Stand: 22.11.2019 19:17 Uhr

Zu viel Salz im Körper: Was sind die Folgen?

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Zu viel Salz im Essen kann auf Dauer zu schweren Erkrankungen führen.

Ein bisschen Salz ist lebenswichtig, doch zu viel davon schadet dem Körper. Auf dauerhaft zu hohen Salzkonsum reagieren viele Menschen mit Bluthochdruck, das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigt. Die Nieren, die überschüssiges Salz ausscheiden, werden ebenfalls belastet. Und auch die Zusammensetzung der Bakterien im Darm, das Mikrobiom, kann sich durch zu viel Salz verändern.

Waage mit zwei Waagschalen, die unterschiedlich viel mit Salz gefüllt sind.

Zu viel Salz im Körper: Was sind die Folgen?

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Zu viel Salz ist auf Dauer schädlich für den Körper. Welche Folgen hat zu hoher Salzkonsum? Und wie lässt sich Salz im Essen vermeiden? Visite gibt Tipps für eine salzarme Ernährung.

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Die meisten Menschen essen zu viel Salz

In Deutschland nimmt jeder Mann durchschnittlich 10 Gramm Kochsalz (Natriumchlorid) pro Tag über die Ernährung zu sich, jede Frau 8,4 Gramm. Das liegt weit über der Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung von täglich sechs Gramm. In den USA raten Experten sogar zu nur fünf Gramm Kochsalz am Tag.

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Tipps für eine salzarme Ernährung

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Zu viel Salz ist auf Dauer schädlich für den Körper. Wie lässt sich Salz im Essen vermeiden? Ernährungsmediziner Dr. Niels Schulz-Ruhtenberg gibt Tipps. Video (04:42 min)

Warum Natrium, Chlorid und Kalium wichtig sind

Der Körper braucht die Elektrolyte Natrium, Chlorid und Kalium, um den Wasser-, Elektrolyt- und Säure-Basen-Haushalt und die Gewebespannung aufrechtzuerhalten.

  • Natrium und Kalium spielen eine entscheidende Rolle bei der Funktion von Nerven und Muskeln: Sie ermöglichen den Aufbau der elektrischen Spannung an den Zellmembranen und damit die Weiterleitung von Nervenimpulsen - wichtig für Muskelkontraktionen, die Herzfunktion und die Regulation des Blutdrucks.

  • Natrium ist außerdem an aktiven Zelltransporten beteiligt.

  • Chlorid ist Bestandteil der Magensäure.

  • Als sogenannter Cofaktor von Enzymen spielt Kalium eine wichtige Rolle bei der Produktion von Eiweißen und Glykogen.

  • Auch für den Flüssigkeitshaushalt, die Verdauung und den Knochenbau benötigt der Körper Salz.

Was passiert bei Salzmangel?

Bei einer Salzzufuhr von weniger als drei Gramm pro Tag besteht Gesundheitsgefahr, insbesondere wenn gleichzeitig Natrium verloren geht. Bei Fieber, Erbrechen und Durchfall verliert der Körper Wasser und Salze. Die häufigste Ursache für Natriummangel sind aber Medikamente wie entwässernde Tabletten, Blutdrucksenker, Antidepressiva und Antiepileptika.

Sinkt der Natriumgehalt im Blut unter einen kritischen Wert (Hyponatriämie), kommt es zu Schwindel, Gleichgewichts- und Orientierungsstörungen. Die Bewegungen sind verlangsamt, das Sturzrisiko steigt. Nicht selten werden die Symptome das Natriummangels mit einer beginnenden Demenz verwechselt. Eine einfache Blutuntersuchung kann einen gefährlichen Natriummangel aufdecken.

Betroffen sind vor allem ältere Menschen: Sie essen und trinken weniger und nehmen damit auch weniger Salz zu sich.

Wie zu viel Salz im Körper wirkt

Der dauerhafte Verzehr von zu viel Salz kann den Körper schädigen:

  • Blutdruck: Eine zu hohe Kochsalzzufuhr erhöht nachweislich das Risiko für Bluthochdruck - einer der Haupt-Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Krankheiten wie Herzinfarkt und Schlaganfall. . Blutdrucktabletten schlagen oft besser an, wenn weniger Salz gegessen wird. Allerdings reagieren nicht alle Menschen mit Bluthochdruck gleichermaßen auf den Salzkonsum. Während ein Salzverzicht bei einigen Betroffenen einen deutlich messbaren Effekt auf den Blutdruck hat, fällt er bei anderen kaum ins Gewicht. Die Ursache dafür ist noch nicht geklärt.

  • Übergewicht: Als Geschmacksverstärker regt Salz den Appetit an und kann dadurch die Entstehung einer Adipositas fördern. So bestehen beispielsweise Chips und Flips aus einer bestimmten Mischung von Kohlenhydraten, Fett und Salz, angereichert durch Aroma- und Farbstoffe, Zucker und Gewürze. Diese Mischung wird auch "Fressformel" genannt und lässt uns nicht mehr aufhören zu essen, weil sie unser Sättigungsgefühl beeinflusst und das Belohnungssystem im Gehirn aktiviert.

  • Darm und Immunsystem: Ein Übermaß an Kochsalz hat auch Einfluss auf die Zusammensetzung des Darm-Mikrobioms. Zu viel Kochsalz reduziert die Zahl der Laktobazillen im Darm deutlich, zugleich steigt die Zahl der sogenannten Th17-Helferzellen im Blut an. Diese Immunzellen stehen im Verdacht, den Blutdruck zu erhöhen sowie Entzündungen und Autoimmunerkrankungen zu fördern. Dass sich die Zahl der Th17-Zellen so massiv erhöht, weist auf eine erhöhte Entzündungsreaktion im Körper hin. Das Mikrobiom scheint also ein wichtiger Faktor für durch Salz beeinflusste Erkrankungen zu sein.

In diesen Lebensmitteln steckt viel Salz

Doch Salz zu vermeiden, ist gar nicht so einfach. Denn das Salzen des Nudelwassers oder das Nachsalzen beim Essen machen nur höchstens 20 Prozent unseres Konsums aus. Das meiste Salz - etwa 80 Prozent - steckt in verarbeiteten Lebensmitteln wie Brot, Käse, Wurst, Fertigsoßen und vor allem Fertiggerichten wie Pizza. Das Problem ist, dass es kaum messbar und nur schwer einzuschätzen ist, wie viel Salz wir zu uns nehmen. Und es ist sehr mühselig, den Salzgehalt bei jedem einzelnen Lebensmittel herauszubekommen.

Kalium statt Natrium kann Blutdruck senken

Die Salze Natriumchlorid (Kochsalz) und Kaliumchlorid haben eine gegensätzliche Wirkung auf den Blutdruck. Während Natriumchlorid den Blutdruck steigert, kann eine kaliumreiche Ernährung bei Menschen mit Bluthochdruck blutdrucksenkend wirken und das Schlaganfallrisiko reduzieren. Eine erhöhte Kaliumzufuhr eignet sich allerdings nicht für Menschen mit schweren Nierenerkrankungen.

Lebensmittel mit viel Kalium bevorzugen

Zur Vorbeugung von Bluthochdruck und Schlaganfall empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung, vermehrt Lebensmittel auf den Speisenplan zu setzen, die von Natur aus wenig Natrium, aber dafür viel Kalium enthalten:

  • Gemüse und Obst sind generell reich an Kalium und gleichzeitig natriumarm, egal ob frisch oder tiefgefroren.

  • Gemüse- und Obstarten wie Aprikosen, Bananen, Karotten, Kohlrabi und Tomaten enthalten besonders viel Kalium.

  • Noch höher ist der Kaliumgehalt in konzentrierter Form, zum Beispiel in Tomatenmark oder Trockenobst.

  • Viel Kalium steckt zudem in Kartoffeln, Haselnüssen, Cashewkernen, Mandeln und Erdnüssen.

  • Kaliumreiche Mehlsorten sind Dinkel-, Roggen-, und Buchweizenvollkornmehl.

  • Auch Bitterschokolade hat einen hohen Kaliumgehalt.

Tipps für weniger Salz im Essen

Schon mit einfachen Maßnahmen lässt sich der Salzkonsum reduzieren:

  • Verarbeitete Lebensmittel meiden.
  • Speisen zunächst mit Gewürzen und Kräutern abschmecken, das spart Salz ein.
  • Salzkonsum ist Gewöhnungssache: Es dauert eine Weile, bis salzarme Gerichte angenehm würzig schmecken.

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Experten zum Thema

Dr. Niels Schulz-Ruhtenberg, Facharzt für Allgemeinmedizin, Ernährungsmedizin und Sportmedizin
Praxis Ärzte am Kaiserkai
Am Kaiserkai 46
20457 Hamburg
(040) 64 66 17 60
ruhtenberg.info

Prof. Dr. Ulrich Wenzel, Oberarzt
III. Medizinische Klinik und Poliklinik (Nephrologie/Rheumatologie mit Sektion Endokrinologie)
Zentrum für Innere Medizin
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52
20246 Hamburg
www.uke.de

Prof. Dr. Matthias Laudes, Oberarzt
Bereichsleitung Endokrinologie, Diabetologie und Klinische Ernährungsmedizin
Klinik für Innere Medizin I
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel
Arnold-Heller-Straße 3
24105 Kiel
www.uksh.de

Hendrik Bartolomaeus, Wissenschaftler
Forschungsgruppe "Hypertoniebedingte Endorganschäden"
Experimental and Clinical Research Center
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC)
Robert-Rössle-Straße 10
13092 Berlin
www.mdc-berlin.de

Weitere Informationen
Deutsche Hochdruckliga e.V. DHL - Deutsche Hypertonie Gesellschaft
Berliner Straße 46
69120 Heidelberg
(06221) 58 85 55 (Herz-Kreislauf-Telefon Mo-Fr 9-17 Uhr)
www.hochdruckliga.de
Liste zertifizierter Hypertonie-Zentren und Blutdruckspezialisten
Präventionsmagazin "Druckpunkt" (erscheint vierteljährlich)

Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V.
Godesberger Allee 18
53175 Bonn
www.dge.de

Dieses Thema im Programm:

Visite | 26.11.2019 | 20:15 Uhr

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