Bunter Container auf dem Vorplatz der Elbphilharmonie © Claudia Höhne

Internationales Musikfest Hamburg 2022 gestartet

Stand: 28.04.2022 22:00 Uhr

Donnerstagabend wurde das Internationale Musikfest Hamburg eröffnet. Nach zwei Jahren Pandemie kann nun wieder ein volles Programm mit mehr als 60 Konzerten und Veranstaltungen ohne Publikumsbegrenzung angeboten werden.

von Stephan Sturm

Beethovens ländliche Pastorale, Schuberts "Winterreise", Vivaldis "Vier Jahreszeiten" oder Schumanns Frühlings-Sinfonie - Natur und Umwelt haben Komponisten schon seit Jahrhunderten fasziniert. "Das Thema Natur ist in der Musik immer schon dagewesen. Aber neu dazu gekommen ist, dass es eine ganze Reihe von Künstlern gibt, denen die Klima-Thematik sehr am Herzen liegt und die das auch auf die eine oder andere Art und Weise in ihre Programme einfließen lassen", sagt Christoph Lieben-Seutter, Generalintendant der Elbphilharmonie und der Laeiszhalle, zum diesjährigen Motto "Natur".

Natur und Umwelt ein starkes Thema in der Klassik

Der Klimawandel ist ein wichtiges Thema beim diesjährigen Musikfest, das mit einem Paukenschlag beginnt: mit Joseph Haydns Oratorium "Die Schöpfung". "Das war auf der Wunschliste von Alan Gilbert", erzählt Lieben-Seutter. Zusammen mit dem NDR Elbphilharmonie Orchester, dem NDR Vokalensemble und internationalen Gesangsolist*innen wird Gilbert die Erschaffung der Welt à la Haydn aufführen. Und gleich weiter geht es dann mit Gustav Mahlers dritter Sinfonie, von der der Komponist selbst sagt, die ganze Natur bekomme darin eine Stimme. "Mahlers Dritte ist ja von der Kompositionsgeschichte ganz stark mit Natur verbunden. Er hat in der Natur komponiert und Themen aus der Natur mit aufgenommen", sagt Lieben-Seutter.

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Stars aus der Klassik-Szene und Neuentdeckungen

Mit Ernst Kreneks Liederzyklus "Reisetagebuch durch die österreichischen Alpen" und Jean Sibelius' von finnischen Wäldern, Wiesen und Seen erzählende Sinfonien zieht sich das Thema Natur wie ein roter Faden durch das gesamte Musikfest. Auch zwei Opern passen zum Motto: Antonin Dvořáks von Nixen und Wassergeistern erzählende Oper "Rusalka" und Carl Maria von Webers im deutschen Wald spielender "Freischütz".

Neben zahlreichen Stars aus der Klassik-Szene wie Igor Levit, Anne-Sophie Mutter und Andris Nelsons freut sich Intendant Christoph Lieben-Seutter auch auf Neuentdeckungen: "Wie zum Beispiel die amerikanische Komponistin und Sängerin Caroline Shaw, die man hier noch gar nicht kennt, die aber in Amerika bereits ein ganz großer Star ist."

Elbphilharmonie erstrahlt in neuem Licht

Nicht nur drinnen, sondern auch draußen findet das Musikfest statt. Das Künstlerduo Drift wird mit seinem Lichtprojekt "Breaking Waves" den Außenraum der Elbphilharmonie bis 1. Mai jeden Abend in neuem Licht erstrahlen lassen. "Mit einer Lichtinstallation, die so ein bisschen symbolisiert, worum es in der Elbphilharmonie geht, quasi die Musik aus dem Gebäude nach draußen strahlt. Zudem werden hunderte von Drohnen rund ums Gebäude schweben und Figuren machen." Und die passende Musik dazu ist auf der Webseite der Elbphilharmonie abrufbar.

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Beleuchtete Drohnen des Künstlerduos Drift fliegen in Formation "Breaking Waves" über der Elbe vor der Elbphilharmonie im Rahmen der Eröffnung des Musikfests Hamburg. © Georg Wendt/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ Foto: Georg Wendt

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Eine Ruheinsel in schweren Zeiten

Das Musikfest reagiert auch auf die aktuelle Weltlage - so spielt auch der Ukraine-Krieg eine Rolle: "Wir haben bereits mehrere Benefizkonzerte absolviert." Und so wird das Kyiv Symphony Orchestra am kommenden Sonntag in der Elbphilharmonie auftreten. "Das wird sicher ein sehr bewegender Moment, weil viele unserer Förderer sich auch um ukrainische Geflüchtete kümmern und hunderte von ihnen zum Konzert eingeladen haben.

Klima-Wandel, Corona-Pandemie, Krieg in der Ukraine - für Christoph Lieben-Seutter können die Musikfest-Konzerte dem Publikum in schweren Zeiten eine Ruheinsel und auch Kraft und Inspiration bieten: "Es kann eine emotionale Reise sein, gerade in Zeiten wie diesen, in denen wir aus verschiedenen Gründen verunsichert sind. Man braucht auch mal zwei Stunden Pause. Und wenn man sich das regelmäßig gönnt, so ein bisschen aus dem Alltag herauszukommen in eine andere Welt, egal ob man der Musik konzentriert zuhört oder die Gedanken schweifen lässt, hat das fast eine therapeutische Wirkung."

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch unterwegs | 28.04.2022 | 14:20 Uhr

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Klassik