Stand: 26.04.2019 15:59 Uhr

Lesemuffel: Wie der Einstieg gelingen kann

Schwerpunkt der Woche in den NDR Kulturredaktionen ist das Thema "Lesen". Fast 20 Prozent der Viertklässler können nicht richtig lesen. Wir haben uns mit den Fragen beschäftigt: Wie kommt es dazu und was könnte man dagegen tun? Dabei haben wir auch die etwas provokante Frage gestellt: "Müssen wir unsere Kinder mehr zum Lesen zwingen?" Katharina Mahrenholtz von NDR Info hat sich in unserer Debatte für eine "Lesepflicht" ausgesprochen.

Wie waren die Reaktionen auf den Vorschlag einer Lesepflicht für Kinder?

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Katharina Mahrenholtz kennt sich mit Kinderbüchern aus: Für NDR Info rezensiert sie regelmäßig die Neuerscheinungen.

Katharina Mahrenholtz: Die Reaktionen waren sehr unterschiedlich. Es gab durchaus erboste Hörer, die schrieben, mit Zwang erreiche man gar nichts, das sei völlig veraltet und völlig indiskutabel. Die Meinung vieler Hörer war, dass Lesen Spaß machen muss, sonst funktioniert es nicht. Und da frage ich jetzt: Was, wenn es keinen Spaß macht? Wenn ein Kind sagt: Lesen finde ich blöd, mache ich nicht. Oder nur das Nötigste, was in der Schule sein muss. Was - wie man weiß - nicht reicht, um richtig flüssig lesen zu lernen.

Sollen denn dann die Eltern oder die Lehrer diesen "Zwang" ausüben?

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Pro und Kontra: Lesepflicht für den Nachwuchs

Muss man Kinder zum Lesen "zwingen", um ihre Lesekompetenz zu fördern? Lesen Sie das "Pro und Kontra" von NDR Info und NDR Kultur - und schreiben Sie uns Ihre Meinung! mehr

Mahrenholtz: In erster Linie ist die Schule in der Pflicht. Es geht natürlich nicht darum, das Kind an einen Stuhl zu binden und das Lesen zu befehlen. Stattdessen braucht es Programme und letztendlich vor allem Personal, um diese offensichtlichen Defizite in den Griff zu kriegen. Daran fehlt es aber leider. Dann sind die Eltern gefragt, zumindest die Eltern, die es überhaupt leisten können, zu Hause ihre Kinder zum Lesen zu bringen. Es bringt schon viel zu sagen: "Du musst jeden Tag eine halbe Stunde lesen". Allerdings muss man dann auch konsequent sein.

Oft hört man ja auch: Wenn Kinder gute Bücher angeboten bekommen, dann lesen sie bald mit großer Freude.

Mahrenholtz: Das ist super, wenn es klappt. Leider funktioniert es nicht immer. Zumal sich auch die Frage stellt: Was sind denn gute Bücher?

Und? Als Rezensentin auch vieler Kinderbücher haben Sie doch bestimmt eine Antwort ...

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Die IGLU-Studie weist es nach: Fast 20 Prozent der Kinder in Deutschland können nach der Grundschule nicht richtig lesen.

Mahrenholtz: Gute Bücher sind zunächst einmal die, die Kinder gern lesen. Die können literarisch schlecht sein, ganz oberflächlich oder kitschig. Am Anfang ist alles erlaubt. Zuerst geht es nur darum, den Leseprozess zu üben. Wenn sich Kinder aber ganz verweigern, dann brauchen sie Bücher, die wenig Text haben, groß gedruckt sind, mit einfacher Sprache und vielen Illustrationen. Und selbst mit dem perfekten Einsteigerbuch wird es Kinder geben, die sagen: Will ich nicht. Und dann kann man meiner Meinung nach sagen: Musst du aber. 20 Minuten, eine halbe Stunde - auch wenn es schwer fällt, auch wenn es Arbeit ist. Es wird ja besser. Mit jeder Seite, die man liest, wird das Lesen einfacher.

Stichwort "perfektes Einsteigerbuch": Wo finden Eltern denn geeignete Bücher?

Mahrenholtz: Zunächst einmal kann man sich natürlich in Buchläden beraten lassen. Aber auch auf NDR Info gibt es jeden Sonnabend Buchtipps für Kinder und Jugendliche. Und wir haben anlässlich unseres Lese-Schwerpunktes in dieser Woche eine Liste mit neueren Büchern zusammengestellt, die leicht zugänglich sind, aber trotzdem auch Qualität bieten. Die zu finden, ist tatsächlich nicht so einfach.

Das Gespräch führte Liane Koßmann.

Kinderbücher für Einsteiger
161 KB

Bücher für Kinder zwischen sieben und neun Jahren

Diese Liste im pdf-Format beihaltet Bücher in drei Schwierigkeitsstufen, die Kinder nicht überfordern, aber trotzdem eine gewisse literarische Qualität haben. Download (161 KB)

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 27.04.2019 | 06:55 Uhr