Nachwuchs. "Wir haben wirklich eine Menge versucht, junge Leute zu begeistern", sagt von der Heide. "Aber wir spielen fast sechs Wochen lang - mit Herumreisen und Auf- und Abbauen. So viel Verbindlichkeit ist für die jungen Leute heute nichts mehr."

Zuletzt fehlten die jungen Darsteller

Los ging es nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs: Den Eintritt hat das Publikum damals mit Briketts bezahlt, damit der Saal geheizt werden konnte. "Da war eine Aufbruchstimmung, und es gab einen Hunger auf Kultur", erzählt von der Heide. Anita Bast stand schon als 19-Jährige mit ihrer ersten Rolle auf der Bühne. Damals seien sie noch 300 Darsteller gewesen - zuletzt machten nur noch 21 mit. Die jüngste von ihnen ist 40, das führt nicht nur zu darstellerischen Problemen. "Wir haben kein junges Pärchen und wir haben keine kräftigen jungen Männer, die die Bühne auf- und abbauen. Und dann sind wir schon alle in einem Alter, in dem das Zipperlein zwickt."

Es bricht einem das Herz, wie hier eine schöne Hamburger Theatertradition zu Ende geht. Doch die Zeiten ändern sich. Es ist ein rührender Moment, als Herrmann von der Heide vor der Bühne steht, dem Publikum für die jahrzehntelange Treue dankt und einer in die Stille antwortet: "Danke auch von uns!"

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 24.02.2020 | 19:00 Uhr