Sonja Anders blickt in die Kamera © picture alliance/Christophe Gateau/dpa Foto: Christophe Gateau

Schauspiel Hannover: "Wer sind wir im Digitalen?"

Stand: 14.01.2021 12:13 Uhr

Das Schauspiel Hannover lädt auf seiner digitalen Bühne zur Debattenreihe "ABC der Demokratie" - im "Zoom"-Format. Das Theater will seine digitalen Aktivitäten ausbauen.

von Agnes Bührig

Nach M wie Macht und O wie Opposition kommt in der aktuellen Ausgabe des "ABC der Demokratie" nun P wie Parlament an die Reihe. Ein gegebenes Thema, stehen 2021 doch eine Reihe von Landtagswahlen und die Bundestagswahl an. Zudem zeigen die Verhältnisse in Amerika derzeit, wie sich Politiker eigene Welten erschaffen.

Versöhnende Rolle der Politik

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Sonja Anders im Porträt  Foto: Christophe Gateau

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Gesprächspartner ist der Jurist Christoph Möllers, Professor für öffentliches Recht an der Humboldt-Universität Berlin, der sich mit dem Parlament als Raum der politischen Auseinandersetzung beschäftigt. Diese sei durch die Pandemie harten Belastungsproben ausgesetzt, sagt Nora Khuon, Chefdramaturgin am Schauspiel Hannover: "Das, was am Anfang der Pandemie stattgefunden hat, dass man doch eine Form von Fürsorge und Solidarität geübt hat, bricht natürlich enorm auseinander, wenn das Leid in bestimmten gesellschaftlichen Gruppen viel sichtbarer und spürbarer wird. Und das wiederum zu versöhnen ist eine Aufgabe der Politik."

"Wer sind wir und wer sind wir im Digitalen?"

Am Schauspiel Hannover macht man sich viele Gedanken, welche Rolle das Theater in diesen Zeiten spielen kann und welche Alleinstellungsmerkmale es hat. Der Geruch etwa sei so ein Element, meint Intendantin Sonja Anders: "Müssten die Filme anders sein als die, die man auf Netflix erlebt, wenn wir Filme herstellen?", fragt Anders. "Was unterscheidet sie? Wie nah kommen wir an die Schauspieler heran und was hat das mit unserer Arbeit auf der Bühne zu tun? Das Gute ist, dass wir uns diese Fragen gerade stellen. Ich glaube, ohne die Krise wären wir nicht an diesem Punkt. Aber jetzt sind wir da und es macht auch Spaß, darüber nachzudenken: Wer sind wir und wer sind wir im Digitalen?"

Chancen des dititalen Raums nutzen

Ohne Publikum hat es das Schauspiel auch im Digitalen schwer, das zeigen eindringlich Ausschnitte des Films "Aller Abend Tage" aus dem menschenleeren Schauspielhaus. Ende Januar soll er in Gänze in eine digitale Late Show mit Gewinnspiel, Gespräch und und Musik münden. Mit "Oskar und die Dame in rosa", der nächsten Premiere des Jungen Schauspiels über einen Jungen, der unheilbar an Leukämie erkrankt ist, sollen zudem Videospiel-Elemente den Kontakt zum jungen Publikum herstellen.

Was heißt digitales Theater außer dem reinen Livestream?

Und auch die Interaktion rund um die Online-Premiere von "Der Beginn einer neuen Welt" zeige die Chancen des digitalen Raumes, berichtet Anders: "Wir haben drum herum Live-Berichterstattung gehabt, die nur in die Social-Media-Kanäle reinging. Ich habe auf Instagram plötzlich von Leuten, die ich gar nicht kenne, Reposts gekriegt über unsere Live-Berichterstattung vor und hinter der Bühne. Die SchauspielerInnen sind noch vor der Vorstellung mit Handys herumgerannt und haben das präsentiert. Und das sind so Momente, wo ich denke: Wir dürfen das nicht verpassen. Was heißt also digitales Theater eigentlich außer dem reinen Livestream?"

Auch Sonja Anders selbst will diesen Blick hinter die Kulissen liefern, in einem breiteren Kontext in einer eigenen digitalen Reihe. Dazu plant die Theater-Intendantin kulturpolitische Gespräche aus ihrem Büro zu senden und dazu Menschen aus Politik und Kultur einzuladen. Erster Gast soll Björn Thümler werden, niedersächsischer Minister für Wissenschaft und Kultur.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 14.01.2021 | 11:20 Uhr