Ein Kleinkind mit roten Pusteln auf der Haut. © Panthermedia Foto: grinvalds

Windpocken: Symptome, Ansteckung und Schutz durch Impfung

Stand: 04.03.2024 14:55 Uhr | vom Rundfunk Berlin-Brandenburg-Logo

Windpocken gehören zu den klassischen Kinderkrankheiten, aber auch Erwachsene können sie bekommen. Das Varizella-Zoster-Virus löst einen Hautausschlag aus, der mit Bläschenbildung und Juckreiz einhergeht.

von Ursula Stamm

Windpocken, auch Varizellen genannt (Varizella-Zoster-Virus), sind hoch ansteckend. Von zehn Personen, die mit einem an Windpocken erkrankten Menschen Kontakt hatten, stecken sich mindestens neun Personen an - "schnell wie der Wind" verbreiten sich Windpocken also.

Windpocken: das Wichtigste in Kürze

Windpocken gehören zu den häufigsten Kinderkrankheiten, die durch eine Impfung vermeidbar sind. Die Symptome der Windpocken treten meist zwei Wochen nach der Ansteckung auf.

Wie werden Windpocken übertragen?

Die Varizella-Zoster-Viren werden meistens über das Einatmen von winzigen Speicheltröpfchen übertragen, die Erkrankte beim Atmen, Husten, Niesen oder Sprechen ausstoßen. Die Viren können dabei Distanzen bis zu mehreren Metern überwinden.

Besonders ansteckend ist die Flüssigkeit, die sich bei Windpocken in den Hautbläschen bildet. Platzen diese Bläschen auf, können Varizella-Zoster-Viren beim Kratzen an die Hände gelangen und von dort per Schmierinfektion weitergegeben werden. An Oberflächen, die mit verkeimten Händen angefasst wurden, halten sich die Windpocken-Viren einige Stunden bis zu wenigen Tagen.

Was sind die Symptome von Windpocken?

Eine Ärztin untersucht den Fuß eines Kindes, der mit roten Pusteln bedeckt ist. © Colourbox
Der typische Ausschlag bei Windpocken breitet sich über den gesamten Körper aus.

Wer sich mit Windpocken angesteckt hat, fühlt sich in der Regel schon ein bis zwei Tage vor dem Hautausschlag krank, gelegentlich tritt auch Fieber auf. Der typische Hautausschlag besteht aus kleinen roten Flecken und Knötchen, die mit der Zeit zu mit Flüssigkeit gefüllten Bläschen anwachsen. Der Ausschlag beginnt häufig am Kopf und breitet sich dann über den Rumpf und den gesamten Körper aus.

Auch an den Schleimhäuten, den Genitalien und der Kopfhaut können sich Bläschen bilden. Diese Bläschen trocknen nach einiger Zeit aus und bilden Krusten. Alle Stadien des Hautausschlages treten parallel auf. Die Bläschen heilen meist nach drei bis fünf Tagen von allein wieder ab.

Mittel und Medikamente gegen den Juckreiz

Kaum jemand erkrankt an Windpocken, ohne sich die juckenden Hautbläschen zu kratzen. Da es dadurch zu einer bakteriellen Infektion und Narben kommen kann, gilt es, die Haut gut zu pflegen und den Juckreiz mit entsprechenden Medikamenten zu lindern - gerade bei Kindern.

Zum Einsatz kommen Lotionen, Gele oder Puder mit den Wirkstoffen Zink, Menthol, Polidocanol sowie Gerbstoffen. Gegen den Juckreiz werden manchmal auch Antihistaminika empfohlen, die als Tablette eingenommen werden. Bestimmte Präparate sind auch schon für Babys, Kleinkinder und Kinder geeignet. Bei ihnen empfiehlt sich zudem, die Fingernägel kurz zu halten und ihnen gegebenenfalls baumwollene Fäustlinge anzuziehen.

Beschwerden wie Fieber oder Gliederschmerzen lassen sich durch schmerzlindernde und fiebersenkende Mittel mit dem Wirkstoff Paracetamol lindern. Die Gabe von Ibuprofen bei Kindern mit Windpocken ist umstritten. Am besten sprechen Eltern mit ihrem Kinderarzt oder der Kinderärztin. Der Wirkstoff Acetylsalicylsäure (ASS) darf bei Kindern und Jugendlichen nur auf ärztliche Anweisung angewendet werden. ASS kann bei ihnen nämlich das seltene, aber gefährliche Reye-Syndrom auslösen.

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Bei schweren Verläufen oder bei Menschen mit einem erhöhten Risiko für Komplikationen können antivirale Medikamente, wie zum Beispiel Aciclovir eingesetzt werden.

Wie lange ist man bei Windpocken ansteckend?

Menschen, die sich mit Windpocken angesteckt haben, entwickeln in der Regel nach etwa zwei Wochen die typischen Symptome. Allerdings sind sie schon ein bis zwei Tage bevor der Hautausschlag zu sehen ist, ansteckend. Sind alle Hautbläschen verkrustet, besteht keine Ansteckungsgefahr mehr. Das ist meist nach fünf bis sieben Tagen der Fall.

Windpocken-Impfung für Kinder

Der sicherste Schutz gegen Windpocken ist die Impfung. Seit 2004 wird sie von der Ständigen Impfkommission (Stiko) empfohlen. Und zwar in zwei Schritten: Im Alter von 11 bis 15 Monaten und dann erneut im Alter von 15 bis 23 Monaten. Je nach verwendetem Präparat sollte zwischen den beiden Impfungen ein Mindestabstand von vier bis sechs Wochen liegen, damit sich Antikörper optimal entwickeln können. Der Impfstoff wird gespritzt.

Die Windpocken-Impfung ist gleichzeitig mit der Kombinationsimpfung gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR-Impfung) möglich. Es gibt aber auch einen Kombinationsimpfstoff gegen Masern, Mumps, Röteln und Varizellen (MMRV-Impfung).

Ob man schon mal Windpocken hatte, lässt sich zum Beispiel durch Blutuntersuchung (serologisches Verfahren) auf Antikörper prüfen. Ungeimpfte oder nur einmal geimpfte Kinder und Jugendliche sollten die fehlenden Impfungen so schnell wie möglich nachholen.

Impfempfehlung gegen Windpocken bei Erwachsenen

Bei Erwachsenen wird bestimmten Gruppen zu einer zweimaligen Impfung gegen Windpocken geraten. Und zwar:

  • Menschen, die im Gesundheitsdienst arbeiten sowie in Gemeinschaftseinrichtungen für Kinder im Vorschulalter
  • Personen, die in Kliniken arbeiten für Onkologie, Gynäkologie und Geburtshilfe sowie auf Intensivstationen und in Bereichen mit immunschwachen Patientinnen und Patienten
  • Frauen mit Kinderwunsch
  • vor einer Behandlung, die die Immunabwehr unterdrückt
  • vor einer Organtransplantation
  • Menschen mit starker Neurodermitis
Die Empfehlung zur zweimaligen Impfung gegen Windpocken gilt bei den vier letztgenannten Gruppen auch für deren Kontaktpersonen.

Impfung schützt zu 95 Prozent vor Ansteckung

Windpocken treten in der Regel bei Kindern bis zum zehnten Lebensjahr auf. Aber auch ungeschützte Jugendliche und Erwachsene können erkranken. Häufig ist ihr Verlauf sogar schwerer. Eine zweimalige Impfung verhindert zu 95 Prozent, dass man sich mit Windpocken ansteckt. Kommt es dennoch zu einer Ansteckung, ist der Verlauf der Erkrankung milder und führt auch seltener zu Komplikationen.

Windpocken während der Schwangerschaft: Gefahr für das Baby

Innerhalb der ersten sechs Monate einer Schwangerschaft kommt es selten zu einer Übertragung der Windpocken-Viren über die Blutbahn auf das ungeborene Kind. Erkrankt die Schwangere jedoch kurz vor oder nach der Geburt, besteht eine hohe Ansteckungsgefahr für das ungeborene beziehungsweise neugeborene Kind. Eine Infektion mit Windpocken in diesen Zeiträumen ist sehr gefährlich und hat in etwa 30 Prozent der Fälle einen tödlichen Verlauf für das Kind.

Zahl der Erkrankungen seit 2004 deutlich gesunken

Da die meisten Eltern den Impfempfehlungen der Stiko folgen, ist die Zahl der Windpocken-Erkrankungen seit 2004 deutlich zurückgegangen. Vor 2004 erkrankten jährlich etwa 750.000 Kinder und Erwachsene an Windpocken. Im Jahr 2020 wurden nur noch etwa 11.300 Windpocken-Erkrankungen gemeldet - über 90 Prozent der Erkrankten waren ungeimpft.

Keine Impfung von Schwangeren

Eine Impfung bei Schwangeren ist laut Robert Koch-Institut kontraindiziert, da es sich bei der Varizellen-Impfung um einen Lebendimpfstoff handelt. Daher sollten sich Frauen mit Kinderwunsch, die noch nicht gegen Windpocken geimpft sind, vor einer möglichen Schwangerschaft impfen lassen. Bei einer Gürtelrose-Erkrankung der Schwangeren besteht keine Gefahr für das ungeborene Kind.

Komplikationen einer Windpockeninfektion

Mögliche Komplikationen für alle an Varizellen Erkrankte sind zusätzliche bakterielle Infektionen der Haut und eine Lungenentzündung. Sie tritt etwa bei jedem fünften Erwachsenen auf und beginnt typischerweise drei bis fünf Tage nach Krankheitsausbruch. Schwangere Frauen sind besonders gefährdet. In seltenen Fällen kann eine Windpocken-Infektion auch das zentrale Nervensystem beeinträchtigen und zu Gleichgewichtsstörungen und einer Reizung der Hirnhäute führen. Auch postherpetische Neuralgien sind möglich: Diese Nervenschmerzen können über einige Zeit andauern, in sehr seltenen Fällen bleiben die Schmerzen sogar dauerhaft.

Varizella-Zoster-Virus kann im Alter Gürtelrose auslösen

Wer einmal eine Varizellen-Infektion überstanden hat, ist durch das Immungedächtnis und Antikörper in der Regel lebenslang immun gegen Windpocken. Allerdings kann man ab dem mittleren Lebensalter und bedingt durch ein geschwächtes Immunsystem später an Gürtelrose erkranken. Gürtelrose wird ebenfalls durch das Varizella-Zoster-Virus hervorgerufen.

Die Varizella-Zoster-Viren "schlafen" in den Nervenwurzeln im Bereich des Rückenmarks und der Hirnnerven. "Aufgeweckt" werden können die Windpocken-Viren zum Beispiel nach Infektionen mit anderen Viren, wie zum Beispiel dem Virus Sars-CoV-2 oder dem Grippevirus. Auch andere Erkrankungen, die das Immunsystem schwächen, können zu einer Gürtelrose führen. Schützen kann man sich durch eine Impfung gegen Gürtelrose, die ab dem 60. Lebensjahr empfohlen wird. Für immungeschwächte Menschen und diejenigen mit chronischen Erkrankungen wie Diabetes oder rheumatoider Arthritis auch schon ab dem 50. Lebensjahr. Mit Windpocken anstecken kann man sich auch bei Menschen, die an Gürtelrose erkrankt sind. Sie können Varizella-Zoster-Viren durch direkten Kontakt (Schmierinfektion) übertragen, eine Tröpfcheninfektion über die Luft ist hier aber nicht möglich.

Windpocken-Erkrankte müssen in Quarantäne

Windpocken sind seit 2013 eine meldepflichtige Erkrankung. Da die Erkrankung hoch ansteckend ist, sollten sich Erkrankte und ihre Kontaktpersonen in der akuten Krankheitsphase in Quarantäne begeben.

Gemeinschaftseinrichtungen wie Schulen und Kindergärten dürfen selbstverständlich nicht besucht werden und müssen über den Erkrankungsfall informiert werden. Beim Besuch einer Arztpraxis, müssen die Mitarbeitenden vorher über den Verdacht auf eine Windpocken-Erkrankung informiert werden.

Ungeschützte Schwangere oder Menschen mit einer Immunschwäche, die mit Erkrankten in Kontakt gekommen sind, sollten sich unverzüglich bei ihrer behandelnden Ärztin oder ihrem behandelnden Arzt melden - hier besteht eine hohe Gefahr für eine Ansteckung mit potenziell schwerem Verlauf.

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Dieses Thema im Programm:

MDR Sachsen | Das Sachsenradio | 23.10.2023 12:40 Uhr

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