Stand: 19.04.2018 16:29 Uhr

Zecken: Vorsicht ja, Panik nein

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Zecken warten in hohem Gras oder Büschen auf ihre Opfer.

Sie tummeln sich im hohen Gras oder Büschen und warten dort auf ihre Opfer: Zecken. Die kleinen Blutsauger lieben nicht nur Hunde- und Katzenblut, sondern auch das von Menschen. Meist warten die Parasiten nicht mehr als einen Meter über dem Boden auf Nahrung - auch in gepflegten Parkanlagen oder Gärten. In Sekundenbruchteilen klammern sie sich dann an vorbeikommenden Lebewesen fest. Springen oder gar von Bäumen fallen, können Zecken nicht - notwendig ist ein direkter Kontakt.

Suche nach der Einstichstelle

Vorbeugen hilft

Zum Schutz vor Zeckenstichen gehört:
- helle Kleidung tragen, die die Haut möglichst vollständig bedeckt
- Hemd in die Hose und Hosenbeine in die Socken stecken
- chemische Anti-Zeckenmittel (Repellent) auf die Haut auftragen
- Pinzette oder Zeckenkarte zum Entfernen mitnehmen
- Kleidung nach der Rückkehr aus der Natur abklopfen
- Haut vollständig nach Zecken absuchen
- bei der Reiseplanung über FSME-Risikogebiete informieren

Dann gehen die Sauger auf die Suche nach einer gut durchbluteten, leicht feuchten, geschützten Hautstelle. Denn um sich vollzusaugen, benötigen die Tiere viel Zeit. Bei erwachsenen Zecken können dies bis zu acht Tage sein. Dabei schwellen sie an und werden mehr als einen Zentimeter groß. Durch Kleidung stechen Zecken nicht, klammern sich aber zunächst daran fest und müssen einen Eingang zur Haut finden. Zur Vorbeugung ist es also sinnvoll, beim Waldspaziergang lange Hosen zu tragen und die Enden der Hosenbeine in die Socken zu stecken.Tristan Jode, Umweltberater bei der Verbraucherzentrale Hamburg, warnt: ""Ein zuverlässiger Schutz vor Zecken ist mit Mitteln zum Einsprühen oder Einreiben der Haut allein nicht zu erreichen." Bis die Zecke zusticht, können Stunden vergehen - häufig Zeit genug, um sie zu entdecken. Nach einem Ausflug sollte man die Kleidung gut ausschütteln und den Körper gründlich nach Zecken absuchen, auch an verdeckten Stellen wie Achseln, Bauchnabel, auf dem Kopf oder im Genitalbereich.

Überträger von Krankheiten

Der Zeckenstich selbst ist für Menschen ungefährlich, allerdings können dabei Krankheitserreger übertragen werden: unter anderem das Bakterium Borrelia burgdorferi, das Borreliose auslösen kann, sowie das Virus für Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME).

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Eine vollgesogene Zecke glänzt grau-braun. Ihr Umfang hat sich vervielfacht.

Borreliose ist vergleichsweise weit verbreitet und kommt in ganz Deutschland vor - nach Schätzungen erkranken pro Jahr mehrere Zehntausend Menschen daran. Allerdings trägt nicht jede Zecke die Bakterien in sich. Im Schnitt sollen es rund 25 Prozent der Tiere sein - mit großen regionalen Schwankungen. Auch bedeutet nicht jeder Stich einer infizierten Zecke, dass Bakterien übertragen werden. Nur maximal sechs Prozent der Gestochenen infizieren sich laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und nur rund 30 Prozent von ihnen bekommen Beschwerden. Das Übertragungsrisiko ist zunächst sehr gering, steigt aber nach zwölf Stunden Saugzeit deutlich an. Dann ist das Tier schon deutlich angeschwollen. Eine Zecke sollte daher so schnell wie möglich entfernt werden.

Borreliose schwierig zu diagnostizieren

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Zecken sollten möglichst schnell entfernt werden, etwa mit einer speziellen Zeckenzange aus der Apotheke.

Gegen Borreliose - oder präziser Lyme-Borreliose - gibt es keinen vorbeugenden Impfschutz und die Diagnose ist häufig nicht eindeutig. Selbst Bluttests ergeben keine völlige Sicherheit, da der Körper kurz nach einer Infektion möglicherweise noch keine Antikörper gebildet hat oder die Krankheit längst abgeklungen sein kann, aber noch Antikörper vorhanden sind. Die Symptome sind vielfältig, von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich und reichen von Abgeschlagenheit und Muskelschmerzen bis zu Entzündungen und Lähmungen. Als sicherer Hinweis auf Borreliose gilt eine Wanderröte, die bei rund 90 Prozent der Infektionen auftritt. Dann rötet sich die Haut um die Einstichstelle mehr oder weniger stark. Der betroffene ringförmige, mindestens vier Zentimeter große Bereich vergrößert sich über Tage hinweg. Die Rötung kann Stunden, aber auch Wochen nach dem Stich einsetzen. Derartige Stellen sollte man umgehend einem Arzt zeigen. Eine diagnostizierte Borreliose wird mit Antibiotika behandelt.

FSME kommt deutlich seltener vor

Zecken in Deutschland

Die häufigste Zeckenart in Deutschland ist der Gemeine Holzbock oder lateinisch Ixodes ricinus aus der Familie der Schildzecken. Das rotbraune Tier ist 2,5 bis 4 Millimeter groß. Es krabbelt auf acht Beinen und trägt am schwarzen Kopf Kiefernklauen mit einem Stachel.

Die zweite bekannte Krankheit, die von Zecken übertragen werden kann, ist wesentlich seltener: Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Pro Jahr erkranken daran in Deutschland einige Hundert Menschen. Bislang trugen fast nur Zecken im Süden der Bundesrepublik das Virus in sich, das FSME auslöst. Das Robert-Koch-Institut zeigt auf einer Karte die betroffenen Risikogebiete. Neben Süddeutschland gehören dazu auch Österreich, Osteuropa und Skandinavien. Es gibt außerdem Hinweise dafür, dass sich FSME nach Norden ausbreitet. Seit 2002 seien insgesamt 18 Fälle bekannt, in denen sich Menschen vermutlich in Niedersachsen infiziert hätten, so das Landesgesundheitsamt in Hannover. Davon stammen neun aus den Jahren 2016 und 2017. Eine Infektion in Niedersachsen sei nicht völlig auszuschließen, aber sehr unwahrscheinlich.

Impfung mindestens vier Wochen vor der Reise

Etwa zehn Tage nach einer Infektion mit FSME treten Symptome auf, die zunächst denen einer Grippe mit Glieder- und Kopfschmerzen sowie Fieber ähneln. Bei rund zehn Prozent der Betroffenen entzündet sich dann die Hirnhaut, in schweren Fällen auch Gehirn und Rückenmark. Überwiegend heilt die Krankheit ohne Therapie vollständig aus. Bei älteren oder geschwächten Menschen kann sie allerdings tödlich sein. Wirkungsvoll behandeln lässt sich FSME nicht. Antibiotika bleiben wirkungslos, da es sich um eine Viruserkrankung handelt. Gegen FSME gibt es eine mehrstufige Impfung, die mindestens vier Wochen benötigt, um Schutz zu bieten. Später muss sie regelmäßig aufgefrischt werden. Wer in Risikogebieten Urlaub machen will, sollte rechtzeitig an den Impfschutz denken.

Babesiose gefährdet Hunde

Zecken können außerdem die Infektionskrankheit Babesiose auf Hunde übertragen. Die sogenannte Hunde-Malaria kommt überwiegend in der Mittelmeer-Region vor, vereinzelt aber auch in Deutschland. Ein Parasit befällt und zerstört die roten Blutkörperchen. Symptome sind Fieber, Müdigkeit und Muskelschmerzen, die Krankheit kann für Hunde tödlich verlaufen. Menschen sind in der Regel resistent.

Zecken richtig entfernen

Eine Zecke, die in die Haut gestochen hat, muss so schnell wie möglich entfernt werden. Dazu die Zecke mit einer spitzen Pinzette oder einer speziellen Zeckenzange dicht über der Haut fassen und vollständig herausziehen. Dabei leicht rütteln. Besonders leicht funktioniert die Entfernung mit einer sogenannten Zeckenkarte. Beide Werkzeuge sind in Apotheken erhältlich.

Steht kein Werkzeug zur Verfügung, mit Fingernägeln oder einem Faden arbeiten. Falls vorhanden, eine Lupe verwenden. Den Körper des Tieres nicht quetschen oder drücken! Kein Öl oder andere Flüssigkeiten auf die Zecke geben.

Die Einstichstelle anschließend gründlich desinfizieren und markieren oder fotografieren, um spätere Rötungen zuordnen zu können.

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Dieses Thema im Programm:

NDR//Aktuell | 19.04.2018 | 16:00 Uhr

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