Betroffenenrat zeigt Bischof an: Ohne Druck passiert nichts

Stand: 12.12.2022 18:10 Uhr

Wegen seines Umgangs mit Missbrauchsfällen hat der Betroffenenrat Anzeige gegen den Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode gestellt. Was dieser Schritt bedeutet, analysiert Florian Breitmeier, Leiter der NDR Redaktion Religion und Gesellschaft.

Ganz gleich wie der Vatikan die Anzeige am Ende bewerten wird, eines ist wieder einmal deutlich geworden: Ohne den Druck der Betroffenen passiert so gut wie nichts. Denn erst nachdem der Betroffenenrat die kirchenrechtliche Anzeige gegen Bischof Franz-Josef Bode erstattet hatte, und diese Anzeige über den Hamburger Erzbischof Stefan Heße sowie den päpstlichen Nuntius an die Glaubens- und Bischofskongregation im Vatikan weitergeleitet wurde, hat sich Bischof Bode dazu entschlossen, den Zwischenbericht der Universität Osnabrück nach Rom zu schicken.

Warum wird der Bericht erst jetzt verschickt? 

Wohlgemerkt: Das Gutachten liegt seit rund drei Monaten vor. Manch ein Beobachter mag sich da vielleicht fragen: Warum wird der Bericht erst jetzt verschickt? Man stelle sich vor, der Osnabrücker Bischof hätte von sich aus unmittelbar nach der Veröffentlichung des Gutachtens im September den Zwischenbericht an den Vatikan geschickt, versehen mit der Bitte, die ihm in der Studie zur Last gelegten Pflichtverletzungen und Fehleinschätzungen zu prüfen. Frei nach dem Motto: Ich will es jetzt wissen, weil ich als Bischof die Letztverantwortung im Bistum trage. Aber das hat Bischof Bode nicht getan. Er hat deutlich gemacht, dass er im Amt bleiben möchte. 

Keine Rücktrittsangebot von Bischof Bode 

Seinen Rücktritt hat er auch nach der Anzeige des Betroffenenrates nicht angeboten. Als Zeichen der Demut hätte er es tun können. Im Fall des Rücktrittsgesuchs des Münchener Erzbischofs Reinhard Marx hatte der Papst ja lobende und mahnende Worte dafür gefunden, dass Marx bereit gewesen sei, "das Fleisch auf den Grill zu legen", also sinngemäß aufs Ganze zu gehen und frei sein Amt zur Verfügung zu stellen. Franziskus notierte damals in dem Schreiben an Kardinal Marx: "Denn nur Vorsätze zur Änderung des Lebens zu machen, ohne das Fleisch auf den Grill zu legen, führt zu nichts." Am Ende entschied der Papst, dass der Kardinal in München weitermachen sollte. 

Konsequenzen für Bode noch unklar 

Es ist offen, wie die zuständigen Vatikanbehörden entscheiden werden. Nach Ansicht des renommierten Kirchenrechtlers Thomas Schüller aus Münster sei das ein Blick in die berühmte Glaskugel. Dem NDR sagte Schüller, es könne sein, dass Rom eine Ermahnung an den Osnabrücker Bischof aussprechen werde, aber auch, dass der Fall keine weitreichenden Konsequenzen habe. 

Weitere Informationen
Bischof Franz-Josef Bode spricht bei einer Pressekonferenz über einen Zwischenbericht der Universität Osnabrück zu sexualisierter Gewalt im Bistum Osnabrück. © picture alliance/dpa Foto: Friso Gentsch

Anzeige wegen Umgang mit Missbrauch: Bischof Bode reagiert

Laut Betroffenenrat handelt der Bischof nicht im Sinne der Opfer. Er unterstütze die Anzeige, teilte der Bischof nun mit. mehr

Man solle aber nicht vergessen, so Schüller, dass auch schon etliche Bischöfe der Weltkirche in ähnlich gelagerten Fällen ihr Amt durchaus verloren haben. Der Vatikan hat nun laut den Statuten des Kirchenrechts 30 Tage Zeit, um über das weitere Vorgehen zu befinden. Aber unter Papst Franziskus nimmt man es in Rom mit dem Einhalten von Fristen nicht in jedem Fall so genau. 

Betroffenenrat verlangt moralische Verantwortungsübernahme 

Es gelte zu bedenken, dass in der katholischen Kirche keine echte Gewaltenteilung herrsche, sagt der Kirchenrechtler Schüller. Am Ende werde es dann eine politische Personalentscheidung des Papstes selbst sein, ob der Osnabrücker Oberhirte im Amt bleiben soll oder nicht.

Bischof Franz-Josef Bode hat erklärt, sich dem Ergebnis der Untersuchungen zu stellen. Der Betroffenenrat fordert gleichwohl deutlich mehr. Das Gremium hat zwar in der Anzeige nicht ausdrücklich einen Rücktritt gefordert, aber doch sehr entschieden eine moralische Verantwortungsübernahme des Bischofs verlangt. Das Verhalten Bodes auch nach der Veröffentlichung des Gutachtens scheint den norddeutschen Betroffenenrat bislang nicht überzeugt zu haben. Die Anzeige ist ein Ausdruck dafür.   

 

Weitere Informationen
Das Bild zeigt Sandra Körbs, die Beauftragte gegen Missbrauch des Bistums Osnabrück. © Bistum Osnabrück

Bistum Osnabrück bekommt Beauftragte gegen Missbrauch

Die Kirche reagierte damit auf einen alarmierenden Zwischenbericht der Uni Osnabrück zu sexualisierter Gewalt im Bistum. mehr

Der katholische Bischof Franz-Josef Bode lächelt in die Kamera. © picture alliance/dpa/Friso Gentsch Foto: Friso Gentsch

Bischof Bode macht sich für die Ehe für Priester stark

Es brauche weitere Formen priesterlichen Lebens, sagte er beim Jahrestreffen der katholischen Journalistenschule ifp. mehr

Ein buntes Kirchenfenster mit christlicher Symbolik. © Screenshot
2 Min

Missbrauch im Bistum Osnabrück: Bestürzung in Ostercappeln

Der beschuldigte Priester wurde von seinen Aufgaben entbunden - allerdings erst nach Veröffentlichung der Studie im September. 2 Min

Blick auf den Eingang des Doms St. Petrus in Osnabrück. © NDR Foto: Julius Matuschik

Missbrauchsstudie: Priester darf keine Gottesdienste feiern

Der Beschuldigte soll laut dem Bericht der Universität Osnabrück eine Jugendliche jahrelang sexuell missbraucht haben. mehr

Bischof Franz-Josef Bode und Ministranten mit Weihrauchfass bei einem Gottesdienst. © picturealliance/dpa Foto: Sebastian Gollnow

Bischof Bode bittet um Vergebung - Laien fordern Rücktritt

Bode gibt schwere Fehler im Umgang mit Missbrauchsfällen im Bistum Osnabrück zu. Einen Rücktritt lehnt er aber ab. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 12.12.2022 | 12:20 Uhr

Der Arm einer Frau bedient einen Laptop, der auf einem Tisch in einem Garten steht, während die andere Hand einen Becher hält. © picture alliance / Westend61 | Svetlana Karner

Abonnieren Sie den NDR Kultur Newsletter

NDR Kultur informiert alle Kulturinteressierten mit einem E-Mail-Newsletter über herausragende Sendungen, Veranstaltungen und die Angebote der Kulturpartner. Melden Sie sich hier an! mehr

NDR Kultur App Bewerbung

Die NDR Kultur App - kostenlos im Store!

NDR Kultur können Sie jetzt immer bei sich haben - Livestream, exklusive Gewinnspiele und der direkte Draht ins Studio mit dem Messenger. mehr

Mann und Frau sitzen am Tisch und trinken Tee. © NDR Foto: Christian Spielmann

Tee mit Warum - Die Philosophie und wir

Bei einem Becher Tee philosophieren unsere Hosts über die großen Fragen. Denise M‘ Baye und Sebastian Friedrich diskutieren mit Philosophen und Menschen aus dem Alltag. mehr

Mehr Kultur

Teaodor Currentzis dirigiert das "War Requiem" in der Elbphilharmonie © Selina Demtröder/Elbphilharmonie Foto: Selina Demtröder

Currentzis dirigiert "War Requiem": Klangskulptur aus tanzenden Luftmolekülen

Das Hamburger Publikum feiert die Musiker von Orchester und Chor und ihren Dirigenten, Teaodor Currentzis, frenetisch. mehr