Klaus Lage © picture alliance/dpa Foto: Sina Schuldt

Klaus Lage: "Heimat ist für mich da, wo meine Leute sind"

Stand: 15.05.2022 13:22 Uhr

Der in Soltau geborene Klaus Lage ist seit über 30 Jahren im Musikgeschäft und hatte in den 80er-Jahren Hits wie "Faust auf Faust" und "1.000 und 1 Nacht". Im Gespräch spricht er über Heimat, sein neues Album und über die große Liebe.

Du bist in Soltau geboren und auch aufgewachsen. Was bedeutet dir Heimat?

Klaus Lage: Heimat ist für mich da, wo meine Leute sind, meine Familie, meine Freunde. Leider sind die Freunde nicht alle da, wo ich wohne, da ich nicht nur in Soltau gelebt habe, sondern auch in Düsseldorf, Essen und Berlin. Also bin ich sehr verteilt auf eine Art, und das ist mir auch wichtig. Und so ist auch meine Familie sehr weit verteilt und auch meine Freunde. Aber immer da, wo ich wohne und wo meine Familie ist, da ist in auch meine Heimat und da fühle ich mich am wohlsten.

Wie bist du zur Musik gekommen? Hast du immer schon zuhause vor dich hingesummt und gesungen?

Lage: Unsere Familie war relativ musikalisch. Meine Mutter hat so ein bisschen Quetschkommode gespielt und hatte ein Entertainment-Talent: Sie konnte ein kleines Fest immer gut in Schwung bringen. Mein Vater hat getextet und war sehr wortgewandt - von daher habe ich da sicherlich etwas mitgekriegt. Ich habe gerne gesungen, das war immer ein gutes Gefühl. Ich war immer Radio-Mann. Ich hatte eine Zeit lang mein Zimmer mit meinem Opa teilen müssen und da habe damals, in den 50er-, 60er-Jahren, immer Mittelwelle eingestellt und bin mit dem Ohr ins Radio gekrochen. Von daher war ich sehr früh in Kontakt mit Musik. Ich war auch im Schulchor und habe im Kindergottesdienst gesungen. So kriegte ich ein Gefühl fürs Singen - als das natürlichste Instrument, das dem Menschen zur Verfügung steht. Auf dem Gymnasium habe ich später noch ein paar Monate Geigenunterricht gehabt - das hat mich aber der Musik nicht näher gebracht.

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Klaus Lage in der Ostberliner Werner-Seelenbinder-Halle (1987) © dpa - Report Foto: Reinhard Kaufhold

Klaus Lage - "1.000 und 1 Nacht (Zoom!)"

Im Jahr 1984 macht es "Zoom!" für Klaus Lage. Mit den Titel "1000 und 1 Nacht" gelingt ihm und seiner Band der langersehnte Durchbruch. Es ist bis heute sein größter Hit. mehr

Du warst auch in der Hauptrolle des Musicals "Stars" zu sehen und zu hören. Was hat dir besonders viel Spaß an Musical gemacht?

Lage: Das habe ich zusammen mit meinem damaligen Partner geschrieben, und die Rolle war ein bisschen auf mich zugeschnitten. Das war einfach eine neue Erfahrung. 1994 war das, glaube ich. Ich hatte so viele Touren, und ich musste irgendetwas anderes machen. Ich war so ein bisschen ausgenudelt und abgelutscht - jedes Jahr eine Platte und zwei Touren. Irgendwann ist die Power weggegangen, und da musste ich einfach mal eine Pause machen. Da haben wir uns überlegt, etwas völlig anderes zu machen. Ich bin eigentlich gar nicht so ein großer Musical-Fan, aber das war für mich eine schöne neue Erfahrung. Das haben wir in einem Theater in Nordhausen in Thüringen gemacht. Eigentlich sollte das schon viel früher stattfinden und im Fernsehen übertragen werden, aber dann kam die Wende und alles ist nach hinten verschoben worden. Für mich war das eine ganz wunderbare neue Erfahrung, weil ich ja kein gelernter Schauspieler bin. Es gab da auch eine B-Besetzung und wir haben uns getroffen und gegenseitig trainiert: Er hat mir ein bisschen Schauspielunterricht gegeben, und ich habe ihn ein bisschen beim Singen und Phrasieren gecoacht. Das Musical war - auch ohne großen Marketingetat - sehr erfolgreich: Wir hatten 30 bis 40 ausverkaufte Vorstellungen. Das war richtig schön, das so zu erleben, und die Leute waren wirklich begeistert.

Du hast neues Album rausgebracht: "Je wahrer die Liebe". Wie wichtig ist dir die wahre Liebe?

Lage: Die ist schon wichtig, weil ich mit der schon über 40 Jahre zusammen bin. Wenn das nicht funktionieren würde oder wenn das nicht gut wäre, dann wäre ich schon längst vom Acker - oder sie, je nachdem. Das geht ganz gut und ich bin dankbar und froh darüber, dass das so funktioniert. Das konnte ich mir als junger Mann gar nicht vorstellen, dass man einmal so lange mit der gleichen Frau zusammen ist. Wir hatten am Anfang auch sehr schlechte Zeiten, als wir nicht wussten, wie wir die nächste Miete zahlen. Später hatten wir auch gute und erfolgreiche Zeiten. Jetzt sind wir ein bisschen älter geworden, und es ist ganz schön, dass man sich immer noch etwas zu sagen hat.

Wie, glaubst du, verändert sich Liebe im Alter, wenn man so viele Jahre zusammen ist?

Lage: Wir streiten nur noch relativ wenig. Es gibt immer wieder mal Streit, weil man feststellt, dass sich der andere nicht grundlegend ändert, und das, was einen stört, bleibt auch. Aber so ist es ja bei einem selbst auch. Und wenn man sich selbst reflektiert, dann ist das nicht mehr ein Beziehungskiller. Es raucht auch mal im Karton und dann reden wir auch mal einen Abend nicht mehr miteinander - aber das ist spätestens am nächsten Morgen vorbei.

Was erwartet deine Fans auf dem neuen Album?

Lage: Das ist eine ganz schöne Mischung geworden, wie ich finde. Ich hatte ja viele unterschiedliche Sachen in den letzten Jahren gemacht: eine Bigband-Platte, eine Swing-Platte, eine Akustik-Platte, eine Duo-Platte. Und jetzt haben wir uns wieder angedockt an das, was die Leute, die mich lange kennen, vielleicht von mir erwarten. Aber ich erfülle ja nicht unbedingt die Erwartungen der Leute, sondern muss erst mal selbst mit mir klarkommen. Die erste Nummer zum Beispiel ist eine Blues-Nummer, das ist auch der Titelsong des Albums. In Deutschland ist Blues nicht ganz so weit oben in der Empfindungsskala der Menschen, weil es eher angloamerikanische Musik ist. Aber ich finde, bei so einem tiefgehenden Thema wie Liebe ist Blues immer angesagt. Das ist auch nicht so ein 08/15-Blues. Das haben wir einfach so gemacht, und das traue ich mich jetzt einfach.

Du wirst am 16. Juni 72 Jahre alt. Wegen Corona konnte man nicht so toll feiern. Wie sieht es jetzt aus? Feierst du deinen Geburtstag?

Lage: Diesen feiere ich auch nur innerhalb der Familie. Vielleicht fahre ich mit meiner Frau ein bisschen weg, ganz entspannt. Zum 70. wäre das mal ein guter Anlass gewesen, aber da war Corona und von daher ist er - wie vieles andere - ersatzlos gestrichen worden. Jetzt müssen wir zusehen, dass es wieder Zeiten gibt, wo man schöne Dinge veranstalten kann.

Das Interview führte Martina Gilica.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Kulturspiegel | 10.05.2022 | 19:05 Uhr

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