Stand: 23.04.2019 18:58 Uhr

Henry Hübchen zum Tod von Hannelore Elsner

Die Schauspielerin Hannelore Elsner ist am Ostersonntag im Alter von 76 Jahren gestorben. Ihr Film-Kollege Henry Hübchen stand mit ihr in der Komödie "Alles auf Zucker!" von 2004 vor der Kamera. Im Interview erinnert er sich an sie.

Hannelore Elsner - ihre wichtigsten Stationen

Herr Hübchen, Sie haben Hannelore Elsner persönlich gekannt. Wie haben Sie sie erlebt?

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"Wir haben uns total gut verstanden, da gab es gar keine Ressentiments", erinnert sich Henry Hübchen an die gemeinsame Arbeit mit Hannelore Elsner.

Henry Hübchen: Ich habe sie als eine sehr kluge, charmante Frau erlebt, mit der es großen Spaß gemacht hat, zu arbeiten. Da war ein Drehtag nicht irgendein Tag, sondern eine erfüllende Arbeit. Ich kannte sie nur als jemand, der ernsthaft arbeitet und sich nur ernsthaft mit der Rolle beschäftigt. Sie war nie oberflächlich, aber auch schwierig dadurch und für bestimmte Regisseure nicht einfach auszuhalten.

Es haftet ihr ja ein bisschen das Etikett "Diva" an - das ist nicht nur gut gemeint. Aber das zeugt auch von Größe, oder?

Hübchen: Ich kenne diese Aussagen, sie sei eine Diva oder sie sei schwierig. Ich kenne das auch von mir: "Der ist schwierig." Nein, wir sind überhaupt nicht schwierig - es wird schwierig, wenn eine Arbeit Probleme macht, die man lösen möchte. Dann wird es schwierig - das ist aber nicht schlimm, man muss bloß gemeinsam an einer Lösung arbeiten und nicht oberflächlich drüber hinweggehen. Und für diese oberflächlichen Leute, die dann schnell weitermachen wollen, war Hannelore schwierig oder eine Diva, die sich nicht so schnell zufrieden gibt mit den einfachen Antworten.

Sie hat unendlich viele Filme in ganz unterschiedlichen Genres gedreht. Da hat sie Kinderrollen genauso verkörpert wie später die großen Charakterrollen. Was ist das für ein Movens, das einen so lange zu so viel Arbeit treibt?

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In der Komödie "Alles auf Zucker!" von 2004 standen Henry Hübchen und Hannelore Elsner gemeinsam vor der Kamera.

Hübchen: Ich glaube, das ist gar nicht so viel Arbeit - das sieht nur so aus. Ich weiß nicht, wie viele Filme sie gemacht hat, aber das ist von der Arbeitszeit, wenn man es zusammenrechnet, überhaupt nicht so, dass man den Eindruck haben müsste, Hannelore hat rund um die Uhr gearbeitet. Aber sie hat gerne gearbeitet, wie alle Schauspieler, die ich kenne, gerne arbeiten, und hat sich ihre Sachen ausgesucht, was nicht so einfach ist. Irgendwann konnte sie sich die Stoffe nicht mehr aussuchen. Ich finde nicht, dass sie eine besonders arbeitswütige Person war.

Als Zuschauer war man ein bisschen hin- und hergerissen: Auf der einen Seite kam man ihr sehr nahe - das lag allein schon an ihrer warmen Stimme und man hatte immer das Gefühl, man müsse ihr besonders intensiv zuhören, um auf keinen Fall etwas zu verpassen. Auf der anderen Seite hat sie immer so etwas Großes umgeben, was sie unberührbar gemacht hat. War das eine Rolle, oder haben Sie sie auch so erlebt?

Hübchen: Nein, ich habe sie überhaupt nicht so erlebt. Sie war ein einfaches bayrisches Mädchen, und wir haben uns total gut verstanden, da gab es gar keine Ressentiments. Dazu kam noch der West-Ost-Konflikt, gerade in dem Film "Alles auf Zucker!". Auch was die Ansichten von Filmen betrifft oder wie Szenen zu spielen sind - da waren wir sehr beieinander. Ich habe sie überhaupt nicht als unnahbar kennengelernt.

Reaktionen auf den Tod von Hannelore Elsner

Sie war eine große Gestalt des deutschen Films, unter anderem auch deswegen, weil sie die erste westdeutsche Schauspielerin war, die mal in einer DEFA-Produktion, also in der DDR gespielt hat. Was wird dem deutschen Film jetzt verlorengehen?

Hübchen: Wenn ein Mensch geht, der Wichtiges gemacht hat und der gemocht wurde, der fehlt dann, da geht erst mal etwas verloren. Es wächst natürlich auch vieles nach, so ist das Leben. Der eine geht, die neuen großen, interessanten Schauspieler kommen. Man muss trauern und kann auch traurig sein, aber so ist es eben.

Das Interview führte Jürgen Deppe

Hannelore Elsner

Henry Hübchen: "Hannelore Elsner war nicht schwierig"

NDR Kultur - Journal Gespräch -

Die Schauspielerin Hannelore Elsner ist im Alter von 76 Jahren gestorben. Ihr Kollege Henry Hübchen erinnert sich an sie: "Ich habe sie als eine sehr kluge, charmante Frau erlebt."

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Journal | 23.04.2019 | 19:00 Uhr

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