Stand: 21.10.2019 19:05 Uhr

Klima: "Es ist seit 40 Jahren fünf vor zwölf"

Antje Boetius, die Direktorin des Alfred-Wegener-Instituts Helmholtz Zentrum für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven, ist in Hannover mit dem Leibniz-Ring des Presseclub Hannover ausgezeichnet worden. Vor gut zwei Wochen erhielt sie auch schon das Bundesverdienstkreuz - denn unbestritten sind ihre Verdienste um das Weltklima. In gleicher Sache äußerst engagiert ist ihr Laudator, der Schauspieler Hannes Jaenicke.

Die Meeresbiologin Antje Boetius steht in einem Labor. © NDR

Dem Klimawandel auf der Spur - im Meer und im Eis

Nordseereport -

Welche Rolle spielen Kleinstlebewesen am Meeresboden für die Entwicklung des Klimas? Das erforscht Antje Boetius, Leiterin des Bremerhavener Alfred-Wegener-Instituts.

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Herr Jaenicke, was würden Sie sagen: Ist es fünf vor zwölf, zwölf oder fünf nach zwölf?

Hannes Jaenicke: Es ist seit 40 Jahren fünf vor zwölf. Und da wir Optimisten bleiben wollen, sage ich: Es ist weiterhin fünf vor zwölf.

Sie halten die Laudatio auf Antje Boetius - was macht Antje Boetius so auszeichnungswürdig?

Hannes Jaenicke: Was ich großartig finde, ist, dass sie nicht wie die meisten Wissenschaftler im elfenbeinernen Turm vor sich hin forscht oder Erkenntnisse in Fachpublikationen veröffentlicht, sondern dass sie an die Öffentlichkeit geht und versucht, die Politik, die Industrie und den Endverbraucher vor sich her zu treiben. Deswegen finde ich sie absolut preiswürdig.

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Eigentlich ist es doch klar, dass wir im Klimawandel leben, dass die Meeresspiegel ansteigen. Was müsste jetzt eigentlich getan werden?

Jaenicke: Die Politik müsste mal in die Puschen kommen, jenseits des Klimapaketchens, was sie gerade verabschiedet hat. Die Industrie müsste komplett umsteuern, vor allem die Konsumgüter, Auto, Energieindustrie. Und der Verbraucher muss aus seiner Bequemlichkeit herauskommen. Diesen Dreiklang bekommen wir im Moment offensichtlich nicht angeschoben.

Das ist auch das, was die Fridays-for-Future-Aktivisten immer wieder vorgeworfen bekommen: mit dem Finger auf die Erwachsenen zeigen, aber sich selber auch nicht richtig verhalten. Müssten wir als Konsumenten, als Bürger nicht auch ganz anders handeln?

Jaenicke: Natürlich müssten wir. Über ein Viertel der deutschen Neuzulassungen sind SUV. Deutschland ist Europameister in der Produktion von Plastikmüll. Insofern muss natürlich auch der Verbraucher in die Puschen kommen.

Sie sind selbst mittlerweile fast mehr Klimaaktivist als Schauspieler. Warum eigentlich?

Jaenicke: Das stimmt nicht.

Gerade ist ein neues Buch von Ihnen erschienen.

Jaenicke: Ich muss meinem Beruf nachgehen und meine Miete bezahlen. Die Umweltaktivitäten sind meine Freizeitgestaltung, und ab und zu schreibe ich ein Büchlein - das ist wohl wahr.

Wegen der Fridays-for-Future-Aktivisten ist das Thema Klima im Moment in aller Munde. Aber glauben Sie, dass das anhalten wird? Oder ist das nur eine kurze mediale Konjunktur?

Jaenicke: Ich kann nur hoffen, dass das sehr wohl anhält. Das sind seit fast 40 Jahren die ersten, die tatsächlich etwas bewegen, die die Politik vor sich her treiben. Und dass überhaupt das Klima diskutiert wird, ist in großen Teilen dieser Bewegung zu verdanken.

Und zum Teil natürlich auch ein bisschen Antje Boetius. Gerade ist das Forschungsschiff "Polarstern" auf große Fahrt gegangen. Es lässt sich einfrieren an einer Eisscholle und treibt dann durch die Arktis. Was bringen uns solche Erkenntnisse jetzt noch, was wir nicht längst wissen?

Jaenicke: Wir haben eine Ahnung, aber natürlich muss man weiterforschen. Zum Beispiel die Aussage, dass die Polkappen schmelzen, ist nicht neu. Aber dass sie weitaus schneller schmelzen, als berechnet wurde, ist relativ neu. Insofern ist es wichtig, was die "Polarstern" zusammenträgt. Es ist ein internationales Projekt - es reicht nicht, wenn das Alfred-Wegner-Institut die Forschung betreibt - das muss weltweit passieren. Insofern ist das Projekt absolut wichtig.

Das Gespräch führte Jürgen Deppe

Der Schauspieler Hannes Jaenicke im Portrait. © dpa-Bildfunk Foto: Tobias Hase

Klima: "Es ist seit 40 Jahren fünf vor zwölf"

NDR Kultur - Journal Gespräch -

Die Meeresbiologin Antje Boetius wird für ihre Verdienste um das Weltklima mit dem Leibniz-Ring des Presseclub Hannover ausgezeichnet. Ein Gespräch mit ihrem Laudator Hannes Jaenicke.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Journal | 21.10.2019 | 19:00 Uhr

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