Stand: 14.03.2019 09:13 Uhr

Theater Braunschweig: "Autoland" feiert Premiere

von Janek Wiechers

In der Region Süd-Ost-Niedersachsen arbeiten 120.000 Menschen für Volkswagen. Die Werke in Wolfsburg, Braunschweig und Salzgitter sowie der Autofinanzierer Volkswagen Financial Services sind zusammengenommen der größte Arbeitgeber der Region. Inklusive der vielen Zulieferer sind rund 360.000 Menschen im Großraum Braunschweig abhängig von VW. Ein Konzern, der mächtig im Wandel ist: vom reinen Autobauer mit Verbrennungsmotoren hin zum Produzenten von deutlich mehr Elektroautos. VW möchte zudem "Mobilitätskonzern" werden, der später auch vernetzte, selbst fahrende Autos baut. Um die Zukunft der Mobilität in der VW-Region geht es auch in dem neuen Stück "Autoland", das am Freitag im Staatstheater Braunschweig Premiere feiert.

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Im Theaterstück "Autoland" geht es bei einer fiktiven Konferenz um die Zukunft der Mobilität.

Zwei makellose Moderatoren in schlichtem blauen Rollkragen und blütenweißen Schuhen: Die Schauspieler Yvgenia Korolov und Götz van Ooyen verkörpern die Gastgeber für eine fiktive Mobilitätskonferenz im durchgestylten Ambiente. So ist es bei den Keynotes - den Produktpräsentationen von Großkonzernen wie Volkswagen - üblich. "Herzlich willkommen zu unserem Kongress Future Mobility. Wie sieht sie aus, die Mobilität der Zukunft? Und was hat sie der Region zu bieten?", heißt es in der Begrüßung.

Wie kann der Mobilitätswandel gelingen?

Wie der vielbeschworene Mobilitätswandel vom Verbrennungsmotor hin zum Elektro-Auto gelingen kann und wie er die von der Autoindustrie dominierte Region Wolfsburg und Braunschweig verändern wird, versucht Regisseurin Nina Gühlstorff in ihrem Stück "Autoland" zu beleuchten: "Wie wird die Region den Mobilitätswandel, der ja wohl kommen wird, verkraften, gestalten, in welche Richtung geht das", fasst Gühlstorff die Fragestellungen zusammen.

Recherche-Interviews mit Fachleuten und Betroffenen

Um sich dem Thema mit all seinen Facetten zu nähern, hat das Regieteam mehr als ein Jahr lang Interviews geführt: mit Autoingenieuren von VW, mit Bandarbeitern, mit Zukunftsforschern und mit Umweltschützern. Deren Positionen und Aussagen ergeben in den Texten der Schauspieler verdichtet ein breites Meinungsbild.

Johannes Kienast spielt einen tschechischen Ingenieur, im Theaterstück ist er der Leiter des neuen VW-Batteriewerks in Braunschweig. Während dieser die E-Offensive des Konzerns als unabdingbar und gewollt anpreist, äußert er später in anderer Rolle, als Bandarbeiter, erhebliche Zweifel daran: "Ich finde diesen Elektrokram wunderbar. Aber solange die Batterieladung für so ein Auto aus dem AKW kommt - oder aus dem Braunkohlekraftwerk-, ist es einfach nicht umweltfreundlich. Und wenn ich ein Auto habe, das eine Reichweite von 120 Kilometern hat - das nützt mir nichts!"

Sind Arbeitsplätze durch den Wandel in Gefahr?

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Das Publikum kann per Fernbedienung immer wieder seine Meinung zu den Kernfragen der Mobilität abgeben.

Außerdem seien Arbeitsplätze in Gefahr, lamentiert Kienast auf der Bühne. Eine Angst, die für viele VWler im Großraum Braunschweig real ist, weil für E-Autos deutlich weniger Arbeiter benötigt werden. Regisseurin Nina Gühlstorff traf bei ihren Recherchen aber auch auf Menschen, die solche Argumente nicht gelten lassen und Kritik üben. Aus dem Mund von Schauspielerin Larissa Semke klingt das so: "Immer, wenn es um Nachhaltigkeit geht, oder die folgende Generation, dann brechen plötzlich apokalyptisch Arbeitsplätze weg! Es muss sich etwas verändern. Und das wird halt wehtun! Wenn wir die Zukunftsfähigkeit einer ganzen Region besprechen, dann ist es ein bisschen kurz gegriffen zu sagen 'alles bleibt wie es ist'."

Es gehe in "Autoland" aber nicht um Meinungsmache, betont Regisseurin Gühlstorff. Sondern darum, ein möglichst breites Bild öffentlicher und privater Diskussionen mit Mitteln des Theaters aufzuzeigen. Die Zuschauer am Braunschweiger Theater können sich immer wieder per Fernbedienung aktiv an der Meinungsbildung beteiligen. Nach Ende der Vorstellung sind sie außerdem eingeladen, mit realen Mobilitäts-Experten weiter zu diskutieren.

Theater Braunschweig: "Autoland" feiert Premiere

Um die Zukunft der Mobilität in der VW-Region geht es in "Autoland", das am Freitag im Staatstheater Braunschweig Premiere feiert. Das Publikum kann sich per Fernbedienung beteiligen.

Datum:
Ende:
Ort:
Staatstheater Braunschweig
Am Theater
38100   Braunschweig
Telefon:
Kartentelefon: (0531) 123 45 67
Preis:
10,50 bis 31,50 Euro
Hinweis:
Regie: Nina Gühlstorff
Bühne: Thomas Rustemeyer
Kostüme: Marouscha Levy
Dramaturgie: Franziska Betz
Schauspieler: Valentin Erb, Johannes Kienast, Yevgenia Korolov, Götz van Ooyen, Saskia Petzold, Larissa Semke

Mit: Khanyiso Gwenxane, Ivi Karnezi, Narine Yeghiyan, Jelena Kordic, Jelena Bankovic, Ekaterina Kudryavtseva, Carolin Löffler, Milda Tubelyte, Ernesto Morillo
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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 14.03.2019 | 09:20 Uhr

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