Stand: 02.12.2019 17:05 Uhr

Schlaganfall: Infektionen können Auslöser sein

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Wenn die Gefäßwand einer Halsschlagader zum Beispiel beim Husten einreißt, kann ein Schlaganfall die Folge sein.

Einen Schlaganfall erleiden in Deutschland jedes Jahr rund 200.000 Menschen. Durch eine Hirnblutung oder eine plötzliche Minderdurchblutung des Gehirns erhalten die Nervenzellen zu wenig Sauerstoff gehen zugrunde. Typische Symptome sind neurologische Ausfälle wie einseitige Lähmungen, Seh- oder Sprachstörungen und einseitige Kopfschmerzen.

Thromben können Schlaganfälle auslösen.

Schlaganfall: Infektionen können Auslöser sein

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Auslöser eines Schlaganfalls können relativ harmlose Umstände sein, etwa Infekte oder eine Operation. Bei erhöhtem Risiko sollte man die sogenannten Triggerfaktoren meiden.

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Mögliche Auslöser für einen Schlaganfall: Husten, Infektion oder Operation

Auslöser eines Schlaganfalls können unterschiedliche Umstände sein, zum Beispiel Atemwegsinfekte oder eine nicht lange zurückliegende Operation. Auch heftiger Husten oder ein Wutanfall können durch erhöhten Blutdruck in der Halsschlagader zu einem Schlaganfall führen.

Schlaganfall-Risiko nach Infektionen erhöht

Auch wenn die ursächlichen Zusammenhänge noch nicht geklärt sind, ist mittlerweile klar, dass Infektionen Schlaganfälle auslösen können. New Yorker Forscher haben in einer Studie die Daten von 190.000 Patienten mit einem Schlaganfall untersucht und fanden dabei auffällig oft Hinweise auf eine Infektion. Vor allem Harnwegsinfekte waren auffällig häufig vertreten, aber auch Lungenentzündungen und andere Atemwegserkrankungen, Entzündungen im Bauchraum, der Haut und Blutvergiftung (Sepsis) kamen im Vorfeld von Schlaganfällen vor.

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Schlaganfall: Wer ist besonders gefährdet?

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Auslöser eines Schlaganfalls können relativ harmlose Umstände sein, etwa Infekte oder eine Operation. Wer besonders gefährdet ist, erklärt Neurologe Dr. Frederick Palm. Video (04:55 min)

Auch bei jüngeren Menschen scheinen Infektionen ein Auslöser zu sein. Und gerade bei Patienten, die nicht die klassischen Risikofaktoren aufweisen, findet man häufig Infektionen als Triggerfaktoren für Schlaganfälle.

Bisher hielten Mediziner die bei einem Schlaganfall häufig erhöhten Entzündungswerte im Blut eher für eine Folge des Schlaganfalls. Doch inzwischen spricht vieles dafür, dass der Schlaganfall auf die Entzündung folgt. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, die ohnehin schon ein hohes Schlaganfallrisiko haben, zum Beispiel durch Übergewicht, Diabetes und Ablagerungen in den Gefäßen. Mediziner raten deshalb dringend zur Vorbeugung, unter anderem durch die alljährliche Grippeschutzimpfung.

Diese Faktoren können einen Schlaganfall auslösen

Auslösende Faktoren, sogenannte Trigger, für einen Schlaganfall sind beispielsweise:

  • kurz zurückliegende Operationen oder Verletzungen

  • heftige Hustenattacken

  • Sport mit kurzzeitig hohen Belastungen und Blutdruckspitzen, zum Beispiel Klettern oder Gewichtheben

  • Wutanfälle mit einem drei- bis vierfach erhöhten Risiko in den ersten zwei Stunden danach

  • Alkoholgenuss mit einem zweifach erhöhten Risiko in der ersten Stunde

Vorsichtsmaßnahmen bei erhöhtem Schlaganfallrisiko

Darauf sollten Menschen mit einem erhöhten Schlaganfallrisiko besonders achten:

  • bei Operationen Gerinnungshemmer spät absetzen und anschließend früh wieder einnehmen

Typische Symptome eines Schlaganfalls

Bei einem Schlaganfall können diese Symptome auftreten:

  • plötzliches Gefühl der Schwäche, Lähmung oder Taubheit auf einer Körperseite

  • Sehstörungen wie halbseitiger Ausfall des Gesichtsfelds, Doppelbilder, verschwommenes Sehen oder Sehverlust auf einem Auge

  • Störungen beim Sprechen oder des Sprachverständnisses

  • plötzlicher Schwindel mit Gangunsicherheit

  • starke Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen

Hämorrhagischer oder ischämischer Schlaganfall

Unterschieden werden hämorrhagische Hirninfarkte, deren Symptome durch eine Hirnblutung verursacht werden und ischämische, also Schlaganfälle, die durch eine plötzliche Minderdurchblutung des Gehirns verursacht werden. Ischämien sind dabei mit etwa 80 Prozent aller Schlaganfälle die häufigste Form. Fast jeder Vierte stirbt innerhalb des ersten Jahres an den Folgen. Die Überlebenden müssen oft mit belastenden Behinderungen wie Lähmungen, Sprach- und Sehstörungen kämpfen.

Ursachen für verstopfte Gefäße im Gehirn

Eine Gefäßverstopfung im Gehirn kann verschiedene Ursachen haben:

  • Arteriosklerose, also Kalk- und Fettablagerungen an den Gefäßwänden, führen zunächst zu einer Verengung von Blutgefäßen. Im Verlauf kommt es dort zu lokalen Entzündungsreaktionen. In der Folge kann es dann zu Einrissen in die Gefäßwand und zur Bildung von Blutgerinnseln kommen. Diese können die Gefäße teilweise oder sogar komplett verschließen. Von den Halsgefäßen aus können solche Gerinnsel bis ins Gehirn geschwemmt werden (Embolie).

  • Vorhofflimmern verursacht jedes Jahr mindestens 30.000 Schlaganfälle. Insgesamt bleibt in jedem fünften Fall die Ursache des Schlaganfalls unbekannt. Doch Experten glauben inzwischen, dass auch in diesen Fällen häufig ein Vorhofflimmern zum Schlaganfall geführt hat. Das geht aus Studien hervor, in denen der Herzrhythmus von Patienten nach einem Schlaganfall unbekannter Ursache langfristig überwacht wurde.

Schlaganfall durch Einrisse in der Halsschlagader

Bei einer sogenannten spontanen Vertebralisdissektion finden Ärzte im Ultraschall einen Einriss (Dissektion) in der Gefäßwand einer der Halsschlagadern. Die sogenannte Vertebralis-Arterie verläuft zwischen den Wirbelkörpern und ist dort hohen mechanischen Belastungen ausgesetzt. Sind die Gefäße angegriffen, kann schon eine ruckartige Bewegung des Kopfes ausreichen, zum Beispiel ein Schulterblick beim Autofahren, ein Aufschlag beim Tennis oder eine Erschütterung beim Fahrradfahren, damit es zu einer Einblutung in die Gefäßwand dieser Arterie kommt.

Der Bluterguss in der Gefäßwand verengt die Ader, der Blutfluss wird behindert und hinter der Engstelle kann sich ein Blutgerinnsel bilden. Löst sich das Gerinnsel, kann es ins Gehirn geschwemmt werden und dort ein Gefäß verschließen, also einen Schlaganfall auslösen.

Zu den typischen Warnzeichen einer Dissektion gehören einseitige Kopfschmerzen, Schwindel, Sehstörungen und Ohrgeräusche. Tückisch ist, dass Dissektionen bei Ultraschalluntersuchungen eher als Verdickung der Arterie auffallen und nicht als die Engstelle, die sie tatsächlich darstellen. Wird eine verengende Dissektion gefunden, muss der Betroffene schnell mit blutverdünnenden Medikamenten behandelt werden, damit sich kein Blutgerinnsel bildet. Die Therapie dauert so lange, bis der Einriss in der Gefäßwand abgeheilt und der Bluterguss verschwunden ist.

Vorhofflimmern: Erhöhtes Risiko für Schlaganfall

Vorhofflimmern gehört zu der häufigsten Form von Herzrhythmusstörungen. In Deutschland sind etwa 1,8 Millionen Menschen betroffen. Durch eine ungeordnete Aktivität des Herzmuskels besteht die Gefahr, dass sich Blutgerinnsel in den Herzvorhöfen bilden. Lösen sich diese, können sie in hirnversorgende Blutgefäße gelangen, diese verschließen und dadurch zu einem Schlaganfall führen.

Bei manchen Betroffenen tritt Vorhofflimmern anfallartig auf (paroxysmales Vorhofflimmern), bei anderen ist es dauerhaft vorhanden. Typische Beschwerden sind Herzrasen und -stolpern, die von Luftnot oder einer Belastungseinschränkung begleitet werden können. Bei einem Großteil der Betroffenen bleibt das Vorhofflimmern jedoch unbemerkt.

Das Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden ist am größten, wenn das Vorhofflimmern unbemerkt und damit auch unbehandelt bleibt. In diesem Fall erleiden 15 von 100 Betroffenen innerhalb eines Jahres einen Schlaganfall.

Überwachung per EKG und Eventrecorder

Nach den aktuellen Leitlinien wird nach jedem Schlaganfall, dessen Ursache sich nicht unmittelbar klären lässt ("kryptogen"), ein Langzeit-EKG durchgeführt, um auch gelegentliches Vorhofflimmern als Auslöser aufzuspüren. Für eine langfristige Überwachung kann Betroffenen ein sogenannter Eventrecorder implantiert werden, der den Herzrhythmus über Monate aufzeichnet. Mit dieser Untersuchung konnte bei sechsmal mehr Betroffenen ein Vorhofflimmern nachgewiesen werden als mit dem herkömmlichen EKG. Als hilfreich bei der Identifizierung von bisher unerkanntem Vorhofflimmern haben sich auch Smartwatches mit EKG-Funktion erwiesen.

Gerinnungshemmer senken Schlaganfall-Risiko

Ist Vorhofflimmern als Auslöser des Schlaganfalls zuverlässig identifiziert, kann das Risiko für einen erneuten Schlaganfall mit Medikamenten gesenkt werden, die die Blutgerinnung hemmen. Da Gerinnungshemmer selbst Blutungen im Gehirn verursachen können, muss das Vorhofflimmern vor Therapiebeginn zweifelsfrei gesichert sein.

Schlaganfall möglichst schnell behandeln

Unabhängig von der Ursache ist jeder Schlaganfall ein Notfall. Nach dem Auftreten von Symptomen wie plötzlichen Sehstörungen, einseitigen Lähmungen oder Sprachstörungen sofort den Notarzt (112) rufen, sonst drohen irreparable Schäden oder der Tod. Nur innerhalb der ersten 4,5 Stunden nach Auftreten der Symptome lässt sich eine verstopfte Arterie mit einem Medikament wieder öffnen. Nach einem Schlaganfall gehen pro Minute bis zu zwei Millionen Nervenzellen zugrunde - deshalb zählt jede Minute.

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Experten zum Thema

Priv.-Doz. Dr. Frederick Palm, Chefarzt
Klinik für Neurologie
Helios Klinikum Schleswig
St. Jürgener Straße 1-3
24837 Schleswig
(04621) 812 15 51
www.helios-gesundheit.de

Prof. Dr. Joachim Röther, Chefarzt, Außerordentlicher Vorstand der Deutschen Schlaganfallgesellschaft
Neurologie
Asklepios Klinik Altona
Paul-Ehrlich-Straße 1, 22763 Hamburg
(040) 18 18 81-14 00
www.asklepios.com

Weitere Informationen
Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe
Schulstraße 22, 33311 Gütersloh
Service- und Beratungszentrum
(05241) 97 79-0
www.schlaganfall-hilfe.de

Kompetenznetz Schlaganfall
Charité Campus Mitte
Charitéplatz 1, 10117 Berlin
www.kompetenznetz-schlaganfall.de

Risiko-Test Schlaganfall
Test der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe für Personen, die 40 Jahre oder älter sind
www.schlaganfall-test.de

Dieses Thema im Programm:

Visite | 03.12.2019 | 20:15 Uhr

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